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Heimatforscher Kölling

Aufarbeitung ist notwendig

Zu: „Krankes Geschichtsverständnis“, vom 7. November
Mit Erschrecken muss man feststellen, dass es über 70 Jahre gedauert hat, um bekannt zu machen, dass  Friedrich Kölling, der bekannte Heimatforscher der Stadt, in der Nazizeit eine üble Rolle gespielt hat, was die dokumentierten Aussagen konkret belegen.

veröffentlicht am 05.12.2019 um 23:07 Uhr

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In die „Nazi-Ecke“ hat er sich also selbst gestellt. Dass er keiner Fliege etwas zuleide getan habe, so einfach dürfen wir es uns nicht machen – ohne diese Schreibtischtäter wären die jüdischen Oldendorfer wohl nicht im KZ umgekommen, nachdem sie viele Jahre friedlich mit ihren christlichen Nachbarn zusammengelebt haben. Gerade am 9. November können wir nachlesen, dass es auch dort 1938 Ausschreitungen gegen die jüdischen Mitbürger gab.  Sowohl in den Büchern von Bernd Stegemann, als auch bei Friedrich Kölling kommt das Tausendjährige Reich so gut wie nicht vor. So ist die Aufarbeitung von Erik Hoffmann über diese Zeit nach so vielen Jahren absolut kein „falsches Geschichtsverständnis“ und ist nicht „dem Zeitgeist geschuldet“, sondern mehr als notwendig. In keinem Falle wird Hessisch Oldendorf durch diese Dokumentation „beschmutzt“. Wir sollten endlich froh sein, dass diese Zeit sachlich aufgearbeitet wird. Das haben unsere Eltern – meistens selbst involviert – nicht getan, denn sonst hätte es weder eine Ehrenbürgerschaft noch eine nach Kölling benannte Straße gegeben. Ich bin in Hessisch Oldendorf aufgewachsen, mein Vater war dort in den 1950er Jahren Bürgermeister. Ein Erinnern an die jüdischen Bürger, in welcher Form auch immer, wird es angesichts der aufgeheizten Atmosphäre wohl nicht geben. Erschreckend aber ist, dass man das Gefühl hat, als wäre nach so vielen Jahren die Aussage B. Brechts „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“  weiterhin gültig.



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