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Ohne Laub schält sich die Schönheit des Holzes noch weit mehr heraus

Baum und Borke

Zwischen Baum und Borke befindet sich das Kambium. Es ist die Lebensader von Gehölzen. Über diese Schicht erfolgt ihr Dickenwachstum und werden die Nährstoffe Richtung Krone geleitet; eine eigene Welt aus lebenden Zellen und Leitungsbahnen. Nicht das Stammholz, nicht die Rinde sind entscheidend für die Vitalität der Pflanzen, sondern das komplexe System der von außen unsichtbaren Kambiumschicht. Gesund muss sie sein und bleiben. Verletztes Kambium kann zu Pilzbefall und Fäulnis führen. Die Folge: Der Baum stirbt; dieser Prozess erstreckt sich zwar meistens über einen längeren Zeitraum, ist aber doch unumkehrbar. Auch bei alten, starken Bäumen sollte es also selbstverständlich sein, die Rinde nicht zu verletzen, was aber recht schnell geschehen kann, zum Beispiel bei zu rumpeligem Umgang mit dem Rasenmäher. Lieber ein paar Zentimeter mehr Abstand halten zum Baum, dessen Fuß mit längerem Gras rundherum ohnehin gefälliger aussieht.

veröffentlicht am 03.03.2016 um 17:06 Uhr

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Autor:

Jean LeGrand und Saskia Gamander

Die Rinde ist ein unterschätztes Element

Den Blick zum Baum gerichtet ist die Rinde ein weithin unterschätztes Element. Dabei sollte sie gerade in den schmucklosen Zeiten, an denen kein Blatt in der Krone zu finden ist, mehr beachtet werden. Aber auch in den sommerlichen Monaten weiß sie mit Struktur und Farbe zu überzeugen. Von Art zu Art sind die Unterschiede frappierend. Die Zeichnung der glatten, geschmeidigen Silberkieferborke ist wie ein Kunstwerk: cognacfarben oder an Herbstlaub erinnernd, mit silbernen und olivgrünen Einschüssen. Im Gegensatz dazu zeigen sich in der Rinde des mächtig werdenden Tulpenbaums tiefe Kerben, wellenförmig angeordnet, leicht schlammfarben. Kreidebleich und im unteren Teilbereich zerklüftet stellt die Hänge-Birke ihren Stamm zur Schau. Und selbst wenn die heimischen Obstbäume nicht wirkliche Sensationsstämme zu bieten haben, so stellen sie trotzdem eine Art Kunstwerk dar, denn allein der nicht selten vorkommende Moosbefall zur Schattenseite lässt den Stamm komplett anders aussehen als in Richtung Südwest.

An welchem stolzen Baum der Blick auch haften bleiben mag: Die Rinden sind nicht etwa nur eine schützende Hülle, sondern Kunstwerke. Naturfotograf Cédric Pollet hat den schönsten Mänteln sogar mehrere Bildbände gewidmet (unter anderem „Rinde“, Verlag Ulmer) und dafür die ausgesuchten Bäume über mehr als zehn Jahre beobachtet und immer wieder neu fotografiert. Denn Rinde ist kein starres Wesen, sondern unterliegt innerhalb ihres jahrelangen Wachstums natürlich großen Zugkräften, splittert, reißt, schält sich. Wettereinflüsse tun ihr Übriges.

Schönheit und Haptik: Es sind Kunstwerke

Allein die Sicht auf diese Kunstwerke würde nicht reichen; es ist vielmehr auch das Gefühl, das Finger und Handflächen zu ertasten in der Lage sind. Rinde kann rau sein, mit deutlichen Strukturen auf der Oberfläche, aber auch weich und glatt wie Papier. Am Beispiel der Platane ist das Zusammenspiel von Schönheit und Haptik vielleicht am besten nachzuvollziehen: Fast scheint es, sie präsentiere ihren Stamm im Camouflage-Muster. Die Oberfläche ist glatt, aber von Zeit zu Zeit schält sich die Platane selber, dann fallen die rauer gewordenen Teile als „Pappe“ hinab. Ein hübsches Naturschauspiel. Es lässt sich damit jedoch wenig anfangen, aus wirtschaftlicher Sicht gesehen schon mal gar nicht. In dieser Hinsicht gibt es andere Bäume, deren schützender, aber von Zeit zu Zeit aufreißender Mantel, besser genutzt werden kann, allen voran die Kork-Eiche. In der Regel wird sie alle zwölf Jahre geschält. Industrie und Handwerksbetriebe verwenden das Material bekanntlich als Weinflaschenverschluss oder zur Fußbodenisolierung. Die weiche, weiße Rinde der Hänge-Birke, die in den nordischen Ländern schon seit Jahrhunderten als heiliger Baum verehrt wird, ist früher als Papierersatz gebraucht worden.

3 Bilder
Papiermaulbeerbaum (Broussonetia papyrifera) – zebrahaft


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