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Insolvenzverfahren eröffnet / Steigende Kosten, schlechte Aussichten / Verwalter sieht kaum noch Chancen

Bad Eilser Traditions-Café "Müller" in Notlage

Bad Eilsen (tw). Schwere Tage für das "Café Müller": Das Amtsgericht Bückeburg hat über das Vermögen von Rolf Koeker (56), Inhaber des traditionsreichen Gastronomie-Betriebs an der Wilhelmstraße, das Insolvenzverfahren eröffnet. Der entsprechende Antrag soll von dem Koch, Konditor und Hotelkaufmann bereits am 14. September gestellt worden sein.

veröffentlicht am 18.10.2006 um 00:00 Uhr

"Weil Verbindlichkeiten aufgelaufen sind, hat das Café in den letzten Monaten nicht mehr kostendeckend gearbeitet", berichtet Rechtsanwalt Stephan Hölterhinken auf Nachfrage dieser Zeitung. Der Mindener, der als Insolvenzverwalter eingesetzt worden ist: "Es hat einen erheblichen Umsatzrückgang gegeben." Derzeit ist Höltershinken dabei, die betriebstechnischen Unterlagen zu sichten: "Alles sauber geführt", so sein erster Kommentar. Bis Ende kommender Woche, wenn sich der Insolvenzverwalter einenÜberblick verschafft hat, soll sich entscheiden, ob das seit etwa 25 Jahren bestehende Terrassen-Café fortgeführt werden kann. Höltershinken ist allerdings skeptisch: "Bad Eilsen hat elf Gastronomie-Betriebe. Der Konkurrenzdruck ist groß - und die Rahmenbedingungen werden nicht besser." Das weiß natürlich auch Koeker, der das Café Müller seit 2002 führt und noch bis Anfang 2006 eine festangestellte Kraft und mehrere Aushilfen beschäftigt hatte. "Ich weiß es aus Porta", sagt der Gastronom. "Mit dem Ende vieler Kurkliniken und Pensionen bleiben auch die Kaffeegäste weg." Die Halbierung der Reha-Dauer von sechs auf drei Wochen tue ein übriges; das Gesundheits-Programm sei in der Regel so komprimiert, dass das Gros der Patienten die Kliniken allenfalls noch abends verlasse. Außerdem hielten die Häuser selbst ein Gastronomie-Angebot bereit. Doch das ist noch nicht alles. "Hinzu kommt", so der Koch und Konditor, "dass sich die Energiekosten in der jüngsten Zeit fast verdoppelt haben". Und auch die Berufsgenossenschaft habe ihre Beiträge um 60 bis 90 Prozent erhöht. Koeker: "Diese Anhebungen auf die Preise für die Torten zu schlagen - das ist den Gästen nicht zuzumuten." Ein Silberstreif am Horizont sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: "Die Energiekosten werden 2007 weiter steigen. Und auch das Anheben der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent zum 1. Januar wird alles andere als dazu beitragen, dass den Gästen das Portemonnaie wieder lockerer sitzt", fürchtet Koeker. Wie auch immer: Schon jetzt bedankt sich der Gastronom bei den Gästen, die dem Café bis heute die Treue gehalten haben sowie bei seiner Frau und dem Personal. Das Café Müller bleibt - trotz Insolvenz - bis auf weiteres werktags sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet; freitags ist Ruhetag. Auch den Mittagstisch sowie den selbstgemachten Kuchen, Spezialität des Hauses, gibt es wie bisher.

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