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Routine-Tour durch den Marktkauf mit Lebensmittel-Experten des Landkreises

Auf Pirsch zwischen Wurst und Käse: Kontrolleure bei ihrer täglichen Arbeit

Rinteln. Sein erster Blick geht direkt zur Wurst. "Die liegt außerhalb der Kühlung, da werde ich sofort aufmerksam", sagt Willi Ehlerding, während er zielstrebig durch die Gänge des Marktkauf-Supermarkts an der Konrad-Adenauer-Allee schreitet. Der zweite Blick beruhigt ihn sofort: "Salami, eingeschweißt, alles in Ordnung." Weiter geht es, an Gemüse und Milchprodukten vorbei, bis zur Warenannahme ganz hinten. Der Lebensmittelkontrolleur und die Tierärztin Dr. Iris Heinrich, Leiterin des Sachgebiets Lebensmittel-/Fleischhygiene beim Landkreis, sind zu einem routinemäßigen Kontrollgang hier.

veröffentlicht am 11.10.2006 um 00:00 Uhr

...und immer schön in die Knie: Willi Ehlerding guckt im Käse-Kü

Autor:

Christiane Riewerts

"Das ist ja schön, kommen Sie rein!" Fröhlich und so ganz ohne sichtbare Nervosität begrüßt Abteilungsleiter Holger Ackmann die Kontrolleure. Auch in Zeiten sich häufender Gammelfleisch-Skandale scheint die unangemeldete Kontrolle den Fleischermeister nicht ins Schwitzen zu bringen. "Das kennen wir doch alles." Denn bei Marktkauf fängt die Hygiene schon vor Arbeitsbeginn an. "Die Spinde getrennt nach Arbeits- und Straßenkleidung, die Flächen abgeschrägt, damit sich kein Dreck drauf sammeln kann - so ist es richtig!", lobt Dr. Iris Heinrich die Umkleideräume. Hier bereiten sich auch die Kontrolleure auf ihre Arbeit vor: Ohne Häubchen, Kittel und Überzieher für die Schuhe wird niemand in den sensiblen Bereich vorgelassen. Und dann fängt die Arbeit von Willi Ehlerding an. Das Waschbecken - "Desinfektion und Waschlotion aufgefüllt, berührungsfreie Funktion" - ist sein Orientierungspunkt. Von hier aus startet er in jedem Raum; Wände, Decke, Boden, einmal gegen den Uhrzeigersinn. "Die Wände sind abwaschbar, sauber, offene Bohrlöcher gibt es nicht", führt er mündlich Protokoll. Dann findet er doch was: Ein winziger Fleischpartikel klebt über Kopfhöhe an der Wand, er ist noch frisch. Kein Problem für Ehlerding: "Hier wird gearbeitet, so etwas lässt sich nicht vermeiden." Und los geht's mit der Morgengymnastik: Immer wieder geht der Kontrolleur in die Knie, unter jedes Regal, jeden Tisch, jeden Rollwagen schaut er, hinter jede Tür. Immer achtet er darauf, dass kein Behältnis direkt auf dem Boden steht: "Das wird sonst in der Hektik schnell mal irgendwo draufgestellt, da lauern eine ganze Menge Keime." An einem Abfluss schimmert eine Flüssigkeit am Boden, Senfkörner sind zu erkennen. "Sauerbraten-Lake", erklärt Ackmann. "Frisch von heute Morgen." Ehlerding nickt und ist zufrieden. Nächste Station sind Verpackungsraum, Materiallager, Spülraum ("hier kann man schon mal tolerieren, wenn Besen offen an der Wand hängen") und Gewürzraum. "Was haben wir denn hier: Haltbar bis 3. Mai...", guckt Ehlerding erst ganz kritisch - und lacht dann: "Aber Mai 2007." Abteilungsleiter Ackmann können solche Scherze nicht aus der Ruhe bringen: "Ich kenne doch meine Bestände." Dann geht es ins Kühlhaus mit den SB-Waren. "Die Dichtung ist in Ordnung", beginnt Ehlerding an der Tür. Das Wichtigste ist die Temperatur. Sieben Grad darf das Thermometer höchstens anzeigen. "Gucken Sie mal drauf", fordert Ehlerding den Abteilungsleiter auf. "Zwei Grad", sagt der. Ehlerdings glaubt's ihm - und kontrolliert das Thermometer später selber noch mal. Anlass zur leisen Kritik bieten die Retouren, Lebensmittel kurz vor dem Ablaufdatum, die bereits aus den Regalen genommen worden sind. In einem Einkaufswagen lagern sie direkt neben dem Zwischenlager, das gefällt dem Lebensmittel-Experten trotz des schwarzen Kreuzes auf jeder Packung nicht: "Trennen Sie dies künftig besser", bittet er die Marktkauf-Leute. Perfekt zufrieden ist er hingegen mit dem Fleisch-Kühlhaus, von Gammelfleisch keine Spur. Im Gegenteil: Einwandfrei beweise jeder Lieferschein die Herkunft; Lagerung und Temperatur seien ebenso vorbildlich. "Wo kriminelle Energie ist, können wir das nic ht verhindern", sagt Ehlerding zur Gammelfleisch-Problematik. "Aber solche Betriebe sehen anders aus." Ein Eindruck, der sich im Produktionsraum bestätigt, nachdem Ehlerding den riesigen Fleischwolf inspiziert hat. "Der ist nicht nur ausnahmsweise mal sauber, sondern immer", stellt er hier ebenso fest wie an der Knochensäge. Vorsichtig streift er mit dem Finger über die Rückstände, die sich sofort lösen. Ehlerding ist zufrieden. "Alles frisch." Ihren Kontrollgang schließen Ehlerding und Heinrich nach knapp zwei Stunden im Verkaufsraum ab. Während auf der anderen Seite die Marktkauf-Kunden Leberwurst und Höhlenkäse ordern, stoßen sie hier auf die einzige Sache, die sie im Protokoll beanstanden werden: Das Verschweißgerät in der Käseabteilung weist stellenweise Rostansatz auf, sollte umgehend ausgetauscht werden. Ganz im Sinne des Abteilungsleiters: "Ich habe schon ein neues beantragt." "Ordentlich, sauber, hygienisch", zieht Ehlerding nach seiner Visite ein zufriedenes Fazit. "Es ist sehr schön, wenn das alles so läuft."

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