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Vor Gericht: Familienvater aus Lauenstein muss dreieinhalb Jahre hinter Gitter

Bahn-Erpresser bittet um Verzeihung: "Das Dümmste, was ich je getan habe"

Lauenstein/Berlin (ube). Er hatte mit "dem größten Anschlag in der Geschichte der Deutschen Bundesbahn" gedroht, doch gestern, als Richter Michael Degreif das Urteil der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin verkündete, war der Familienvater (45) aus Lauenstein am Ith ganz klein mit Hut. Dreieinhalb Jahre wird der diplomierte Fachinformatiker hinter Gittern verbringen müssen - wegen versuchter räuberischer Erpressung.

veröffentlicht am 06.06.2007 um 00:00 Uhr

22. Februar: Der Bahn-Erpresser (M.) verlässt in Begleitung von

Damit ist er noch gut weggekommen. Staatsanwalt Ingo Kühn hatte vier Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe gefordert. Der Lauensteiner entschuldigte sich bei allen Beteiligten und sagte: "Ich hoffe, dass mir meine Frau und mein Kind vergeben werden." Diese Tat sei das Dümmste, was er je im Leben getan habe. Der Angeklagte, der bereits mehrfach zu Geldstrafen - unter anderem wegen Betruges - verurteilt wurde, hatte am 7. Februar gedroht, er werde bundesweit auf ausgewählten Strecken Züge mit Stahlkeilen zum Entgleisen bringen und zusätzlich an acht Stellen Gleise sprengen. Am ersten Verhandlungstag beteuerte der Mann, er habe nur geblufft, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Der Lauensteiner: "Ich bin ein Erpresser, aber kein Mörder." Er habe zu keinem Zeitpunkt Menschen in Gefahr bringen wollen. "Es gab nicht den leisesten Ansatz zu einer Tatverwirklichung", sagte der Vorsitzende Richter Degreif. Was der Lauensteiner gemacht habe, unterscheide sich deutlich von vielen Fällen, bei denen Geld geflossen und ein hoher Schaden entstanden sei - wie bei den Anschlägen von "Dagobert". Allerdings habe der Informatiker einen "ausgeklügelten Plan entwickelt" und "enorme kriminelle Energie aufgewendet", um Kompetenz zu demonstrieren. Strafmildernd wertete das Gericht, dass der an Hepatitis C leidende Mann in einer "persönlich schwierigen Lage" gewesen ist. Er hat 40 000 Euro Schulden, "meine Gläubiger saßen mir im Nacken". Er habe in der Erpressung wohl einen "Befreiungsschlag" gesehen, meinten die Richter. In Briefen an die Bahn AG in Berlin, die den Absender "Gerhard Schröder" trugen, befanden sich CDs, auf denen der Lauensteiner mit verzerrter Stimme zwei Millionen Euro forderte. Wie bei einer Schnitzeljagd hatte der Informatiker zwei als "Geldbotinnen" getarnte Polizistinnen quer durch das südliche Niedersachsen geschickt. Am späten Abend des 21. Februar war er bei Springe von Spezialkräften festgenommen worden. In seinem Auto saßen die ahnungslose Ehefrau und der zweijährige Sohn. Der Erpresser hatte einen Familienausflug vorgetäuscht. Staatsanwalt Kühn kreidete dem 45-Jährigen an, dass er zwei Frauen als Geldbotinnen verlangt und seine Familie für eine Straftat missbraucht habe. "Das ist weder menschlich noch moralisch hinnehmbar."



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