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Insolvenzverwalter: Viele Gasthäuser bekommen die Kosten nicht in den Griff

Aus nach 121 Jahren: Die Immobilie "Schinkenkruse" soll verkauft werden

Schermbeck (tw). Im 122. Jahr ihres Bestehens ist nun das - endgültige - Aus für die "Schinkenkruse" gekommen: "In absehbarer Zeit wird in dem 1886 gegründeten Schermbecker Landgasthaus kein neuer Geschäftsbetrieb eröffnet werden", berichtet Insolvenzverwalter Matthias Lehmann (Kanzlei Handschuh + Lehmann, Bückeburg). Und ergänzt: "Die Im mobilie soll veräußert werden." Was auch immer ein Käufer dann daraus mache, bleibe ihm überlassen.

veröffentlicht am 05.06.2008 um 00:00 Uhr

Auch wenn es aufgrund der Lage schwer wird: Das Landhaus Schinke

Besagte Entscheidung ist die Konsequenz aus dem jüngsten Prüfungstermin respektive der Gläubigerversammlung, die beide beim Amtsgericht Bückeburg stattgefunden haben. Wie berichtet, war über das Vermögen der Geschäftsführerin und Schuldnerin am 6. März 2008 das Insolvenzverfahren eröffnet worden; zuvor war 2004 bereits die GmbH in Insolvenz gegangen; mangels Masse konnte dieses Verfahren damals allerdings nicht eröffnet werden. Bemühungen, die Schinkenkruse zu veräußern, waren damals fehlgeschlagen. Lehmann zufolge belaufen sich die Gesamtverbindlichkeiten aktuell auf einen "hohen sechsstelligen Betrag". Hauptgläubiger seien diverse Banken. Indes: Der Insolvenzverwalter weiß, dass der Verkauf des Objekts, zu dem ein 45 000 Quadratmeter großes Grundstück gehöre, alles andere als ein Kinderspiel werden wird. Zwar sei der Zustand der Schinkenkruse "dem Alter entsprechend gut", aber: "Ihre Lage am Steinbrink ist alles andere als exponiert", so Lehmann. Das sei zum einen zwar eine Chance, zum anderen leider aber auch ein Fluch. Wie auch immer. Fest steht: "Der Betrieb konnte nicht mehr kostendeckend arbeiten", bedauert der Insolvenzverwalter. Und präzisiert: "Die Woche hat sieben Tage. Wenn an zweien davon eine Menge los ist, dann reicht das am Ende dennoch nicht." Ähnlich hatte sich Mitte März bereits Lehmanns Kollege Olaf Handschuh geäußert: Die Schinkenkruse teile das Problem, das so oder ähnlich viele alteingesessene Gasthäuser in der Region und darüber hinaus hätten und das weiland auch dem "Alten Forsthaus" in Bückeburg zum Verhängnis gewordensei. "Sie kriegen", sagt Handschuh, "ihre Kosten kaum noch in den Griff". Das nämlich gehe in der Regel nur noch über die "Masse" - sprich über das Akquirieren ganzer Busladungen von Gästen. "Und das wiederum", so der Bückeburger Fachanwalt, "ist alles andere als einfach". Zwar hätte die Schinkenkruse laut Lehmann aktuell "vielleicht noch eine Chance gehabt", wenn die Geschäftsführerin massiv ins Marketing investiert hätte - aber dafür habe das Geld schon nicht mehr gereicht. Das Ostergeschäft hatte das Landgasthaus, dass sich schon damals in akuter Notlage befand, noch mitgenommen. Bereits am 14. April war dann gleichwohl Schluss; seitdem ist die Schinkenkruse dicht. Übrigens: Im Internet ist die Schinkenkruse noch immer existent und bittet zu Tisch; die Seite wurde bislang nicht gelöscht. Und weil die Hinweisschilder an Dorfstraße und Barkser Straße nicht überklebt sind, ist das Landgasthaus auch jetzt noch das Ziel von Auswärtigen - die, oben angekommen, dann allerdings vor verschlossenen Türen stehen.

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