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Seniorin winkte einst dem Tierschutzverein mit Vermögen / Ex-Leiterin adoptiert

Ausländer an der Kasse beschimpft: Rieger hatte 85-Jährige verteidigt

Landkreis (wer). Während Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger dabei ist, eine weitere Immobilie zu kassieren, geht eine andere, honorige Institution leer aus: Auch dem Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung hatte die 85-jährige Rodenbergerin vor Jahren einen Teil ihres offenbar beträchtlichen Vermögens in Aussicht gestellt. Die damalige Leiterin des Tierheims hat sich sogar von ihr adoptieren lassen - aus privaten Gründen, wie es heißt.

veröffentlicht am 08.03.2007 um 00:00 Uhr

Das Anwesen der Rodenbergerin An der Steinaue: Noch gehört es ni

Die Seniorin aus Rodenberg hat ihr rund 4000 Quadratmeter großes Anwesen dem bundesweit bekannten Neonazi Jürgen Rieger überschrieben (wir berichteten, siehe: "Fakten"). Aus politischer Sympathie: Sie ist notorisch rechtsradikal, sieht in Rieger "einen von uns" und beschwert sich auch am Telefon unverzüglich über Ausländer. Vor mehreren Jahren hatte die Frau Kontakt mit dem Tierschutzverein in Bückeburg aufgenommen, Briefe mit "deutschem Gruß" geschrieben und einen Hund aufgenommen. Damals soll sie eine Vorliebe für deutsche Schäferhunde gehabt haben. Dem Verein stellte sie ein Erbe in Aussicht - die Rodenbergerin bestätigte dies gestern. Zumindest in einen zeitlichen Zusammenhang fällt die Adoption der damaligen Leiterin des Tierheims, die - inzwischen im Ruhestand - noch heute als Adoptivtochter in Kontakt zur Rodenbergerin steht. Die Initiative zur Adoption ging damals von der Seniorin aus. "Sie wird ihren Anteil bekommen", sagt die 85-Jährige heute. Nur der Verein, der gehe leer aus. Sie werde ihr Vermögen dem Tierschutzverein Hannover vermachen. Und natürlich Jürgen Rieger. "Der bekommt viel." Die Frau gilt als unverbesserliche Rechtsextremistin. Der Samtgemeinde Rodenberg hat sie mehrmals Vorschläge gemacht, wie die Gemeinde noch zu retten sei - vor allem vor Ausländern. Auch der Staatsanwaltschaft Bückeburg ist die Frau bestens bekannt: In zwei Fällen hatte sie ausländische Supermarkt-Verkäufer unflätig beschimpft. Das Verfahren wurde gegen Geldauflage eingestellt. Ihr Verteidiger damals: Jürgen Rieger. Auch die Abwicklung des Adoptionsverfahrens gestaltete sich ob der tief sitzenden Ressentiments schwierig. Ein notarieller Termin in einer Bückeburger Anwaltskanzlei drohte zu platzen, als die Frau einen türkischen Mitarbeiter der Kanzlei erblickte. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft hatten geprüft, ob die Frau mit einem bundesweit bekannten rechtsradikalen Politiker gleichen Namens verwandt sei. Das sei sie nicht, erzählt sie am Telefon. Und wundert sich, wie man darauf kommen könne.



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