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Zu: „Personalwechsel bei der Kirche“, vom 29. November

Basis der Gemeinde aufwerten

Diese Nachricht kommt zunächst geschäftsmäßig daher. Man kennt sie aus der Fußballwelt: Trainerwechsel, weil der Abstieg droht zum Beispiel. Was routinemäßig klingt, ist dennoch von höchster Brisanz.

veröffentlicht am 20.12.2019 um 22:28 Uhr

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Anders als im Fußball scheinen die christlichen Kirchen noch nicht verstanden zu haben, dass es um die Mannschaft geht, weniger um Personen. Es geht um den Verbleib in der höchsten Spielklasse oder um den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Und das in einer Zeit, wo der Synkretismus der Religionen (eine Vermischung; Anm. d. Red.) immer deutlicher an den Fundamenten unserer Kulturwerte rüttelt. Ob da eine neue Kirchenverfassung, die den scheidenden Superintendenten so stolz macht, hilfreich sein kann? Mir fällt das „Impulspapier“ von 2006 ein. Damals ging es auch um die Zukunft. Doch zwischenzeitlich ist den Kirchen wieder eine Großstadt von 436 000 Christen abhandengekommen, ist die Gottesdienstbesucherzahl auf 3,6 Prozent gesunken.

Personalwechsel in der Kirche kann Sinn machen, wenn die Personen Strukturen modernisieren, überholte Traditionen und Hierarchien abbauen und das Mannschaftsspiel aufwerten. Die Basis der Gemeinden, das gleichberechtigte Mitspielen auf Augenhöhe mit dem Leitungsestablishment, muss neu gedacht werden. Dazu gehören auch und gerade die Frauen. Die Urkirche war hier in der Rollen- und Ämterverteilung vorbildlich. Auch Martin Luther hatte noch eine bedeutende Ahnung davon, wer und was in der Kirche wirklich wichtig ist. Er predigte, alle Getauften seien Priester, damit trat er für mündige Gemeinden ein. Sie sollten selbstbewusst und emanzipiert von ihren Geistlichen sein. Um der Organisation willen hielt er Ämter und Weihen für geboten, nicht aber für heilsnotwendig. Auch wenn sich die Kirchen zu Weihnachten wieder füllen, die Gesamtlage ist dramatisch, ein neuer Aufbruch zur Mündigkeit des gemeinen Kirchenmitglieds ist unabdingbar.



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