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Geständiger Täter kommt aus Lauenstein / Er wollte Millionen kassieren / Spezialeinheiten fassen ihn

Bahn-Erpresser drohte: "Geld oder Anschläge!"

Lauenstein/Springe (ube). "Das sind total nette Leute", sagt der Vermieter der 150 Quadratmeter großen Wohnung, in dem der mutmaßliche Bahn-Erpresser (45) mit Frau (41) und Kind lebte und arbeitete. "Die waren nett, freundlich und stets hilfsbereit", ergänzt ein Nachbar. Dass der diplomierte Fachinformatiker und Geschäftsführer eines Internet-Auktionshauses etwas verbrochen haben könnte, kann sich wohl niemand in Lauenstein vorstellen.

veröffentlicht am 23.02.2007 um 00:00 Uhr

LKA-Spezialermittler haben den mutmaßlichen Bahn-Erpresser - er

Dennoch: Am Nachmittag gibt der Familienvater gegenüber Ermittlern des Landeskriminalamtes Berlin zu: "Ja, ich habe die Bahn AG erpresst." Wenig später wird der Lauensteiner im Amtsgericht Springe einer Haftrichterin vorgeführt - sie verkündet am Abend einen Haftbefehl. Der Reihe nach: Am 7. Februar geht bei der Bahn AG in Berlin ein Brief ein. Im Umschlag steckt eine CD. Als Mitarbeiter die Scheibe in einen Computer schieben, hören sie eine verzerrte Stimme: "Geld oder Anschläge!" Unbestätigten Informationen zufolge fordert der Unbekannte zwei Millionen Euro. Für den Fall, dass die Bahn nicht bezahlt, soll er mit Bombenanschlägen auf ICE-Strecken gedroht haben. Die Deutsche Bahn schaltet die Polizei ein; das Landeskriminalamt Berlinübernimmt die Ermittlungen. 14 Tage später soll die Geldübergabe erfolgen. Der Erpresser ahnt nicht, dass die Polizei mithört. 70 Beamte des LKA Berlin überwachen die groß angelegte und mit Akribie geplante Aktion - unterstützt werden sie von Polizisten der Direktion Göttingen, der Inspektion Hameln, der Bereitschaftspolizei Hannover sowie Spezialisten eines Mobilen-Einsatzkommandos (MEK) aus Hildesheim. Ermittler in Zivil mimen die Geldboten der Bahn AG. am Mittwochnachmittag um 17 Uhr beginnt eine Art Schnitzeljagd durch das südliche Niedersachsen. Der Erpresser bestellt die Männer zunächst in die Nähe des Göttinger Bahnhofs. Um 17.45 Uhr meldet sich der Mann - er dirigiert die Männer mit den Millionen in Richtung Hildesheim. Die Fahrt geht weiter - nach Hannover, Braunschweig, Hameln und Springe. Dort endlich soll der Geldkoffer abgestellt werden. Kurz nach der Übergabe zwischen Springe und Pattensen greifen die MEK-Trupps aus Berlin und Hildesheim zu. In dem alten Audi des mutmaßlichen Erpressers sitzt auch die Ehefrau (41) des Tatverdächtigen. Unbestätigten Meldungen zufolge schläft auf dem Rücksitzder zweijährige Junge. Am Donnerstag um 0.01 Uhr meldet sich die Leitstelle der Berliner Polizei bei der Inspektion Hameln. Diensthunde werden vorsorglich angefordert für eine Wohnungsdurchsuchung an der Straße "Im Flecken" in Lauenstein. Um 1.00 Uhr trifft ein Team an dem schmucken Mehrfamilienhaus ein. Bis 3.00 Uhr suchen Polizisten nach Beweismitteln - dann rücken sie ab. Am späten Nachmittag sagt Staatsanwalt Michael Grunwald von der Generalstaatsanwaltschaft in Berlin: "Nach ersten Erkenntnissen hätte der Verdächtige die angekündigten Anschläge nicht in die Tat umsetzen können - er verfügte nicht über die ausreichenden Mittel dazu." LKA-Ermittler vernehmen den Lauensteiner im Polizeikommissariat Springe. Der Mann gibt zu, der Erpresser zu sein. Als Motiv nennt er "finanzielle Sorgen". Seine Frau soll von "der ganzen Sache" nichts gewusst haben. Sie wird auf freien Fuß gesetzt. "Die Ehefrau war in die Planungen ihres Mannes nicht eingeweiht", sagt der Staatsanwalt - und wird dann deutlicher: "Wir können ihr jedenfalls nichts Gegenteiliges nachweisen." Polizeipräsident Hans Wargel lobte gestern das "erfolgreiche Zusammenspiel" der Polizeieinheiten aus Berlin und Niedersachsen. "Weil die Kräfte professionell zusammengearbeitet haben, konnte der mutmaßliche Täter sehr schnell festgenommen werden." Er hoffe, so der Präsident, dass der Fahndungserfolg auch eine abschreckende Wirkung auf Trittbrettfahrer habe.

M. Grunwald
  • M. Grunwald
Die Erpresserbotschaft war auf einer solchen CD gespeichert.
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