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Bethel-Fortbildungüber "Infektionen an der Hand" / Chefarzt: Zeitfaktor wichtig

Bagatellverletzung? - Wenn ein einfacher Dorn zwei Finger kostet

Bückeburg (bus). Wie eine vermeintlich harmlose Verletzung bei der Gartenarbeit schlussendlich zum Verlust von zwei Fingern führen kann, ist während der vierten Fortbildungsveranstaltung der Handchirurgie-Abteilung des Krankenhauses Bethel eindrucksvoll vor Augen geführt worden. Der von Chefarzt Dr. Michael Schönberger gehaltene Vortrag folgte dem Thema "Von der Bagatellverletzung zur Amputation" - der Titel "Ein Dorn als Ursache einer Handruine" wäre dem Thema nicht weniger gerecht geworden.

veröffentlicht am 16.08.2006 um 00:00 Uhr

Ein nicht zum "aktuellsten" Bestand der Handchirurgie-Abteilung

Schönberger schilderte die Problematik "Infektionen an der Hand" überwiegend an (zum Teil hochaktuellen) Beispielen der von ihm geleiteten Abteilung. Die Palette der in mitunter recht drastischen Bildern dargestellten Verletzungen reichte von Fremdkörpereinsprengungen und Hundebissen bis zu Durchspießungs-, Quetsch- und Hochdruckeinspritzverletzungen. Als Kardinalsymptome einer Entzündung nannte der Mediziner Überwärmung, Schmerz, Rötung, Schwellung und Bewegungseinschränkung. Durchblutungsstörungen, herabgesetztes Immunsystem, Diabetes mellitus, Dialyse und Sklerodermie (entzündliche Bindegewebsschwäche), erläuterte der Referent, erhöhten das Risiko einer Infektion. Das grundsätzliche Ziel der handchirurgischen Abteilung, der Erhalt der Finger, werde angestrebt durch genaue Anamneseerhebung, sorgfältige klinische Untersuchung, kurzfristige Verlaufsbeobachtung (in Ausnahmefällen), Operation unter optimalen Bedingungen (je eher desto besser) und unterstützende Antibiotikatherapie. Dass bei der erfolgreichen Behandlung insbesondere dem Zeitfaktor eine wichtige Rolle zukommt, verdeutlichten drei Exempel, in denen von den Patienten zunächst als wenig besorgniserregend eingestufte Verletzungen sich zum Flächenbrand ausdehnten - und den Verlust von Fingern oder Daumen verursachten. Falls es in einer 24 Stunden alten Stichverletzung zu "pochern" beginne, könne dies bereits erste Anzeichen einer Infektion anzeigen, erklärte Schönberger. Die gut besuchte Veranstaltung - der Einladung waren außer Bethel-Mitarbeitern zahlreiche auswärtige Ärzte und Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach gefolgt - wurde durch ein hochinteressantes Kurzreferat über "Ergänzende Antibiotikatherapie" abgerundet. Siegfried Ambrass' von der Firma GlaxoSmithKline Ausführungen über spezielle Medikamententherapien dokumentierten der Mehrheit des Publikums allerdings hauptsächlich den enormen Unterschied zwischen Klinikalltag und wissenschaftlicher Arzneimittelforschung. "Das müsste selbst ich alles noch einmal nachlesen", konstatierte Schönberger. Mitähnlich sympathischer Offenheit hatte Brombach, der die Handchirurgie als "ein Juwel unseres Krankenhauses" lobte, zuvor sein Grußwort beendet: "Ich höre jetzt auf, damit sie etwas Vernünftiges hören können."

Letzte Rolle: Heath Ledger als Tony.
  • Letzte Rolle: Heath Ledger als Tony.
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