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Zu Hause bei dem Landtagskandidaten der Freien Wähler: Rudolf Pernath / "Es konnte immer nur besser werden"

Bäckermeister mit Leidenschaft für Trödelmärkte

Hameln. Wenn Rudolf Pernath mit seiner Frau Margrit am Wochenende zum Spaziergang aufbricht, dann ist das manchmal eher eine Pirsch. Gerne begibt sich der 61-Jährige auf die Jagd: Begeistert durchstöbert er Straßenflohmärkte und Trödelläden, immer auf der Suche nach nettem Nippes für sein Haus an der Hamelner Klütstraße. Bei einem dieser Sonntagsspaziergänge hat er vor Jahren in Bad Oeynhausen eine schmiedeeiserne Deckenlampe erstanden. "Passt doch gut hier her!", freut er sich noch heute über die Bereicherung fürs hohe Treppenhaus der Jugendstilvilla und strahlt zufrieden über seine Beute. "Trödelkram, da braucht man ein Gespür für."

veröffentlicht am 18.01.2008 um 00:00 Uhr

Sein "Jägerzimmer" nennt Rudolf Pernath den wohnlichen Raum im e

Autor:

Christiane Riewerts

In einer Jugendstilvilla mit weiten Fenstern und hohen Stuckdecken zu wohnen, "das ist schon immer unser Traum gewesen", sagt Rudolf Pernath, selbstständiger Bäckermeister und Direktkandidat der Freien Wähler im Landtagswahlkreis Rinteln/Hessisch Oldendorf/Hameln. Als die Familie 1981 vom Harz ins Weserbergland umsiedelte, wohnten die Pernaths zunächst jahrelang im eigenen Bäckereibetrieb im Breiten Weg, bevor sie endlich nur wenige hundertMeter entfernt ihr Traumhaus fanden. Ein Traumhaus, das über die Jahre durch Pernaths Sammelleidenschaft sein ganz individuelles Gesicht bekommen hat.Über dem schweren Sofa im Wohnzimmer hängen drei Landschaftsbilder in Öl, alle vom Flohmarkt, genau wie ein brokatbesetzter Stoffstreifen neben der Tür. "So was war mal eine Klingel", erklärt Pernath und zieht daran. "Damit haben die Herrschaften früher das Personal aus der Küche gerufen." Eine Vorstellung, die für Rudolf Pernath wie aus einer anderen Welt wirken muss. Denn leicht hatte er es nie. In Goslar ist er geboren, in einem Kinderheim in Braunschweig aufgewachsen. Schon damals lernte er das Weserbergland kennen: Den Sommer über war er hier bei Pflegeeltern untergebracht, früh musste er im landwirtschaftlichen Betrieb mit anpacken. "Ich musste viel arbeiten, schon als Kind", sagt Pernath, ganz nüchtern, ohne Selbstmitleid. Er hat für sich gedanklich das Beste draus gemacht. "Es konnte immer nur besser werden." Weil er früh auf eigenen Beinen stehen musste, entschied er sich nach der Schule für eine Bäckerlehrer. "Mein Traumberuf war das nie", sagt er rückblickend, gern hätte er im zweiten Bildungsweg weitergemacht, weitergelernt. "Aber irgendwie musste man sich durchraufen." Rudolf Pernath raufte sich durch. Er machte den Meister in der Abendschule, übernahm Anfang der achtziger Jahre einen kurz vor der Pleite stehenden Bäckerbetrieb in Hameln, baute ihn wieder auf, eröffnete mehrere Filialen. Heute hat er sieben Festangestellte und etliche 400-Euro-Kräfte, bildet zwei Azubis pro Jahr aus. Das alles hat seinen Preis. Urlaub kennt er nicht, "vielleicht mal ein verlängertes Wochenende". Und noch immer steht er jeden Tag um 2 Uhr auf, scheut auch als Chef keine Arbeit, packt beim Scheuern der Backstube mit an, greift zum Kärcher. Was er an seinem Beruf mag, ist vor allem die Konditorarbeit. "Hochzeitstorten, so was mache ich am liebsten", sagt er und streicht den hellen Läufer auf dem dunklen Esszimmertisch glatt. Und bietet Kekse an. Selbst gebacken, natürlich. Schon auf der Berufsschule hatte er seine Frau Margrit kennen gelernt, mit 19 wurde geheiratet, schnell komplettierten die Kinder Thomas (42) und Iris (41) die Familie. Im kühlen Flur des Pernath-Hauses hängen großformatige Porträts der Familienmitglieder, in sanften Tönen, weichgezeichnet. Sohn Thomas, auf dem Ende der Achtziger entstandenen Bild noch mit Oberlippenbart, arbeitet heute von Hameln aus im Management einer Backmittelfirma, Tochter Iris ist Bäckereifachverkäuferin, lebt in Coppenbrügge. Das Backen ist Pernathsche Tradition: Auch Ehefrau Margrit arbeitet im Familienbetrieb mit. Seine politischen Fühler streckte Pernath zum ersten Mal aus, als es aussichtslos schien, für Sohn und Tochter Kindergartenplätze zu bekommen. Mit "massivem Druck auf die Stadtverwaltung" setzte Pernath sich schließlich durch - und nahm die Erfahrung mit, dass sich Einsatz lohnt. Doch weil jahrelang der Einsatz fürs Unternehmen im Vordergrund stand, wurde es 2003, bis Pernath bei der Bürgerliste Hameln politisch aktiv wurde. Seit 2006 sitzt er in Stadtrat und Kreistag, 2007 gründete er in Cuxhaven die "Freien Wähler" mit, für die er sich nun erstmals um ein Landtagsmandat bewirbt. Ehrliche Politik direkt für die Leute vor Ort ist ihm wichtig, eine soziale Politik zum Anfassen. "Wenn sich jemand an mich wendet, dann nehme ich das todernst", sagt er. "Das lege ich nicht ad acta, das arbeite ich ab." Dass die Freien Wähler noch nicht so recht bekannt sind, stört ihn nicht. "Zurzeit nimmt man uns noch nicht wahr", sagt er. "Aber vielleicht schaffen wir eine Basis für Jüngere." Das wäre ihm wichtig: Sechs Enkel hat er, 18 Jahre die älteste, vier Jahre der jüngste. Der stolze Opa lacht: "Ja, wir haben was für die Rente getan." Ehrenamtlich aktiv war er lange vor der Politik. Im Schützenverein hat er 17 Jahre lang die Jugend betreut, Schöffe war er, außerdem im Vorstand der Bäckerinnung, noch heute ist er Prüfungsmeister. Und am Sonntag ist er froh, wenn Zeit für sein geliebtes Hobby ist: Mit dem Boot geht es hinaus auf die Weser. Dann genießt er die Stille. "Jubel undTrubel, das brauche ich nicht immer." Oder er geht spazieren. Und kommt dabei vielleicht wieder einmal nicht mit leeren Händen zurück.

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