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Große Glockensanierung bei St. Martini beginnt im Januar kommenden Jahres / Sondersammlung

Baujahr 1434: "Maria Magdalena muss zur Kur"

Stadthagen (jl). Das Läute-Quartett im Glockenturm von St. Martini wird fast genau 60 Jahre nach seiner Rückkehr von der Warteschleife der Kriegsproduktion anno 1948 völlig neu in Stellung gebracht. Die rund 70 000 Euro teure Glockensanierung soll im Januar beginnen.

veröffentlicht am 18.11.2008 um 00:00 Uhr

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Kurze Rückblende: Während eines Geläutes am 2. Oktober hat sich der 370 Kilogramm schwere Klöppel der Großen Glocke gelöst, hat den Boden durchschlagen und im Turm den Schrank der Kirchenuhr geschrammt. Mehr ist nicht passiert. Aber damit war unwiderruflich klar, dass die seit Jahren im Raum stehende Sanierung im Turm fällig ist. "Jetzt wird's gemacht", betonte Klaus D. Wilhelms, der im ehrenamtlichen Kirchenvorstand für dieses Großprojekt zuständig ist. Der pensionierte Architekt hat die Federführung in einem umfangreichen Projekt übernommen. Umfangreich, weil es nicht nur um die Glocken, sondern auch um das Drumherum im Turm geht. Von dem Glocken-Quartett muss eine für längere Zeit Stadthagen verlassen. "Maria Magdalena muss zur Kur", umschrieb Wilhelms das, was im Januar bevorsteht. Die älteste Glocke -Baujahr 1434 - hängt nämlich seit 1948 ohne die sogenannte Krone im Joch, wie die Aufhängevorrichtung heißt. Unter Krone muss man sich in diesem Fall einen Bügel auf dem Gehäuse vorstellen. 1948 ist "Maria Magdalena" sozusagen ungekrönt mit einer technischen Notlösung befestigt werden. Jetzt soll eine bayerische Glockenschweißerei die "Krönung" nachholen. Wenn "Maria Magdalena" aus der "Kur" zurückkommt wird ihre neue Krone an einem neuem Joch befestigt werden. Gleiches gilt für die "Glocken-Schwestern" , die Große Glocke, die "Katharina" und die "Kleine Anna". Das Quartett ist zur der großen Glockenweihe von 1948 an Stahljochen befestigt worden. Das bedeutet laut Wihelms einen ungünstigen Schwerpunkt und einen größeren Kraftaufwand für die Glockenmotoren als bei der Lösung, die im Zuge der Sanierung kommt: Im Glockenturm werden Joche aus Eichenholz eingebaut. Nachteilig ist nach Angaben des Experten der St.-Martini-Gemeinde nicht nur der höhere Kraftaufwand beim Läuten - "die Stahljoche schwingen mit", erklärte Wilhelms. Mit der Umstellung sollen diese Bewegungen ein Ende haben. Mutmaßlich werden sich die Stadthäger von Ostern 2009 an -das ist der Wunschtermin für das Ende der Glockenarbeiten - an etwas andere Töne gewöhnen müssen; denn die "Kleine Anna", die Große Glocke; die "Katharina" und die "Maria Magdalena" bekommen auch neue Klöppel. Macht zusammen inklusive Autokran rund 70 000 Euro. Die Hälfte dieser Summe wird die Landeskirche zuschießen, die andere Hälfe muss die Kirchengemeinde aufbringen. Eine Finanzierungmaßnahme wird nach den Worten von Oberprediger Klaus Pönnighaus eine Haussammlung in der Zeit vom 7. bis 14. Februar sein. In Kürze werden übrigens wieder drei der vier Glocken zu hören sein. Wilhelms hatte nach dem Klöppelabriss zunächst völlige Stille angeordnet. Inzwischen gibt es aber Expertisen, wonach die unbeschädigten Glocken wieder eingesetzt werden können.

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