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"Zu viele sind erst spät aufgewacht": Die Stadt erinnert an die Opfer der beiden Weltkriege

Auf Unmenschlichkeit und Ausgrenzung sehen

Obernkirchen (rnk). Konkrete Namen würden an diesem Gedenkstein am Ehrenmal stehen, erklärt Regina Doppke gestern Vormittag bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag. Namen, zu denen Gesichter gehören würden: ein Vater, ein Bruder, ein Sohn, mit dem man das Leben geteilt habe, bevor die Beziehung durch den Krieg abgebrochen worden sei. Am Geschehen der Vergangenheit könne man nichts mehr ändern, aber die Wahrnehmung und die Beantwortung der Fragen an die junge Generation helfe heute, in dieser Gegenwart zu leben und kritisch dorthin zu sehen, wo sich Unmenschlichkeit und Ausgrenzung von Menschen einschleichen wollen.

veröffentlicht am 17.11.2008 um 00:00 Uhr

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Regina Doppke, Gemeindereferentin der katholischen Kirche St. Marien in Bückeburg, zu der St. Josef in Obernkirchen als sogenannte Filialkirche gehört, rief dazu auf, wach und kritisch zu bleiben, "damit die guten Talente, wie wir erhalten haben, nicht missbraucht werden, um Fanatismus und Ehrlosigkeit vor dem Leben zu schüren." Denn Fanatismus sei immer ein Zeichen verdrängten Zweifels: "Alle Dinge haben zwei Seiten, aber der Fanatismus sieht nur die eine Seite." Fast ein ganzes Volk habe sich vom Fanatismus Hitlers anstecken lassen. Menschen seien in einen "Strudel, in einen Sog" geraten. Sicher habe es Widerstand im Kleinen wie im Großen gegeben, aber "zu viele sind erst spät aufgewacht und haben mit Schrecken das unermessliche Leid auf vielen Seiten sehen müssen und den Verlust von Heimat erfahren." Heute sei es wichtig, immer wieder Schritte der Versöhnung zu gehen, den Glauben an das Gute im Menschen zu stärken und den Schmerz von nicht überwundenem Verlust zuzulassen. Wer Hass sähe, so wie Hitler, werde auch Hass ernten. "Wer aber Frieden säht und Versöhnung, der erntet Frieden und Versöhnung." So gebe es trotz rechter Gewalt die Überzahl im Lande, die sich nach Frieden sehen und etwas dafür tun würden. "Die Freiheit ist ein hohes Gut", betonte Regina Doppke: "Arbeiten und sichern wir für den Frieden in unserer Familien, in unserer Stadt und in unserem Land."



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