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Rechte Vergangenheit: WGR-Schriftführer zieht Kandidaturen zurück / Stimmzettel bleiben gültig

Austritt: Bothe verlässt die Wählergemeinschaft

Rodenberg (wer). Sacha Bothe legt sein Vorstandsamt und seine Mitgliedschaft in der Wählergemeinschaft Rodenberg (WGR) nieder und zieht seine Kandidaturen für die Kommunalwahl zurück. Der 36-Jährige reagiert damit auf die Veröffentlichung seiner rechtsextremistischen Vergangenheit. Bothe galt bis vor einigen Jahren als einer der führenden Köpfe der Hamburger Skinhead-Szene (wir berichteten).

veröffentlicht am 31.08.2006 um 00:00 Uhr

Im Gespräch mit dem WGR-Vorsitzenden Ralf Sassmann hat Bothe gestern seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Aus der WGR will er austreten. Auch die Kandidaturen für den Rodenberger Samtgemeinde- und Gemeinderat will er aufgeben. Bothe bestätigt dies gegenüber unserer Zeitung: "Ich will Schaden von der Wählergemeinschaft abwenden." Der ehemalige Rechtsextremist, der nach eigenem Bekunden inzwischen in "Skinhead-Rente" gegangen ist und sich von seiner Vergangenheit distanziert, hofft, nach dem Rückzug aus der Politik jetzt "in Frieden leben zu können". Bothe wiederholt seinen Bruch mit der Vergangenheit: "Ich habe damals großen Quatsch geredet, ich sehe das heute anders." Korrigieren muss er indes seine Aussage, schon Ende 1999 aus der rechten Szene ausgestiegen zu sein. Ein unserer Zeitung zugespieltes Video zeigt Bothe als Teilnehmer eines rechtsextremistischen Aufmarsches am 1. Mai 2001 in Frankfurt. "Das waren die wirklich letzten Zuckungen", beteuert Bothe, mit dem Video konfrontiert. Danach, seit seinem Umzug nach Rodenberg Ende 2001, sei er nicht mehr in der rechten Szene aktiv geworden. WGR-Chef Sassmann hatte Bothe den Austritt nahe gelegt. Der Vorsitzende ist jetzt um Schadensbegrenzung bemüht: "Die WGR ist weder rechts- noch linksorientiert, wir verbreiten überhaupt keine Ideologien, sondern machen Sachpolitik." Sassmann betont, dass auch die Integration von Ausländern zum Programm der Wählergemeinschaft gehöre. Bothe, seit drei Jahren Mitglied, sei nicht durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen, sagt Sassmann, er habe sich in dieser Hinsicht vollkommen "unauffällig" verhalten. Für das Wahlverfahren indes kommt Bothes Rücktritt zu spät. Die Briefwahl läuft bereits, die Stimmzettel für den 10. September sind gedruckt. Das Kommunalwahlgesetz schreibt für späte Rückzüge von Kandidaten (und Todesfälle) vor, dass mögliche Stimmen dem Wahlvorschlag erhalten bleiben. Trotz der Rücktrittserklärung zählen alle Kreuze, theoretisch könnte der Kandidat wider Willen in die Räte gewählt werden. Seinen Rücktritt müsste Bothe nach der Wahl wiederholen, indem er die obligatorische Frage von Wahlleiter Günther Wehrhahn, ob er die Wahl annimmt, verneint. Ein unwahrscheinliches Szenario: Der Ex-Kandidat steht auf relativ aussichtslosen Listenplätzen.

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