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Kreisverbandsvorsitzender in Sorge um Bereitschaft zum Ehrenamt / Neustrukturierung mit Auswirkung auf Schaumburg

Awo: Sinkende Mitgliederzahl - ungewisse Zukunft

Landkreis (la). Erstmals haben sich die Mitglieder des Kreisverbandes Schaumburg der Arbeiterwohlfahrt (Awo) bereits nach zwei Jahren wieder zu einer Versammlung getroffen und zwar im Gasthaus "Süße Mutter" in Rolfshagen. Awo-Kreisvorsitzender Ernst Kastning hatte bei der letzten Versammlung vor zwei Jahren darauf gedrängt, den Vier-Jahres-Rhythmus auf die Hälfte zu verkürzen. Im nächsten Jahr wird es vermutlich sogar eine "Sonder Kreiskonferenz" geben, weil auf der letzten Bundesversammlung in Magdeburg eine komplette Neustrukturierung beschlossen wurde, die auch erhebliche Auswirkungen auf Kreisebene haben wird.

veröffentlicht am 29.03.2008 um 00:00 Uhr

Der Vorstand des Awo-Kreisverbandes mit seinem Vorsitzenden Erns

Als Folge befürchtet Kastning einen substanziellen Verlust an Arbeitsaufgaben für kleinere Kreisverbände, einen Abbau von örtlichen Verantwortlichkeiten für die Awo-Dienstleistungen sowie mangelnde Ortsnähe der Angebote: "Die Anreize für eine Mitgliedschaft und für die Übernahme eines Ehrenamtes könnten sinken - und eventuell letztlich sogar die Existenzfrage von Kreisverbänden aufwerfen." In seinem Geschäftsbericht erinnerte Kastning an die Schwerpunkte der Arbeit des Vereins in den vergangenen beiden Jahren, an die Beratungen und Entscheidungen zur finanziellen Sicherung der Aktivitätsbandbreite, zu den Wirtschaftsplänen sowie besonders zu den Veränderungen der Aufgabenfelder. In Stadthagen ist die Awo seit 2006 am Familienzentrum beteiligt. Die Initiative dazu ging von der Stadt aus. "Wir sind von dem von Stadt, Awo und Kinderschutzbund gemeinsam erarbeiteten Konzept für diese Einrichtung überzeugt", betonte Kastning - und fragte gleichzeitig, ob "Gleiches oder Ähnliches" nicht auch für andere Städte von Interesse sein könnte. Die Awo jedenfalls wäre grundsätzlich zu einer Kooperation bereit. Seit dem letzten Oktober ist der Kreisverband Träger eines ambulanten Palliativberatungsdienstes (Sterbebegleitung) und eines vom Land Niedersachsen anerkannten und finanziell geförderten Stützpunktes. Die bisherige Erfahrung zeige, so Kastning, dass Beratungsbedarf vorhanden ist und dieser vermutlich sogar ansteigen wird. Über die eigenständige Aktivität hinaus regte Kastning an zu prüfen, "inwieweit Ortsvereine und Kreisverband gemeinsam in Bereichen tätig werden können, die strukturell nicht allein organisiert und wirtschaftlich getragen werden können, aber zunehmend an Bedeutung gewinnen". Von den höherenVerbandsebenen werden derartige Angebote als "Netzwerk" organisiert. Als ersten Schritt hat der Kreisverband Gesellschaftsanteile an der neuen "Seniorenservice GmbH" der norddeutschen Awo-Bezirke erworben und seine Mitwirkung beschlossen. Zu den weiteren Neuerungen im Tätigkeitsfeld zählt auch die im November ins Leben gerufene Aktion "Für mehr Menschlichkeit - Die Awo-Stiftung Schaumburg". Nach dem Segen von Innenministerium und Finanzamt müsse man jetzt allerdings, so Kastning, "gemeinsam an einer weiteren Erhöhung des Stiftungsvermögens arbeiten, damit die Stiftung aus dem Ertrag mit Erfolg Gutes tun kann". Zu den "Sorgenkindern" der Awo zählt die sinkende Zahl der Mitglieder. Nach anfänglichen Zuwächsen vor drei Jahren, rechnete Kastning vor, sei die Entwicklung zuletzt wieder leicht rückläufig gewesen. "Das würde bei anhaltendem Trend substanzielle Folgen für die sozialpolitische Wirkungskraft der Awo und ihre Tätigkeit haben", befürchtet der Vorsitzende. Geschäftsführerin Heidemarie Hanauske rekapitulierte in ihrem Rechenschaftsbericht noch einmal detailliert die konkreten Leistungen der Awo in den vergangenen beiden Jahren. Die Bemühungen galten dabei nach wie vor in erster Linie den benachteiligten Menschen. Viele bekamen kompetente Hilfe von den sozialen Diensten oder wurden an andere zuständige Gesprächspartner vermittelt. Auf dem Programm der Awo standen unter anderem Mutter-Kind-Kuren, Schwangerschafts-Konfliktberatung oder Beratungen in Sachen Integration und Migration. Besondere Erwähnung fand die Jugendberufshilfe, die arbeitslosen Jugendlichen Unterstützung für die Schritte in Ausbildung und Arbeitsmarkt vermittelt. Dabei gingen die ehrenamtlichen Awo-Mitarbeiter auf die Jugendlichen zu, etwa in Schulen und Jugendtreffs. "So können wir auch jene erreichen", betonte Hanauske, "die wegen Frustrationen und Perspektivlosigkeit ein Beratungsangebot von sich aus nicht in Anspruch genommen hätten." Kritikübte die Geschäftsführerin in diesem Zusammenhang an der Tatsache, dass die Wohlfahrtsverbände neuerdings von den entsprechenden Landesprogrammen ausgeschlossen sind: "Die Tendenz, die freien Träger vor Ort nicht mehr direkt auf Landesebene mit einzubinden, scheint zum System geworden zu sein,das wir auch an anderer Stelle erleben." Dadurch gehe "nicht nur die Kenntnis von Problemstellungen verloren, sondern auch ein Teil von Bürgernähe." Beim Tagesordnungspunkt Wahlen wurde schließlich der komplette geschäftsführende Vorstand einstimmig im Amt bestätigt. Einige Änderungen gab es im Beirat: Jürgen Lingner und Margarethe Stüber, die für 25-jährige Aktivität in ihrem Ortsverbandsvorstand extra geehrt wurde, schieden aus. Neu gewählt wurden Renate Beu, Helma Hartmann-Grolm und Grit Schmidt.



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