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Thomas Strebost: „Den Gesellen werden die Flausen aus dem Kopf gewaschen“

Bäuchlings auf dem Gerberbaum

HEHLEN. In voller Montur und eng nebeneinander sitzen drei Täuflinge in einer Kunststoffwanne und werden mit einem Gabelstapler auf den Betriebshof des Lederwerks gefahren.

veröffentlicht am 29.08.2018 um 14:01 Uhr

Vom Gerberbaum in das Taufbassin – das gilt auch für die Industriekauffrau Nicole Schütz. FOTO: BOR
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Julia Alin Reporter

Obwohl die drei Mitarbeiter des Hehlener Lederherstellers eigentlich wissen, was bei der Gerbertaufe auf sie zukommt, ist ihnen eine gewisse Anspannung anzumerken. Umringt von Kolleginnen, Kollegen und Gästen wollen die drei neuen Gesellen traditionell auf dem Sommerfest des Unternehmens ihre Gerbertaufe über sich ergehen lassen.

Kurz zuvor hatte der Geschäftsführer und geschäftsführender Gesellschafter von Heller-Leder, Thomas Strebost, Gäste und Mitarbeiter beim jährlichen Sommerfest willkommen geheißen. Rund zwei Dutzend Kinder der Grundschulen Hehlen und Bodenwerder sowie der Oberschule Bodenwerder trommelten unter der Leitung von Svenja Vaupel auf ihren Pappcajons (diese wurden mit Unterstützung der Strebost-Stiftung angeschafft) die Gäste in Stimmung.

Bereits zum sechsten Mal konnte der für die Ausbildung im Unternehmen zuständige Gerbermeister Ralf Weiß die auf einer nachempfundenen Pergamentrolle verzeichnete Laudatio für die Täuflinge verlesen. Der Taufspruch hält die frisch gebackenen Gesellen dazu an, ihr erworbenes Wissen zum Nutzen der Menschheit zu verwenden und ohne Fehl und Tadel auszuüben.

Die Schüler trommelten auf ihren Papp-Cajuns zur Begrüßung der Gäste beim Sommerfest von Heller-Leder. FOTO: BOR
  • Die Schüler trommelten auf ihren Papp-Cajuns zur Begrüßung der Gäste beim Sommerfest von Heller-Leder. FOTO: BOR

Das anschließend von den drei Täuflingen gemeinsam vorgetragenen Gerbergedicht läutete dann die ersehnte Prozedur der Gerbertaufe ein. Bäuchlings auf dem Gerberbaum (auch Schabbaum genannt) liegend, wurden die Täuflinge vom Studienstaub entfernt oder um es mit den Worten von Thomas Strebost zu sagen: „Hier werden ihnen die Flausen aus dem Kopf gewaschen.“ Und dafür nahmen die Kollegen gern die Bürste und den Eimer mit einem farbigen „Irgendwas“ in die Hand. Ein anschließender Tauchgang in dem mit warmen Wasser gefüllten Gerber-Bottich besiegelte das einmalige Ritual. Zur Zunft der bei Heller-Leder ausgebildeten Fachkräfte gehören nun auch Nicole Schütz (Industriekauffrau), Patrick Ihlenburg (Fachkraft für Lederherstellung und Gerbertechnik), sowie Marcel Herrmann, der sich nach seiner Ausbildung als Elektroniker für Betriebstechnik im letzten Jahr seit diesem Jahr auch Industriemeister Elektrotechnik nennen darf. Er gilt damit als einer der jüngsten Meister Niedersachsens. Seit 1920 in vierter Generationen produziert der Hehlener Lederhersteller hochwertige Leder für den Wohn- und Automobilbereich und hat zusammen mit der Schwesterfirma Helcor-Leder rund 300 Mitarbeiter, erklärte Geschäftsführer Frank Fiedler. Insgesamt 18 Auszubildende erlernen im Unternehmen Berufe in verschiedenen Sparten.



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