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In Sichtweite fährt die Kundschaft an der Wehrberger Warte vorbei / Helfen Schilder an der B 83?

Automechaniker Alvermann plagen die Sorgen

Wehrbergen. Jürgen Alvermann ist verzweifelt. Er sitzt am Schreibtisch seiner Werkstatt und raucht. Sollte sich an seiner wirtschaftlichen Lage nicht bald etwas ändern, dann muss der 47-jährige Kfz-Mechaniker seinen Betrieb schließen. Die alte Tankstelle bei Wehrbergen, zu der auch Alvermanns Autowerkstatt gehört, hat große Probleme. Seitdem die Ortsumgehung Wehrbergen in Betrieb ist, brechen dem Unternehmer an der alten Trasse der Bundesstraße 83 die Einkommen weg.

veröffentlicht am 14.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Kfz-Mechaniker Jürgen Alvermann hat in seiner Werkstatt an der W
Tomas Krause

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Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite

Wehrbergen. Jürgen Alvermann ist verzweifelt. Er sitzt am Schreibtisch seiner Werkstatt und raucht. Sollte sich an seiner wirtschaftlichen Lage nicht bald etwas ändern, dann muss der 47-jährige Kfz-Mechaniker seinen Betrieb schließen. Die alte Tankstelle bei Wehrbergen, zu der auch Alvermanns Autowerkstatt gehört, hat große Probleme. Seitdem die Ortsumgehung Wehrbergen in Betrieb ist, brechen dem Unternehmer an der alten Trasse der Bundesstraße 83 die Einkommen weg. „Bis zu 50 Prozent weniger Kunden kommen in meine Werkstatt“, hat Jürgen Alvermann festgestellt. Nicht einmal 300 Meter entfernt, also in Sichtweite zu der denkmalgeschützten Tankstelle, rauscht der Verkehr vorbei. Nur selten biegt ein Fahrer ab, um an der Wehrberger Warte zu tanken oder eine Reparatur machen zu lassen. Meist seien es Stammkunden, aber auch die seien weniger geworden, erklärt Alvermann. In Zeiten der Abwrackprämie kauften sich die Leute lieber neue Autos, als die alten in Schuss bringen zu lassen.

Mit seinen Nerven ist der gebürtige Groß Berkeler am Ende. Außenstände, offene Rechnungen und Forderungen von Lieferanten bleiben unbezahlt. Auch seinen Mitarbeiter, eine von der Arbeitsagentur vermittelte Kraft, musste er wieder nach Hause schicken. Den Betrieb führt Alvermann nun allein. Aufgeben will er aber auf keinen Fall und kämpft für seine Existenz. „Ich habe mich mit der Stadt auseinandergesetzt, meiner Hausbank, habe das Radio informiert.“ Alles mit mäßigem Erfolg.

„Im Mai waren Herr Tegtmeyer vom Ordnungsamt und Frau Opitz von der Wirtschaftsförderung hier“, erzählt Alvermann. Er diskutierte mit ihnen die Möglichkeit von Hinweisschildern an der neuen Bundesstraße. Und obwohl gewerbliche Schilder außerhalb von geschlossenen Ortschaften verboten seien, riet ihm Norbert Tegtmeyer, Chef der Abteilung Ordnung und Straßenverkehr im Rathaus, einen Antrag zu stellen. Damit die Straßenmeisterei entsprechende Schilder anbringt. Seit drei Monaten liegt das Schreiben nun der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau vor.

Einen Dämpfer erhielt der Selbstständige auch von seiner Hausbank. Um seine Rechnungen zu bezahlen, fragte er nach einem Überbrückungskredit über 5000 Euro. Trotz positiver betriebswirtschaftlichen Auswertung winkte die Bankmitarbeiterin ab. „Als Gründe führte sie die schlechte Lage an und die Probleme, die durch die Abwrackprämie entstehen. Und dabei hatten wir nur über 5000 Euro gesprochen – 50 000 hätten sie mir bestimmt gegeben“, meint der Mechniker sarkastisch. Mit seinen Existenzsorgen fühlt sich Alvermann alleingelassen. „Sollte ich schließen müssen, bleibt für mich nur Hartz IV“, befürchtet er. Sauer ist er auch auf die Bundesregierung. Die habe versprochen, mittelständische Betriebe zu unterstützen. Spüren könne er davon nichts. Die Förderung der N-Bank des Landes, auf die er große Hoffnungen gesetzt hatte, kann er nicht nutzen. Bei der Vergabe des zinslosen Kredits müsse die Hausbank mitspielen – „und die will nun mal nicht.“

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Um sich trotzdem Gehör zu verschaffen, hat sich Alvermann auch an Radio Aktiv und den Sender ffn gewandt. „Ich will mir nachher nicht vorwerfen müssen, nichts getan zu haben“, sagt er. „Seit fünf Jahren bin ich hier. Am Valentinstag 2004 habe ich eröffnet, und ich will hier so lange bleiben wie möglich.“

Unterdessen gibt es für Alvermann und seinen Vermieter, den Tankstellenbesitzer Stefan Wilde, positive Nachrichten von der Straßenbaubehörde. Der Leiter des Hamelner Geschäftsbereiches, Markus Brockmann, bestätigt, dass von den zuständigen Ämtern zwei Hinweisschilder auf die Tankstelle, die Werkstatt und auch den Pflanzenhandel als „Pilotprojekt für abgelegene Betriebe ausnahmsweise genehmigt worden sind“. Die Tafeln müssten nun beschafft werden; die Kosten hätten die Geschäftsleute zu tragen. „Für mich bedeuten die Schilder Hoffnung auf ein besseres Geschäft“, sagt Alvermann, „und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“



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