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Bahn stößt 490 Empfangsgebäude ab / Investoren machen noch keine Angaben über ihre Pläne

Bahnhof verkauft - Mieterin völlig verunsichert

Rinteln (kk). "Ich bin entsetzt - dazu fällt mir nichts mehr ein!" Britta Kallikat sind Wut und Verunsicherung deutlich anzumerken, als sie gestern Nachmittag erst im Gespräch mit unserer Zeitung vom Verkauf des Rintelner Bahnhofs erfährt. Sie betreibt im Empfangsgebäude ein Reisebüro - und wird von der Entscheidung ihres Vermieterszum Verkauf geradezu überrumpelt.

veröffentlicht am 05.12.2007 um 00:00 Uhr

Verkauft: Das Rintelner Empfangsgebäude gehört zu einem Paket vo

Wie die "DB Station&Service AG" gestern in einer Pressemitteilung informierte, hat sie ein "Paket" von 490 Empfangsgebäuden an ein Bieterkonsortium bestehend aus den Unternehmen Patron Capital Ltd. (London) und Procom Invest GmbH& Co. KG (Hamburg) verkauft. Zu diesen Gebäuden gehört auch der Rintelner Bahnhof. Im Weserbergland wechseln auch die Stationen Bad Pyrmont und Holzminden den Besitzer. Die verkauften Bahnhöfe werden für die Abwicklung des Zugverkehrs - der ungestört weiterlaufen soll - nach Ansicht der Bahn AG nicht mehr benötigt. "Strategisches Ziel" sei es deshalb gewesen, "nicht mehr betriebsnotwendige Immobilien auf ein Kernportfolio zu optimieren", sagt Rolf Reh, Mitglied des Vorstandes vonDB Station&Service. Beim Verkauf habe man sich von der finanziellen Leistungsfähigkeit und der konzeptionellen Ausrichtung der Investoren leiten lassen. Diese bieten nach Ansicht der Bahn die Gewähr, positive Impulse für die Entwicklung des jeweiligen Bahnhofsumfeldes zu geben. 15 Millionen Euro wollten die Käufer in den nächsten Jahren in die Immobilien investieren, heißt es in der Pressemitteilung. Welche Pläne es konkret für den Rintelner Bahnhof gibt, war gestern Nachmittag noch nicht zu erfahren. Eine Sprecherin von Procom Invest bestätigte des Kauf der Gebäude, machte aber keine Angaben zu den Zielen ihrer Gesellschaft. Sie verwies auf eine schriftliche Stellungnahme in den nächsten Tagen. Nicht sonderlichüberrascht vom Verkauf zeigte sich Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz. Er bestätigte auf Anfrage, dass der Stadt das Bahnhofsgebäude vor längerer Zeit von der Bahn AG zum Kauf angeboten worden sei. Darauf hatte die Bahn ausdrücklich hingewiesen. Die Stadt habe nach ausführlichen Beratungen aber dankend abgelehnt, so der Bürgermeister. Strategie der Verwaltung sei es, sich nicht mit weiteren Immobilien zu belasten. In letzter Zeit habe er aber nichts mehr von konkreten Verkaufsabsichten gehört. Buchholz will in Ruhe die weitere Entwicklung abwarten und geht davon aus, dass der Investordemnächst über seine Pläne informieren wird. Er kann sich vorstellen, dass Procom das Gebäude weiter vermarkten will. Die Hamburger Firma betätigt sich nach eigenen Angaben seit drei Jahrzehnten als "unabhängige Projektentwicklungs- und Investorengesellschaft." Mehrere hunderttausend Quadratmeter Gewerbefläche seien mit einem Volumen von 1,55 Milliarden Euro entwickelt und erfolgreich vermarktet worden. Procom verweist in ihrem Internetauftritt auf "hohe Eigenkapitalausstattung" und "wirtschaftliche Solidität. Im Internet-Angebot der Hamburger finden sich unter anderem ein Stadtteil-Einkaufszentrum in Detmold, Geschäftshäuser und die bekannten Zeisehallen in Hamburg oder ein riesiges Einkaufszentrum in Rostock. Aufs Bahn-Engagement wird allerdings noch nicht eingegangen. Diese Informationen dürften Britta Kallikat allerdings nur wenig beruhigen. Für sie ist die Zukunft ihres Reisebüros nach dem Besitzerwechsel des Gebäudes trotz laufender Verträge ungewiss. Nach dem Anruf unserer Zeitung wollte sie gleich selbst zum Hörer greifen und sich bei ihren bisherigen Geschäftspartnern bei der Bahn darüber beschweren, dass sie nicht vorher informiert worden sei. "Typisch Bahn", sagt sie - und das ist sicherlich nicht als Kompliment gedacht.



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