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Orientierungshilfe für junge Menschen / Informationen, Diskussionen und mehr als 50 Aussteller

Ausbildungsmesse IMA lockt 4000 Besucher

Hameln (fn/phi). Die erste Hürde im Rennen um einen Ausbildungsplatz hat der Bewerber genommen – er wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Jetzt heißt es, weiter punkten. Und wie er dabei einen guten Eindruck hinterlassen kann, zeigten drei Experten interessierten Schülern auf der IMA in der Eugen-Reintjes-Schule auf. Im Informationsraum der Dewezet referierten Andre Arras von der Tanzschule „Für Sie“, Heike Schütte von „Martin-Coiffeur“ sowie Ilona Burgstaller vom „Modehaus Wellner“ über moderne Umgangsformen und das passende Outfit für das erste Treffen mit den künftigen Arbeitgebern.

veröffentlicht am 28.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

„Germanys next Super-Azubi wird gesucht, und 20 Bewerber wollen es werden. Ihr müsst zeigen, dass ihr die Stelle haben möchtet. Denkt dran, beim Gespräch werdet ihr ständig beobachtet“, so erläuterte Arras den aufmerksamen Schülern den sicheren Umgang bei einem solchen Zusammentreffen. Der 40-jährige Tanzschullehrer vermittelte in praktischen Übungen die richtige Sitzhaltung und die passende Stärke eines Händedrucks. Aber das alles hilft nicht weiter, wenn das passende Äußere fehlt. Heike Schütte gab Tipps für Frisur und Make-up, wobei man zwischen den anzustrebenden Berufen unterscheiden sollte: „Zu viel Schminke geht aber überhaupt nicht. Und beim Vorstellungsgespräch in einer Bank ist konservatives Auftreten angesagt. Tattoos sind ein heikles Thema – sie sollten eigentlich immer verdeckt sein, gleiches gilt für Piercings.“ Der Auftritt der 17-jährigen Wellner-Praktikanten Trung Kien Le und Ferial Kadi, die von Ilona Burgstaller vom Modehaus als Models mit zur IMA genommen wurden, avancierte zur Modenschau. Die beiden Schüler der Höheren Handelsschule absolvieren zurzeit ein vierwöchiges Praktikum in der Ritterstraße und würden dort auch gern eine Ausbildung beginnen. Die 37-jährige Abteilungsleiterin präsentierte mithilfe der Models unterschiedliche Outfits – legere und seriöse Kleidung. Individuelle Fragen zu Verhalten und Auftreten bei Vorstellungsgesprächen beantwortete Karen Klose von der Transforma Syndikat GmbH.

„Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist Weltspitze, aber um im internationalen Vergleich die Position zu halten, muss sich an der Ausbildungsordnung etwas ändern.“ Das ist das Fazit, das Vertreter aus Bildung, Politik und Unternehmen im Rahmen der IMA in der Eugen-Reintjes-Schule zogen. „Die meist dreijährige Ausbildung stellt einfach an viele Jugendliche zu hohe Ansprüche“, meinte der Geschäftsführer der Dr. Paul Lohmann GmbH KG, Jürgen Lohmann, und plädierte für eine modulare Vorgehensweise. „Grundkenntnisse könnten zum Beispiel in einem Jahr vermittelt werden, um sich danach weiter zu spezialisieren, oder eben auf diesem Stand zu bleiben.“ „Eine solche Vorgehensweise käme auch Jugendlichen mit weniger Potenzial entgegen“, stimmte Landrat Rüdiger Butte zu. Ursula Rose, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hameln, erklärte: „Die Jugendlichen, die heute in dreijähriger Ausbildung zur Fachkraft ausgebildet werden, werden in nächster Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr so einfach verfügbar sein. Die finanzkräftige Industrie wird diese jungen Leute abgreifen.“ Deshalb müssten besonders die Jugendlichen, die heute als „nicht ausbildungsfähig“ eingestuft werden, fit für den Job gemacht werden. Sie würden auf lange Sicht dringend gebraucht.

Bezogen auf die eigene Region, stellte Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann fest, dass es durchaus genügend Ausbildungsplätze gebe, immer mehr Jugendliche allerdings in „Warteschleifen“ gerieten und sich nicht für einen Beruf entscheiden könnten. Bei 6300 Ausbildungsberufen in Deutschland sei das allerdings auch nicht ganz so einfach, warf Dorothea Schultz von der Industrie- und Handelskammer ein. „Die Lage bei der Berufswahl wird immer unübersichtlicher. Manche Jugendlichen sind überfordert bei der Entscheidungsfindung.“

„Anschauungsunterricht“: Trung Kien Le (vorne links) präsentiert legere Kleidung, Ilona Burgstaller (Mitte) ein seriöses Outfit. Nadine Schulz, Friederike Arndt, Kathrin Kerntopf und Marie-Theres Hägemann (v. li.) sind aufmerksame Beobachterinnen. Foto: fn

Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise hielten sich laut Schultz auf dem heimischen Ausbildungsmarkt in Grenzen: „Zehn Prozent weniger Ausbildungsverträge wurden dieses Jahr im Landkreis Hameln-Pyrmont abgeschlossen. Es hätte schlimmer kommen können.“ Die heimischen Betriebe seien ihrer Verantwortung durchaus gerecht geworden.

Die Ausbildungsmesse IMA ist seit zwölf Jahren das Großprojekt der Hamelner Wirtschaftsjunioren und soll jungen Menschen eine Orientierung geben. In diesem Jahr zählten die Organisatoren mehr als 4000 Besucher, mehr als 50 Aussteller nahmen an der IMA teil.



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