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Weil zwei Kinder im Schnee erfroren, gibt es alljährlich den Neujahrsstuten von der Gemeinde als Geschenk

Aus der Not entstanden – jetzt eine lebendige Tradition

Coppenbrügge/Brünnighausen (sto). Das Glockengeläut der St. Nicolai-Kirche am Silvestermorgen ist für die Coppenbrügger Kinder wie ein Wecker, der sie zum Aufstehen mahnt und an eine „freiwillige Pflicht“ erinnert, die da heißt, raus aus den Federn und schleunigst zum Rathaus, um ein leckeres Frühstücksbrot abzuholen. Dieser traditionelle „Neujahrsstuten“ wird alljährlich am letzten Tag des Jahres von der Gemeinde kostenlos an alle Kinder aus Coppenbrügge und aus Brünnighausen verteilt. Diesmal waren die Brote in der neuen Landbäckerei von Coppenbrügge, der ehemaligen Bäckerei Stiller, gebacken worden.

veröffentlicht am 01.01.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.01.2010 um 16:25 Uhr

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Coppenbrügge/Brünnighausen (sto). Das Glockengeläut der St. Nicolai-Kirche am Silvestermorgen ist für die Coppenbrügger Kinder wie ein Wecker, der sie zum Aufstehen mahnt und an eine „freiwillige Pflicht“ erinnert, die da heißt, raus aus den Federn und schleunigst zum Rathaus, um ein leckeres Frühstücksbrot abzuholen. Dieser traditionelle „Neujahrsstuten“ wird alljährlich am letzten Tag des Jahres von der Gemeinde kostenlos an alle Kinder aus Coppenbrügge und aus Brünnighausen verteilt. Diesmal waren die Brote in der neuen Landbäckerei von Coppenbrügge, der ehemaligen Bäckerei Stiller, gebacken worden. Eine Art Premiere für Jörg Friedrichs, der den Betrieb erst seit vier Monaten führt. „Ich finde, es ist ein sehr schöner Brauch, der hier praktiziert wird. Ähnliches habe ich bisher noch nicht erlebt“, so der aus Hannover stammende Bäckermeister. Da er derzeit keine Gesellen beschäftigt, freute er sich, dass Sohn Niklas (12) ihm am Silvestermorgen beim Backen der etwa 400 Stuten assistierte.

Auch diesmal waren die Brote unterteilt in „herzhafte Coppenbrügger“ und „süße Brünnighäuser“. Diese Rezeptabwandlung mit einer leichten Süße für die Kinder von Brünnighausen hatte Henner Meywerk, ehemaliger Bäckermeister aus Brünnighausen, vor vielen Jahren eingeführt. Jeder Bäckermeister verändert das Rezept nach eigenem Gusto ein wenig. „Ich habe beispielsweise den Teig mit Butter geschmacklich abgerundet“, verrät Friedrichs. Die genaue Rezeptur für die Stuten möchte er nicht verraten, basiere sie doch auf einer alten Überlieferung seiner Zunftkollegen. „Die Stuten sind seit langem eine Tradition, und das sollen sie auch bleiben“, betont der Bäcker. Nur soviel sei verraten – für die Basisrezeptur werde ein ganz normaler Weißbrotteig aus Hefe verarbeitet, wie er in jedem Backbuch zu finden sei. Ein Tipp vom Bäckermeister: Den Vorteig mit einer Portion Zucker abrunden, ein erstklassiges Mehl verwenden und dem Teig viel Zeit zum Ruhen geben. „Hektik ist auch für einen Hefeteig ungesund.“

Im Rathaus Coppenbrügge verlief das Verteilen der leckeren Weißbrote nach derselben Prozedur wie bereits in den vergangenen Jahren – das heißt, Ludwig Appel war wie immer auf „Silvester-Posten“. „Heute zum 54. Mal“, freute sich der ehemalige Verwaltungsangestellte. Und Gemeindebürgermeister Hans-Ulrich Peschka und Ortsbürgermeisterin Karin Dröge assistierten.

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Manche Kinder konnten es kaum erwarten und frühstückten gleich vor Ort. „Lecker!“ urteilte Jonas (6), schob keck seinen Hut in den Nacken und ließ sich die Silvestergabe im Coppenbrügger Rathaus genüsslich schmecken. Auch im Dorfgemeinschaftshaus Brünnighausen verführten die frisch gebackenen Stuten, die verteilt wurden unter der Leitung von Gerald Mehrtens, zum sofortigen Anknabbern. Bereits einige Tage vor Silvester waren Coppenbrügges Marktbeschicker mit Stuten beschenkt worden.

Das Verteilen ist ein alter Brauch, der zurückgeht auf eine Hungersnot anno 1558/1559. Zwei Kinder aus Brünnighausen, die von ihren Eltern am Silvestermorgen mit der Bitte um Brot zur Gräfin Ursula zu Spiegelberg geschickt worden waren, erfroren im Schnee. „Gräfin Ursula, von der Not tief betroffen, ließ die Menschen wieder hoffen, sie verteilte Weizen, ließ backen Brot und linderte so die Hungersnot“, heißt es in einem Gedicht der Brünnighäuser Lehrerin Ilse Hüggelmeyer aus dem Jahr 1968.

Bäckermeister Jörg Friedrichs holt die Stuten aus dem Ofen

Die Kinder in Brünnighausen bekommen einen süßen Stuten: Gerald Mehrtens

verteilt sie im Dorfgemeinschaftshaus (Foto links).

Jonas (6) und Josepha (4) lassen sich im Rathaus Coppenbrügge die Stuten schmecken.

Fotos: sto



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