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Sonntagsausflug zur Seenlandschaft

Badevergnügen in einem Paradies bei Duingen

Als die Humboldt-Bergbaugesellschaft am 30. Juni 1966 den Kohleabbau im Braunkohlerevier des Duinger Waldes wegen Absatzschwierigkeiten und nachlassender Qualität einstellte, blieben die im Tagebau ausgebeuteten Gruben als eine schwarze Mondlandschaft zurück. Doch bereits am nächsten Tag begann die Rekultivierung der 200 Hektar großen Fläche mit

veröffentlicht am 11.07.2009 um 06:50 Uhr

Der Weinbergersee ist der lieblichste von allen

Autor:

Ingeborg Müller

dem Ziel der Umwandlung in ein Erholungsgebiet. Vier Seen entstanden, als sich die tiefen Abbaulöcher nach Stilllegung der Pumpenanlage mit Wasser füllten. Noch während der Planierungsarbeiten lief dann im Frühjahr 1967 eine gigantische Bepflanzungsaktion an. Über 600 000 Laub- und Nadelbäume, vor allem Roterle, Douglasie, Bergahorn, Esche und Fichte wurden angepflanzt. Die Fichten haben sich allerdings an diesem Standort nicht bewährt und wurden später durch Birken und Erlen ersetzt.

Über 120 Jahre wurde Braunkohle abgebaut

So entstand dort, wo über 120 Jahre hinweg Braunkohle gefördert wurde – vor allem seit der Jahrhundertwende die bei Bäckern und Hausfrauen gleichermaßen beliebten Humboldt-Briketts –, ein Naherholungs-Paradies. Die beiden größten Seen, der Humboldt- und der Bruchsee, stehen Badenden zur Verfügung, während bei dem Weinbergersee und dem Ententeich der Natur Vorrang eingeräumt wird. Denn nach der Aufforstung haben sich Vegetation und Tierwelt ihre ursprünglichen Gebiete zurückerobert, die es zu schützen gilt, gelegentlich auch durch Einschränkungen für die Besucher. Die können sich trotzdem über das großzügig angelegte, vielfältig strukturierte und liebliche Gelände freuen, ob nun als Badegäste oder Wanderer.

Das umfangreiche Wandernetz wollen wir bei einer Rundwanderung nutzen einschließlich eines Geologischen Lehrpfads im Norden. Dazu starten wir bei dem günstig gelegenen und wegen der größeren Entfernung zu den Badeseen wenig besuchten Parkplatz „Forstgarten“, am Waldrand südlich von Weenzen gelegen an der nach Eschershausen führenden Straße.

Der Marienhagener Kalksteinbruch
  • Der Marienhagener Kalksteinbruch
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Wassersportler sind am Bruchsee gut aufgehoben  Fotos: i-r
  • Wassersportler sind am Bruchsee gut aufgehoben Fotos: i-r

Ausgangspunkt ist der Ort Weenzen

Der Ort Weenzen ist von der Bundesstraße 1 aus ab Hemmendorf über Salzhemmendorf und Thüste zu erreichen. Benutzer des Öffentlichen Nahverkehrs beginnen die Wanderung vorteilhafter in Wallensen oder Thüste. Dorthin bringt sie die Buslinie 70 Hameln–Thüste des Nahverkehrs Hameln-Pyrmont.

Zum Wanderparkplatz biegen wir, im Auto von Weenzen kommend, in einer Linkskurve unserer Fahrstraße nach rechts ab und finden dort am Waldrand Abstellplätze und eine Wanderkarte. Bereits hier werden wir über unser Wanderziel, den Weenzer Bruch, belehrt als ein an Bodenschätzen reiches Gebiet, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Noch heute werden dort Gips, Quarzsand, Tone und Kalkstein gewonnen. Wie großartig in seiner Vielfarbigkeit dieses riesige Abbaugebiet aussieht, werden wir auf dem Rückweg bewundern können.

Zunächst wollen wir jedoch den 230 Meter hohen Haidkopf im Norden des Naherholungsgeländes umwandern und steigen dazu auf dem beim Parkplatz beginnenden Waldweg leicht an. Zwei Wege nach links lassen wir unberücksichtigt und gehen erst bei dem nach rechts abzweigenden Wanderweg weiter bergan. In Waldrandnähe werden wir über Ton- und Steinkohlebergbau informiert. Fast noch beeindruckender sind allerdings hier am Waldrand alte und bizarre, zum Teil bereits im Verfall begriffene Bäume.

