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Es gibt Gewinner und Verlierer: Wie es mit der Geschäftslage in einigen Altstadtstraßen aussieht

Auszug? Einzug? Eine Inventur zum Leerstand

 

Hameln (kar). „50 Prozent Rabatt“ und „Alles muss raus“ prangt unübersehbar in großen Buchstaben an der Schaufensterscheibe. Kein Schlussverkauf, wie man vermuten könnte, sondern ein Räumungsverkauf. Und beileibe nicht der einzige in der Hamelner Altstadt. Der Leerstand in der City bleibt ein Problem. Einige Läden haben schon lange zu, andere machen demnächst dicht. Ein paar ziehen um. Aber es gibt auch welche, die einziehen wollen. Eine Inventur:

veröffentlicht am 05.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Verlierer Osterstraße: Hier steht die Hertie-Immobilie nach wie vor leer, auch Blumenladen und Imbiss sind verschwunden. Ein konkreter Interessent für das Objekt ist nicht in Sicht. „Apollo“ ist in die Stadt-Galerie gezogen. Quick-Schuh hat gerade seinen Laden geräumt. WMF wird folgen. „Ja, der Mietvertrag ist Ende September gekündigt“, bestätigt WMF-Gebietsleiter Jan Wagner entsprechende Gerüchte. Die Osterstraße habe an Attraktivität verloren, der Standort sei nicht mehr interessant. Künftig konzentriert sich WMF in Hameln auf die Stadt-Galerie und auf das Kerngeschäft mit Töpfen und Bestecken: Eine Porzellanabteilung wird es nicht mehr geben. „Das ist in Hameln nicht anders als in anderen Städten auch“, sagt Wagner zu der veränderten Firmenpolitik. Einen Hoffnungsschimmer gibt es für die Ladenfläche des ehemaligen „New Yorker“, wo das Autohaus Lange derzeit noch Wagen zur Schau stellt: „Es tut sich was“, ist Stadtmanager Stefan Schlichte zuversichtlich, will aber noch nichts sagen, „solange die Tinte auf dem Vertrag nicht trocken ist“ und hofft, dass dies noch im ersten Halbjahr der Fall sein wird. Weniger gut sieht es für das ehemalige „Balutsch“-Lokal aus, wo der Treser-Club für sich wirbt: „30 Quadratmeter unten und 200 oben – das ist eine schwer vermittelbare Fläche“, meint Schlichte. Auch andere Leerstände bleiben problematisch, „weil die Vermieter zum Teil abenteuerliche Preisvorstellungen haben“, so Schlichte.

Verlierer Posthof: „Piazzetta“: dicht, „Pöstchen“: dicht. Und Ende dieser Woche auch der kleine Blumenladen „Stiel & Blüte“. „Die Lage hat sich nicht rentiert, weil der Museumsdurchgang so lange gesperrt war“, sagt Bocana Spieß: „Wir sind am Posthof regelrecht abgehängt worden.“ Sie will umziehen – vom Posthof an die Emmernstraße: „Die Frequenz ist dort besser.“ Und eine vergleichbar große Ladenfläche hat Bocana Spieß dort in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kinderboutique „Floh“ gefunden. Nichts Konkretes gibt’s im Hinblick auf die 170 Quadratmeter plus Außensitzfläche des ehemaligen Eiscafés Piazzetta. Und auch für die 56 Quadratmeter des ehemaligen „Pöstchens“ an der Ecke zur Baustraße ist noch kein Nachmieter in Sicht: „Wir haben uns aber auch noch nicht intensiv darum gekümmert“, gibt Vermieterin Christiane Lange aus Springe zu. Fast alles sei recht, „bis auf Imbissstube oder Billigladen“.

Verlierer Wendenstraße: An der Leerstandssituation hat sich nichts geändert. Ein ehemaliges Modegeschäft und ein Laden für Tee und Wohnaccessoires stehen weiterhin leer. Für die ehemaligen Räumlichkeiten der Firma „Abmedia“, die an den Bahnhof gezogen ist, sind keine neuen Mieter in Sicht: „Es gab Interessenten, aber die wollten am liebsten nichts zahlen“, klagt Hauseigentümer Ewald Asmus aus Bodenwerder. Er lege Wert auf zahlungskräftige Mieter: „Ich warte noch ab.“ Nachmieter sucht auch Maritta Vogt von Mode-Vogt. Der Räumungsverkauf läuft schon, sie macht demnächst zu – „aus persönlichen Gründen“. Für ihre 85 Quadratmeter Ladenfläche sucht sie Mieter, die dem schönen, gepflegten Ambiente gerecht werden.

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Gewinner Bäckerstraße: Salamander geht: Das Traditionshaus für Schuhe schließt. „Aber es gibt schon einen Interessenten für die Fläche“, weiß Stefan Schlichte. Und hinter den zugehängten Fenstern der ehemaligen Räume von „Ihr Platz“ wird bereits seit einiger Zeit unter Hochdruck gearbeitet: Die Post eröffnet hier am 17. Februar wieder mitten in der Stadt ihre neuen Räume. „Wenn das Postbank-Finanzcenter vom Ostertorwall in die Bäckerstraße zieht, wird alles schöner, besser, kundenfreundlicher und serviceorientierter“, sagt Jens-Uwe Hogardt von der zuständigen Pressestelle in Hamburg und stellt eine „Filiale im Wandel“ in Aussicht wie es sie bislang noch nicht in vielen deutschen Städten gebe. Parkplätze werden zwar rar sein, aber: „Wir sind mit Bedacht ins Zentrum gegangen, weil dort unsere Kunden sind“, sagt Hogardt. Auf 550 Quadratmetern wird es unter anderem sechs Schalter, eine Kinderspielecke und einen Kaffeeautomaten geben.

Gewinner Emmernstraße: Laufachse gut, Frequenz gut. Das zahlt sich aus. Zwar hat die Kinderboutique „Floh“ ihren Laden geräumt, aber „Stiel & Blüte“ wird dort einziehen. In das ehemalige Korbgeschäft, das lange leer stand, ist das „Gardinen-Atelier“ gezogen, beherbergt Raumausstattung und Änderungsschneiderei. Birgitt Rekate hat ihr Kosmetikstudio gerade an den Thiewall verlagert. Ein Nachfolger für die alten Räume ist noch nicht bekannt.

Gute Nachricht für die drei leerstehenden Geschäfte in der Stadt-Galerie: „Für zwei Läden – der eine hat 330, der andere 100 Quadratmeter Fläche – sind Nachmieter in Aussicht“, sagt Center-Managerin Kirsten Jackenkroll. Zufrieden ist Stadtmanager Schlichte auch mit der Geschäftslage in der Fischpfortenstraße und der Ritterstraße (mit Ausnahme der Ritter-Passage). Im Hinblick auf das Leerstandsmanagement steht für ihn fest: „Große Flächen lassen sich in der Hamelner Altstadt nur schwer vermieten.“ Die Entscheidungen zur Fußgängerzone spielten dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle: „Investoren warten ab“, sagt Schlichte, „denn Baustellen sind ein Start-Handicap.“ Das Hauptaugenmerk des Stadtmanagers gilt der Hertie-Immobilie: „Da muss zeitnah etwas rein“, so Schlichte: „Das hätte Signalwirkung für die ganze Osterstraße.“



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