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Im Heerlager verzichten die Teilnehmer auf die Annehmlichkeiten der Zivilsation

Ausstieg aus Stress und Hektik des Alltags

Bückeburg. Schottland im 13. Jahrhundert: Während in Deutschland Stauffer und Welfen um Macht und Kaiserkrone kämpfen, in Frankreich König Ludwig IX. der Heilige zum Kreuzzug rüstet und in England König Heinrich III sich der rebellischen Barone erwehren muss, steuern die Schotten direkt auf die königslose Zeit ab 1290 zu, in der es zublutigen Kämpfen um die Macht und den berühmten Aufstand unter William Wallace kommt, dessen Geschichte in "Braveheart" verfilmt wurde.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 11:07 Uhr

Dagmar Sinniger und Michael Buss vom Heerlager Mo Chridhe sowie

Dieses Land und diese Zeit haben sich Dagmar Sinniger (30) aus Papenburg und Michael Buss (27) aus Uetersen für ihr Heerlager Mo Chridhe ausgesucht, mit dem sie jetzt zwei Wochenenden lang auf dem Mittelalterlich Spectaculum zu Gast waren. In der Mittelalter-Szene hat sich der Begriff "Heerlager" etabliert für Gruppen und Familien, die auf Festivals und Märkten campieren und dort mittelalterliches Soldatendasein, Familienleben oder Marktgeschehen darstellen und vorleben. Dabei hat sich auch das ganz alltägliche Leben den Bedingungen vergangener Jahrhunderte unterzuordnen: "Elektrische Geräte, insbesondere Handys, sind verboten", erklärt Dagmar Sinniger, die wie Michael Buss durch Freunde ihre Begeisterung für die 700 Jahre zurückliegende Epoche entdeckte. "Geraucht werden darf nur außerhalb des Lagers, und nirgendwo dürfen moderne Verpackungen oder Flaschen zu sehen sein." Auch die Kleidung hat strengen Vorschriften standzuhalten. Zwar braucht die "Gewandung", so der offizielle Terminus der Mittelalter-Szene, nicht exakt dem Jahrhundert zu entstammen, dem auch das eigene Lager zugeordnet wird, aber jegliche moderne Kleidung an sichtbarer Stelle ist verpönt. Auch dürfen "Zivilisten", also Personen in normaler Kleidung, das Lager nur unter bestimmten Bedingungen betreten: "Besucher während der Märkte sind natürlich herzlich willkommen, in Ausnahmefällen auch Verwandte und Freunde. Die Angehörigen des Lagers selbst haben aber grundsätzlich gewandet aufzutreten." Michael Buss zum Beispiel trägt in seinem Lager grundsätzlich einen Plaid, einen schottischen Rock, der aus einem sechs Meter langen Stück Tuch gewickelt wurde. Die Herkunft des Tuches ist dabei zweitrangig: "Es gibt Heerlager, bei denen solche Kleidung nur handgewebt erlaubt ist, aber das ist natürlich sehr teuer." Abhängig von der umrahmenden Großveranstaltung gibt es deutlich unterschiedliche Schwerpunkte im Lagerleben: Während der Öffnungszeiten wird sehr publikumsorientiert gearbeitet und gelebt. Es werden Schaukämpfe ausgeführt, Waffen und Ausrüstungsgegenstände gezeigt und der historische Kontext erläutert. Zwischen den Öffnungszeiten ist man dann bei den Heerlagern unter sich, führt Kampf- und Waffentraining durch und hilft sich gegenseitig. Bis zu sieben Wochenenden verbringen Dagmar Sinniger und Michael Buss im Jahr auf diese Weise. Was ist das Faszinierende daran, auf so viele Annehmlichkeiten der Zivilisation zu verzichten und nicht selten Wind und Wetter auf sich zu nehmen? "Der Ausstieg aus dem Stress und der Hektik des Alltags und die Möglichkeit, sich am eigenen Leibe mit einer so weit zurückliegenden Vergangenheit zu beschäftigen."



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