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Gestern war Funktionstest für Skulptur von Elena Glazunova

Bald tanzt die monumentale Stahlratte an der Weser . . .

Hameln/Langenhagen. Von der Idee bis zur Realisierung ist es ein weiter Weg: Viele Köpfe und noch mehr Hände sorgen dafür, dass sie wahr wird – die Vision von der „tanzenden Weserratte“. Elena Glazunovas bewegliche Stahlplastik „Rattus mobilis“, die Ende Oktober auf dem Betonsockel am Hamelner Schleusenufer ihren Platz finden wird, ist in ihren Einzelteilen fertiggestellt. Die sind auch bereits getestet. Heute aber soll die Figur komplett zusammengebaut werden: Funktionsprobe.

veröffentlicht am 15.10.2009 um 09:50 Uhr
aktualisiert am 29.10.2009 um 17:36 Uhr

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Autor:

Karin Rohr

Diplom-Ingenieur Hans Böckler mit den beweglichen Einzelteilen der monumentalen Skulptur.

Fotos: nls

Funktionstest: Horst und Henning Tonne von IBT Maschinenbau Tonne montieren die Skulptur auf ihrem Firmengelände zusammen – ein zeitraubender Kraftakt.

Demnächst wird die „tanzende Weserratte“ in Hameln ihren endgültigen Standort beziehen.

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Hameln/Langenhagen. Von der Idee bis zur Realisierung ist es ein weiter Weg: Viele Köpfe und noch mehr Hände sorgen dafür, dass sie wahr wird – die Vision von der „tanzenden Weserratte“. Elena Glazunovas bewegliche Stahlplastik „Rattus mobilis“, die Ende Oktober auf dem Betonsockel am Hamelner Schleusenufer ihren Platz finden wird, ist in ihren Einzelteilen fertiggestellt. Die sind auch bereits getestet. Heute aber soll die Figur komplett zusammengebaut werden: Funktionsprobe. Auf dem Gelände von IBT Maschinenbau Tonne in Langenhagen liegen die einzelnen Teile für die 8,60 Meter hohe Skulptur bereit. Es kann losgehen. Und es zieht sich hin. Kleinigkeiten müssen nachgebessert werden. Der Zeitplan kommt ins Wanken. Bis zum Abend sollen Teile montiert sein. Am Ende aber wissen die Protagonisten dieser ungewöhnlichen Aktion: „Es klappt!“

Ununterbrochen, bis zur physischen Erschöpfung, hat die Künstlerin ihre Entwürfe für die Stahlratte überarbeitet, insgesamt 19 Modelle erstellt. Der ursprüngliche Standort in der Weser musste verworfen werden, der neue auf der Insel am Schleusenufer erfordert veränderte Proportionen bei der Figur: „Die Sichtdistanz ist jetzt größer“, erklärt Elena Glazunova: „Man muss sie von der Weserbrücke aus gut sehen können.“ Denn das Kunstobjekt soll seinen ganzen Reiz erst so richtig bei der Betrachtung aus der Ferne entfalten. Die Konsequenz: „Rattus mobilis“ wächst, wird statt 4,50 Meter jetzt 8,60 Meter hoch. Dabei richtet sich die Skulptur wie eine Wetterfahne aus: Jedes Teil aber reagiert auf seine Weise, weil die Formen unterschiedlich windanfällig sind. So ändert sich ständig der Gesamteindruck der Figur. Viele Menschen tragen zum Gelingen des Projektes bei: Irina Teichert und FranzJosef Vonnahme ergreifen mit dem Hamelner Rattenfestival vor fünf Jahren die Initiative, schaffen die finanzielle Basis. Schüler der Eugen-Reintjes-Berufsschule erstellen den Sockel. Lomapharm spendiert 60 Quadratmeter Edelstahl. SVB Hameln schneidet die Einzelteile mit Laser nach den Entwürfen der Künstlerin zu. Die Firma Tonne in Langenhagen übernimmt den komplexen Rest: Für das Kunstprojekt wird Diplomingenieur Hans Böckler „Kurator, Ingenieur und Organisator“ in einer Person: „Unser Büro hat die statischen Vorgaben für Sockel und Einzelteile erarbeitet und die Verhandlungen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt geführt“, listet Böckler die einzelnen Schritte auf: „Wir haben die Einzelteile Stück für Stück zusammengeschweißt, die Dicke der Welle in dem zentralen Stahlrohr bestimmt und die Kugellager für das Windspiel eingepasst.“ Denn: Es soll eine leicht drehbare Konstruktion werden. Doch: „Mit zunehmender Größe gestaltet sich die Leichtgängigkeit der Lager schwieriger, weil durch das Schmierfett ein höherer Bremseffekt erzielt wird“, erklärt Böckler. Der Ingenieur ist erst zufrieden, als er einen „Kompromiss zwischen Leichtgängigkeit und Dauerhaftigkeit“ gefunden hat. Es funktioniert: Elena Glazunovas komplizierter Entwurf ist umgesetzt. Hat Böckler nach den nervenaufreibenden Wochen jetzt die Nase voll von der Kunst? „Nein“, lacht der Ingenieur. Er habe schon wiederholt mit Künstlern zusammengearbeitet: „Ich habe großen Respekt vor der Kunst, ganz besonders bei diesem Projekt.“ Und sinniert: „Wenn man sieht, wie sich ein Künstler zerfleischt und immer wieder von Selbstzweifeln geplagt wird, das berührt einen schon sehr.“

Ein bisschen unruhig ist er zwar auch, als die Funktionsprobe ansteht, aber längst nicht so aufgeregt wie die Künstlerin: „Das Spiel der Drehungen lässt sich vorher nicht bis ins Kleinste berechnen. Es ist auch für mich eine Überraschung“, gesteht Elena Glazunova.

Eine Überraschung wird dies gewiss auch für die Hamelner sein, wenn die kinetische Skulptur am 31. Oktober auf der Insel am Schleusenufer eingeweiht wird.



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