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Der Bückeburger Hermann Kempf macht als "Power Seller" von sich reden / 300 E-Mails pro Tag

Aus dem Keller mit Vollgas auf die Erfolgsspur

Bückeburg (bus). Ein junger Bückeburger führt der staunenden Konkurrenz derzeit vor Augen, wie man heutzutage via Internet aus kleinsten Anfängen in eine recht ersprießliche Erfolgsspur finden kann. "Zu Beginn standen mir vor Jahresfrist alles in allem etwa 4000 Euro zur Verfügung", erinnert sich Hermann Kempf. Zwölf Monate später klingeln in der Kasse des 23-Jährigen rund 50 000 Euro - pro Monat.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 13:36 Uhr

Angebote von "Power Seller" Kempf im Internet (Ausschnitt).

"Das Geschäft läuft gut", kleidet Kempf seine Leistung in recht bescheidene Worte. Dabei hat das, was in einem 15 Quadratmeter messenden Keller seinen Anfang nahm, mittlerweile weltumspannende Dimensionen erreicht. Der im kasachischen Alma-Ata geborene Bückeburger handelt unter dem Firmennamen "heke-Vertrieb" überwiegend mit Elektro-Saiteninstrumenten, zumeist Sonderanfertigungen von Bässen und Gitarren mit dem Designerlogo "HK". Wobei das Kürzel ausweist, dass Kempf nicht nur als Händler sondern auch als Ideengeber tätig ist. "Eigentlich wollte ich Musik studieren und Berufsmusiker werden", erhellt der Absolvent des Adolfinums den Hintergrund. Aus Vernunftsgründen habe er sich dann für Wirtschaftswissenschaft eingeschrieben und sei nach vier Semestern zu den Politikwissenschaftlern gewechselt. Das Studium läuft gegenwärtig ein wenig auf Sparflamme. "Etwa 30 Prozent meiner Zeit gehen fürs Studieren drauf", erklärt Kempf. Den Rest seiner Zwölf-bis-14-Stunden-Tage - gearbeitet wird von montags bis sonntags - füllen Geschäftsreisen aus. Soll heißen: Der Businessmann ist im Internet rund um die Welt unterwegs. Einen Fixpunkt bildet dabei die Händlerplattform "Ebay", wo der "Power Seller" ständig mehrere Dutzend Angebote feilbietet. "Gute Ware, sehr zu empfehlen", "schneller Versand, alles super gelaufen" und "alles bestens" ist dort über den Bückeburger zu lesen. 99,4 Prozent von weit mehr als 2000 Beurteilungen stehen auf dem Positiv-Konto. Der "Ebay"-Anteil (aktuell etwa 75 Prozent) geht unterdessen kontinuierlich zurück. "Logischerweise", wie Kempf aufklärt, mit der Zahl der Abschlüsse wachse parallel die Zahl der persönlichen Kontakte, die ohnehin eine sehr wichtige Rolle spielten. Kontakte, Fachwissen, Kundenservice und absolute Kulanz bildeten die Grundlage erfolgreichen Handelns, betont der Kaufmann. Und natürlich Marktbeobachtung: Jüngst ist Kempf das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei Billardtischen aufgefallen. Und - schwups - wechselten innerhalb von acht Wochen 150 Exemplare über die Handelsdrehscheibe Bückeburg den Besitzer. Bei den Saiteninstrumenten rechnet der "heke-Vertrieb", der derzeit zwei, demnächst wohl drei Mitarbeiter beschäftigt, in Paketgrößen von 500 Stück. Da nimmt der tägliche E-Mail-Eingang von rund 300 Nachrichten nicht wunder. Erstaunlich ist allerdings, dass der Inhaber angesichts der Vollbeschäftigung noch Zeit für lokalpolitische Verpflichtungen findet. Kempf trat mit 19 Jahren der CDU bei und sitzt seit der zurückliegenden Kommunalwahl im Rat der Stadt. "Man kann nur etwas gestalten und etwas erreichen, wenn man sich engagiert", bleibt der Ratsherr eine Antwort nicht schuldig. Immer nur meckern bringe niemanden weiter. Über das, was ihn, der mit 16 im Supermarkt gejobbt und mit 18 Pizza-Taxi gefahren hat, persönlich weiter bringt, zeichnen sich bereits relativ konkrete Projekte ab. "Regenerative Energien wie Windkraft und Fotovoltaik", gibt Kempf, der sich als "absoluter Optimist" bezeichnet, zu verstehen, böten sicherlich interessante Perspektiven.

Hermann Kempf wickelt von seinem in Bückeburg stehenden Schreibt
  • Hermann Kempf wickelt von seinem in Bückeburg stehenden Schreibtisch aus weltweite Geschäfte ab. Fotos: bus
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