Jenseits des Tals der Thüster Beeke sehen wir den mächtigen Marienhagener Kalksteinbruch liegen vor der Kulisse des Duinger und des Thüster Berges. Dazu wird uns erklärt, dass der dort gewonnene Kalkstein vielfältig zum Einsatz kommt. Später werden wir uns auf unserem Geopfad mit den verschiedenen Eiszeiten, aber auch mit Fossilien und Gesteinen befassen können. Dann biegt unser Weg im rechten Winkel nach links ab und wir wandern im Wald weiter. Bei einer Gabelung halten wir uns rechts und gelangen auf einen Waldrandweg, auf dem wir ein kurzes Stück nach links gehen. Er stößt auf jene Forststraße, die bei unserem Parkplatz beginnt und nach Wallensen führt. Wir folgen ihr nach rechts, zumal sie sich als ein schöner Waldrandweg erweist.

Das gilt auch, nachdem wir an der Waldspitze die Richtung wechseln und nach links weiter wandern. (An dieser Waldspitze kreuzen sich die Wege, die von Wallensen und Thüste aus in das Erholungsgebiet führen; hier können jene Wanderer, die mit dem Bus angefahren sind, in unsere Rundwanderung einsteigen.) Bei einem Waldvorsprung führt unser Weg leicht nach rechts versetzt in der bisherigen Richtung weiter und bringt uns zu der neuen Brücke über die Saale. An diesem munteren Flüsschen, das im Ith entspringt, den Weinbergersee durchfließt und bei Elze in die Leine mündet, werden wir später noch entlanggehen.

Jenseits der Brücke können wir nach rechts einen Abstecher machen zum Waldhotel und Café „Humboldthof“ und dort eine Pause einlegen. Nach links werden wir dagegen zum Bruchsee gewiesen. Der zunächst schmale Weg dorthin führt am großen Campingplatz vorbei und geht dann in den breiteren Westfeldweg über. Dieser stellt einen Rundweg dar mit Anfang und Ende bei einer größeren Kreuzung, auf die unsere Wanderung jetzt zuführt.

Auf dem anderen Ende des Westfeldweges werden wir später zurückgehen. Zunächst aber folgen wir noch nicht dem Bruchseeweg nach links, sondern halten uns rechts. Noch vor einem Parkplatz biegen wir dann doch nach links in den besonders hübschen Marienwaldweg ein und wandern oberhalb des Bruchsees an seiner Südseite bis zum großen Parkplatz. Von dort aus umrunden wir nach Norden den See, dessen Steilufer hier viele kleinere Badestellen aufweist. Dann schauen wir auf die bei entsprechendem Wetter beliebte und belebte größere Badebucht am Nordufer, an der wir im Linksbogen vorbeigehen.

Von unserem Weg aus lohnt sich später ein Abstecher nach links zum Seeufer, wo es eine Tretbootstelle und einen größeren Kiosk gibt. Anschließend geht es auf dem Bruchseeweg weiter bis zu jenem größeren Wegekreuz vom Hinweg. Von dort wandern wir jetzt weiter auf dem rechten Teil des Westfeldweges, zunächst entlang der Saale. Bei einer scharfen Linkskurve zweigt ein schmaler Weg nach rechts ab, der uns zum Weinbergersee führt, dem schönsten der Seen hier.

Lieblich: Seerosen auf dem Wasser

Geradezu lieblich ist der Blick über den am Ufer mit Seerosen bewachsenen See zu dem jenseits ansteigenden Haidkopf. Um diesen Blick noch etwas auszukosten, wandern wir auf dem Uferweg nach links und überqueren oder umgehen die mit Steinen, Baumstämmen und Schilf idyllisch wirkende Austrittsstelle der Saale.

Dann geht es in unserer Richtung weiter, jetzt am Schmalufer des Sees entlang, bis wir auf einen Querweg stoßen, den wir nach rechts einschlagen. Er führt uns am kleineren Paradiesteich vorbei, der mit seinem geradezu urwaldartigen Uferbewuchs allerdings wenig paradiesisch anmutet. Der jetzt stetig ansteigende Weg ist wieder Teil des Geologischen Rundwanderweges, wie uns die Informationstafeln zeigen. Er mündet in einen breiteren Forstweg, der uns zu der faszinierenden Ausblickstelle oberhalb der mächtigen Glassandgrube bringt, die nach wie vor in Betrieb ist.

Vielfarbig bis hin zum Schwarz der Kohle ist hier der Boden am Hang des Haidkopfes. Nachdem wir uns auch hier informieren ließen, wandern wir bis zu jener Kreuzung vom Hinweg und dort nach rechts zurück zu unserem Ausgangspunkt. Die in Thüste oder Wallensen gestarteten Wanderer gehen dagegen nach links zum Waldrand.



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