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Politik spricht von verpasster Chance - und die Gegner verbuchen Erfolg

Aus für das Feriendorf in Osterwald

Osterwald (hen). Die Nachricht verbreitete sich gestern Vormittag in Windeseile - vor allem in Osterwald: Die niederländische Investorengruppe um Ed Biermans hat sich von ihren Plänen für ein Ferienhaus-Projekt in dem Bergort verabschiedet. Unternehmensberater Klaus Wagner hatte Gemeindebürgermeister Martin Kempe telefonisch mitgeteilt, dass der Standort Osterwald für ein Feriendorf "derzeit nicht weiter verfolgt" werde. In einer von Ed Biermans unterzeichneten Erklärung an die Medien heißt es, die Investorengruppe habe "vorläufig entschieden, unter den derzeitigen Bedingungen von einer Realisierung des Projektes Abstand zu nehmen". Unter den vor Ort gegebenen Voraussetzungen - gemeint ist damit derProtest - sehe man "unkalkulierbare zeitliche aber auch finanzielle Risiken".

veröffentlicht am 11.10.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 20.01.2012 um 13:28 Uhr

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Als Grund für den Rückzug von den Plänen heißt es in der Mitteilung: "Eine kleine Gruppe von direkten Anwohnern des für das Feriendorf vorgesehenen Geländes hatte die Befürchtung, dass sie durch die Urlauber in ihrer Nachbarschaft gestört werden könnten, und das sollte verhindert werden. Hieraus entwickelte sich eine Protestaktion gegen das Feriendorf, die sich zum alleinigen Ziel die Verhinderung dieses Projektes am vorgesehenen Ort gesetzt hat. Da das Nachbarschaftsrecht wohl nicht genug hergibt, hat man den Naturschutz als wohl adäquates Mittel ausgewählt, um das Ferienhausprojekt zu verhindern. Des Weiteren wurde versucht, am Projekt beteiligte Personen zu demontieren und deren Glaubwürdigkeit und Seriosität zu zerstören." In Bürgerversammlungen habe man die Projektplanung "vollständig offen gelegt", um eine "ernsthafte und konstruktive Kommunikation mit der Bevölkerung" zu beginnen. Von vielen Bürgern sei das auch so aufgenommen worden, "allerdings wurde dieser Ansatz von den Projektgegnern durch unsachliches, polemisches Krawallverhalten leider erfolgreich zerstört". Gemeindebürgermeister Martin Kempe zeigte sich enttäuscht über den Rückzug der Investoren - zog die Erklärung allerdings in Zweifel: "Ich glaube die angegebenen Beweggründe zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr bedingt. Ich vermute, dass es noch wesentliche andere Gründe gegeben hat, die ich aber so nicht belegen kann". Während die Politik das Aus für das Feriendorf bedauerte, verbuchten die Gegner die Mitteilung als Erfolg für sich Mit Enttäuschung haben die Salzhemmendorfer Politiker auf die Nachricht vom Rückzug des niederländischen Investors Ed Biermans von den Feriendorf-Plänen reagiert. "Das ist sehr bedauerlich", sagte Osterwalds Ortsbürgermeister Walter Kramer gestern auf Anfrage der Dewezet. Gemeindebürgermeister MartinKempe hatte am Dienstagabend bei anderer Gelegenheit die Fraktionen über die Mitteilung informiert, die er selbst erst kurz zuvor erhalten hatte. Zu der erst gestern Nachmittag erfolgten Erklärung über die Beweggründe der Investoren sagte Kempe - in einem ausdrücklich persönlichen Statement: "Die Gegner haben teilweise mit unsauberen Mitteln gearbeitet. Dennoch glaube ich nicht, dass der Protest zu der Entscheidung der Niederländer geführt hat." Zugleich zeigte er sich "nach den vielen Vorarbeiten" enttäuscht, "dass wir nicht einen Weg beschritten haben, der zu einem gemeinsamen Erfolg hätte führen können". Auch Kramer zeigte sich irritiertüber die offizielle Begründung von Biermans. Denn der habe schließlich bereits bei der Bürgerversammlung deutlichen Gegenwind gespürt und sich nicht beeindrucken lassen. "Da muss es einen Sinneswandel gegeben haben", so Kramer. Auch wenn der Ortsbürgermeister - wie viele seiner Politikerkollegen - meint, es sei eine "große Chance vertan": Er hegt keinen Groll gegen die Bürgerinitiative. Es sei durchaus legitim, gegen derartige Pläne zu sein. Es gelte nun, wieder zusammenzurücken - "immerhin hat die ganze Aktion gezeigt, dass man auch etwas auf die Beine stellen kann". Matthias Wagner, Sprecher der Interessengemeinschaft gegen das Feriendorf, machte aus seiner Freudeüber die Nachricht vom Rückzug Biermans keinen Hehl und verbucht ihn als Erfolg, den man durch gezielte Aktionen erreicht habe. Die Schilder, die von der Interessengemeinschaft "Kontra Feriendorf in Osterwald" überall im Ort zu sehen sind, sollen trotzdem erst einmal hängen bleiben - "bis wir genaue Informationen haben", so Wagner. Nach dem angekündigten Aus für das Projekt werde auch keine Party gefeiert - "wir sind vorsichtig. Zunächst einmal ist das Projekt ja nur auf Eis gelegt". Biermans-Sprecher Klaus Wagner sagte gestern zur Dewezet, die Tür sei definitiv nicht zugemacht, es sei nur "vorläufig alles gestoppt". In der Biermans-Erklärung ist davon allerdings keine Rede. Wagner spricht von acht anderen Standorten, die in Betracht kommen würden. Wagner sagte, es müsste schon eine klare Meinung aus der Bevölkerung Osterwalds kommen, die für das Projekt sei. Dass es noch eine Möglichkeit für das Feriendorf gibt, glaubt Jobst von Wendorff unterdessen nicht. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende ist enttäuscht und spricht wie der Grünen-Chef Helmut Schmiedekind von einer Riesenchance, die vertan worden sei. Er habe immer vermutet, dass die Investoren weitere Standorte in der Hinterhand gehabt haben, und sich letztlich für ein Projekt entscheiden, bei dem sie "schneller und problemloser durchkommen". Von Wendorff glaubt nicht, dass der Widerstand für den Rückzug ausschlaggebend war. Schmiedekind wiederum hält es für möglich, dass der "massive Gegenwind eine Rolle gespielt hat" und bedauert, dass die Pläne "so pauschal abgelehnt wurden". Biermans sagt in seiner Presseerklärung, die Aktivitäten der Protestgruppe "basieren zumindest zum Teil auf Hypothesen und Vermutungen", und veröffentlichte Fakten seien vermutlich bewusst ignoriert oder verfälscht worden. Weiter: "Sowohl mündlich als auch schriftlich wurde angekündigt, alles, was geeignet erscheint, zu nutzen, um das Projekt zu verhindern und wenn auch immer möglich zu stören." Abschließend heißt es in der Erklärung der Niederländer: "Es ist bedauerlich, dass die Befürchtungen einiger direkter Anwohner vor Beeinträchtigungen durch ein Feriendorf nun mit Hilfe aller möglichen Mittel, allem voran dem Naturschutz, genutzt werden, um seriöse Projektplanungen zu stören und zu verhindern." Während Gudrun und Wolfgang Gniesmer, Anwohner der Heidestraße und erklärte Gegner des Projektes, sich gestern freuten, war Lutz Jaenicke, Vorsitzender des Vereins für Dorfentwicklung und Fremdenverkehr, enttäuscht - "auch menschlich".



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