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Ulrike und Wilfried Jilg ziehen für ein Jahr an ihren geliebten Urlaubsort / Besuch aus dem Norden

Auswandern auf Zeit in die Einsamkeit Finnlands

Kathrinhagen (la). EinÖllicht flackert vor der Haustür von Ulrike und Wilfried Jilg am Drosselweg. "In Finnland ein Zeichen dafür, dass Besuch erwünscht ist", sagt der Hausherr. Mit den finnischen Bräuchen kennen er und seine Frau sich bestens aus, denn seit 25 Jahren sind die Jilgs Finnland-Fans und haben das reizvolle Land im Norden bereits mehr als 40 Mal besucht. Nun wollen beide dorthin auswandern - auf Zeit, für ein Jahr.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:45 Uhr

Wilfried (l.) und Ulrike Jilg (2.v.r.) mit ihren finnischen Freu

Ihr Ziel: Turenki, 100 Kilometer nördlich von Helsinki gelegen. Dort haben sich die beiden Kathrinhagener vor zwölf Jahren ein Holzhaus an einem See gekauft und verbringen seitdem jeden Urlaub dort, egal zu welcher Jahreszeit. "Unser Haus steht mitten im Wald, und wir genießen die Stille. Da ist es ganz gleich, ob man bei warmenWetter auf dem See schippert, Holz hackt oder bei minus 35 Grad Berge von Schnee schippt", erzählt Wilfried Jilg. Langweilig wird es nie. "Ich handarbeite viel, und wir lesen gern", sagt Ulrike Jilg. "Außerdem haben wir dort ein 12 000 Quadratmeter großes Grundstück, das will schließlich gepflegt werden", fügt ihr Mann schmunzelnd hinzu. Die Fahrt in die zwölf Kilometer entfernte Stadt Turenki zum Einkaufen ist beiden meist nur lästig, und sie meiden die Tour so gut es geht. "Diese Hektik, der Stress und Lärm in der Stadt ist - gerade wenn man aus der Stille des Waldes kommt - sehr belastend", sagt Wilfried Jilg. Der 51-jährige pensionierte Lehrer und seine 46-jährige Frau werden ab Oktober für ein Jahr nach Finnland gehen. "Darauf freuen wir uns sehr, denn bislang konnten wir immer nur einige Urlaubswochen am Stück in unserer Idylle verbringen." Endlich wollen die Jilgs einmal alle vier Jahreszeiten in Finnland erleben - hintereinander weg. Wer so oft seinen Urlaub am selben Ort verbringt, knüpft dort Kontakte. So haben die Eheleute Jilg ihre nahen und ferneren Nachbarn näher kennen gelernt, und zum Teil entwickelten sich daraus Freundschaften. "Wir beherrschen zwar die finnische Sprache nicht, aber ein paar Brocken haben wir natürlich schon gelernt. Mit unseren Freunden dort sprechen wir Englisch", erläutert Wilfried Jilg. Die finnische Sprache sei unheimlich schwer zu erlernen, da viele Wörter sehr ähnlich klingen, aber völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Jilgs brechen ihre Zelte in Kathrinhagen für ein Jahr ab. Doch zuvor haben sie noch ein befreundetes Ehepaar aus Finnland eingeladen. Sie wollten Mira (34) und Raine (39) Mäkelä einen Teil ihrer Heimat zeigen und den beiden Finnen die deutsche Kultur ein wenig näher bringen. Gemeinsam bereisten die Paare eine Woche lang das Weserbergland, besichtigten Hameln, Rinteln und Bückeburg und machten Ausflüge nach Hannover und Hamburg. "Deutschland ist sehr schön. Die Landschaft hier und vor allem die schönen Gärten gefallen mir", sagte Mira Mäkelä. Zum Abschluss ihres ersten Deutschlandbesuchs hatten ihre Gastgeber noch einen gemütlichen Abend mit Freunden organisiert, zu dem auch musikalische Gäste eingeladen waren. Jürgen und Hagen Leo aus Borstel musizierten auf ihren Sackpfeifen, und Olaf Siekmann, auf den Wilfried Jilg bei dem Konzert in der Kapelle in Rehren aufmerksam geworden war, sorgte mit keltischen Klängen auf seiner Gitarre für Unterhaltung. Inzwischen sind die finnischen Gäste wieder abgereist und die Eheleute Jilg bereiten sich auf eine gewiss aufregende Episode vor: ihre Auswanderung auf Zeit...

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