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Katholiken steht Umstrukturierung bevor / Lenkungsgruppe gebildet / Pfarrer Ziemens schließt Verkauf von Kirchen nicht aus

Aus vier Gemeinden mit sechs Kirchen wird eine Gemeinde

Bückeburg (rc). Für die katholischen Pfarrgemeinden St. Marien Bückeburg mit St. Johannes Bad Eilsen, St. Josef Obernkirchen, St. Katharina Auetal-Rehren und Heilig Kreuz Helpsen mit St. Bartholomäus Nienstädt wird es nach den Sommerferien ernst. Dann tritt erstmals eine Lenkungsgruppe unter dem Vorsitz des Obernkirchener Pfarrers Norbert Mauerhof zusammen, die in den kommenden eineinviertel Jahren Entscheidungen treffen muss, wie aus den vier Pfarrgemeinden mit insgesamt rund 6500 Gläubigen und sechs Kirchen eine Pfarrgemeinde wird.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 12:57 Uhr

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Bis zum 1. Oktober 2008 soll die Entscheidungsfindung nach den Vorgaben des Bistums Hildesheim abgeschlossen sein. Das Bistum hatte im Jahr 2003 beschlossen, dass bis 2020 die insgesamt 363 Pfarrgemeinden in ihrem Bereich auf etwa 120 zu reduzieren sind. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte der Bückeburger Pfarrer Matthias Ziemens, dass er sich von der Zusammenlegung "neue Impuluse und eine Bereicherung verspricht". Die Entwicklung müsse nüchtern betrachtet werden und hingenommen werden. Die Entscheidungen des Bistums und des Lenkungsausschusses müssten angenommen und unterstützt werden. "Es ist eine Chance für uns." Sein Beispiel: Ein Kindergottesdienst mit 100 Kindern ist etwas anderes als einer mit zehn in einer kleinen Gemeinde. Und für den Lenkungsausschuss gibt es eine Menge Regelungs- und Entscheidungsbedarf. Geklärt werden muss unter anderem etwa die Frage der Rechtsnachfolge, aber auch eine Bewertung der Vermögen, die jede Gemeinde in die neue Gemeinde einbringt. Es gibt arme und reiche Kirchengemeinden, St. Marien zum Beispiel ist Träger des katholischen Kindergartens, hat aber auch mit dem Pfarrzentrum am Oberwallweg eine stattliche Immobilie und mit der Kirche St. Marien mit ihren weit über 300 Plätzen die größte Kirche der vier Kirchengemeinden. Eine Frage, die sicherlich die Gemüter bewegt, ist die, wo der Sitz der Kirchengemeinde und damit der einzig verbleibende Pfarrer angesiedelt ist. Dort, wo die größte Kirche und die meisten Gläubigen zuhause sind, also in Bückeburg? Oder zentraler in Obernkirchen, von wo auch das entfernte Auetal noch in relaitv kurzer Anfahrzeit zu erreichen ist? Dort ist allerdings die Kirche mit ihren rund 170 Plätzen wohl deutlich zu klein für die neue große Kirchengemeinde. Und, eine weitere Frage: Wie wird die neue Pfarrgemeinde heißen? Um Vorgaben des Bistums erfüllen zu können - es muss gespart werden, wo immer möglich - hat sich der Lenkungsausschuss auch mit der Frage zu beschäftigen, ob alle Immobilien der Gemeinden benötigt werden und welche verkauft werden können. Pfarrer Ziemens schloss nicht aus, dass selbst Kirchen verkauft werden könnten. "Ja, darüber müssen wir uns Gedanken machen". Warum eine Kirche behalten, die kaum noch genutzt werde?, fragte er. Jede Immobilie verschlinge mehrere tausend Euro Unterhaltungs- und Reparaturkosten im Jahr. "Wir müssen vielleicht erleben, dass St. Johannes Bad Eilsen verkauft wird." Zumal nach der Zusammenlegung klar ist, dass nur noch ein Pfarrer die 6500 Gläubigen seelsorgerisch betreuen wird - die zweite Stelle Pfarrerstelle wird ersatzlos gestrichen. Sonntägliche Gottesdienste in allen vier Gemeinden sind zeitlich nicht zu schaffen. Gläubige müssen sich also darauf einstellen, künftig zu Gottesdiensten in die Nachbarkommune zu fahren. Im Zeitalter des Autos allerdings auch kaum noch ein Problem, so Ziemens. 20 Altenheime auf dem Gemeindegebiet zu betreuen, sei ebenfalls kaum machbar und selbst mit der Terminierung von Beerdigungen oder Trauer- und Traugespräche könne es Schwierigkeiten geben. Ziemens hat das bereits am eigenen Leib erfahren, als er seinen Obernkirchener Kollegen vertreten hat und zur Gabe der letzten Ölung an das Bett eines Sterbenden im hintersten Auetal gerufen wurde. Er hat es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Entscheidungen der Lenkungsgruppe müssen auf jeden Fall von der Bistumsleitung sowie dem Pfarrrat und dem Bischofsrat abgesegnet werden. Sicher ist jedenfalls, dass weder Matthias Ziemens noch Norbert Mauerhof Pfarrer der neuen Pfarrgemeinde werden. Das hat die Bistumsleitung bereits entschieden.



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