weather-image
27°
Jazz-Organistin Barbara Dennerlein begeistert 250 Zuhörer in St. Nikolai

Bach als früher Jazzer auf der Orgel?

Rinteln (wm/rd). Es war ein außergewöhnliches Konzert am Sonnabend in der Nikolai-Kirche mit rund 250 Zuhörern, und das in jeder Hinsicht: Jazz auf einer Kirchenorgel und das mit der deutschen Organistin und Jazzpianistin Barbara Dennerlein und ihrer Band - in der Fachpresse gefeiert als "First Lady of Hammond", als Ausnahmeerscheinung der deutschen Jazz-Szene.

veröffentlicht am 25.11.2008 um 00:00 Uhr

Eine Ausnahmeerscheinung der deutschen Kultur-Szene: Barbara Den

Kein Zuhörer, der von diesem Konzert im Rahmen der Rintelner Musiktage unbeeindruckt geblieben wäre, denn die 2500 Pfeifen der Nikolai-Kirchenorgel gerieten bei Barbara Dennerlein ins Swingen und Grooven - kongenial begleitet von Christian Kappe (Trompete) und Marcel Guste (Schlagzeug). Barbara Dennerlein hat 1994 bei den Bachtagen in Würzburg zum ersten Mal an einer Kirchenorgel gespielt und da begann ihre intensive Beschäftigung mit der "Königin der Instrumente". So gelang es ihr, durch meisterhafte Beherrschung des Pedalspiels die Klangmöglichkeiten der Nikolaiorgel auszuschöpfen - für die sie im Übrigen ausgesprochen lobende Worte fand. Dennerlein spielt mit beiden Händen zugleich auf zwei Tastaturen und besitzt noch die Muße, lupenreine Bassläufe aus dem Fußgelenk zu zaubern. Auch ihre Registrierung wird von Kennern als "genial" bezeichnet. Es war ein Abend mit Tempo, Spielwitz und Temperament, eine obsessive musikalische Reise durch verschiedene Stile des Jazz: Swing und Bebop, Blues, Soul, Latin und Funk - für Barbara Dennerlein gibt es keine starren Grenzen, sondern fließende Übergänge. Geboren 1964 in München, hat sie sich schon in jungen Jahren in den Klang einer Orgel verliebt, während andere "Für Elise" übten oder auf der Gitarre "All You Need Is Love" imitierten. Sie war elf, als die erste Heimorgel ins Haus der Dennerleins kam. Der Vater, selbst ein Orgel-Fan, dachte bei dem Weihnachtsgeschenk auch ein wenig an sich selbst: Falls Barbara keine Lust mehr hätte, könnte er ja darauf spielen. Doch es kam anders: Barbara Dennerlein ließ das Instrument nicht mehr los. Ungewöhnlich genug, dass eine Kirchenorgel als Jazz-Instrument dient. Doch das von Dennerlein kreierte Genre "Jazz goes Church" wurde ein Erfolg, ihre CDs mehrfach mit Jazz Awards und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik bedacht, "Take Off" (Verve/Universal) erreichte sogar Platz 1 der Jazz-Charts. "Ohne Verkopftheit, aber mit anspruchsvoller Musik Spaß haben", hat Barbara Dennerlein in einem Interview erzählt, sei ihr Anliegen, Jazz sei für sie ein Synonym für Freiheit - der Freiheit von Zwang und Konvention. Oft wirken manche Stücke weniger wie eine Jazz-Komposition als wie eine mit Blue-Notes gewürzte Fantasia oder Toccata der alten Meister. Von Johann Sebastian Bach geht die Legende, er habe als junger Organist beim Vorspiel die hohen Herren des Klerus mit eben solchen improvisatorisch freien, dennoch kontrapunktisch elaborierten Formen verwirrt, wie Dennerlein sie heute komponiert. Vielleicht war er ein früher Jazzer auf der Orgel? Auch in der Rintelner Nikolaikirche zeigte sich die Künstlerin trotz ihres inzwischen weltweiten Erfolges sympathisch-bescheiden und ohne Starallüren. Das Publikum reagierte begeistert mit Standing Ovations, auch Kantor Wolfgang Westphal, der der Künstlerin sein Hausinstrument überlassen hatte.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare