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Forstwirtin Matthaei im Ortsrat Evesen: Umstellung der Pflege von Winter- auf Sommerschnitt

Baumkataster löst womöglich "Kulturschock" aus

Bückeburg (bus). Die Erstellung des Bückeburger Baumkatasters wird unter Umständen erheblich weitere Kreise ziehen als bislang vermutet. Vor allen Dingen in den Expertenzirkeln der Obst- und Gartenbauvereinigungen könnte erheblicher Diskussionsbedarf entstehen. Hintergrund ist die Verlagerung des städtischen Baumschnitts vom Winter in den Spätsommer. "Auch wenn der Winterschnitt in vielen Köpfen einem alten Kulturgut gleich verankert ist, werden wir den Zeitpunkt der Pflegearbeiten verändern", gab Christiane Matthaei im Eveser Ortsrat zu verstehen.

veröffentlicht am 25.11.2008 um 00:00 Uhr

Christiane Matthaei stellt im Ortsrat Evesen das städtische Baum

"Wie soll ich das bloß meinem Vater beibringen?!", bekam die Forstwirtin und zertifizierte Baumkontrolleurin als erste Spontanreaktion zu hören. Matthaei ließ sich aber - fundiert, kompetent und souverän Bericht erstattend - keineswegs aus der Ruhe bringen. Sie verwies auf die durch aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegte Erkenntnis, "dass der Baum, der im Winter beschnitten wird, seine Wunden vorerst gar nicht verschließt, da kein Saftfluss stattfindet". Was das Eindringen von Bakterien, Pilzen und Insekten befördere sowie häufigere Kontrollen und Untersuchungen nach sich ziehe. Matthaei: "Eine Kostenspirale, die es um jeden Fall zu vermeiden gilt." Die Expertin hat den städtischen Bestand in 5 913 Datensätzen (die tatsächliche Zahl der Bäume liegt höher) erfasst. Außerhalb der Kernstadt (2 805 Datensätze) führt Evesen (1 226) die Rangliste an. Das Projekt dient nicht nur der Heranziehung eines langfristig gesunden Baumbestands sondern auch dazu, die Stadt vor möglichen Schadensersatzansprüchen zu bewahren. Wenn, beispielsweise, das Herabfallen eines Astes "vorhersehbar" gewesen ist, hat der Besitzer vor Gericht einen schwierigen Stand. Mit der Umstellung der Schnittzeiten kommen auf den städtischen Baubetriebshof vielfältige organisatorische Probleme zu. "Rasenmäharbeiten müssen gegebenenfalls weiter nach hinten ins Jahr verlegt werden", erläuterte die Berichterstatterin. Das komme indes der Ökologie entgegen und die Bürger müssten sich darauf einstellen, da Gras und Kraut zumeist keine wesentlichen Verkehrssicherheitsprobleme auslösten, sondern rein ästhetischer Natur seien. Matthaei skeptisch: "Mit immer weniger Personal ein immer größer werdendes Areal in einem allen Ansprüchen genügenden Zustand zu halten, wird aber nur teilweise gelingen können." Sogenannten Überlassungsverträgen, in denen die Pflege zwischen Stadt und Anrainer geregelt wird, könne Modellcharakter zukommen. Weil in der Ortsratssitzung auf die Matthaeische Ankündigung einer "Kakophonie von Maßnahmen" einiges Naserümpfen zu verzeichnen war, sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Begriff keineswegs auf Handlungen gassigehender Herrchen-Hund-Gespanne abzielt. "Kakophonie" steht für "Missklang", womit die Baumkontrolleurin auf nicht auszuschließende widersprüchliche Echos Bezug nahm.

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