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Am Olymp herrscht Aufbruchstimmung: Neue Trasse erschließt eine bisher abgeschnittene Region

Auf neuen Pfaden durch Nordgriechenland

Aus der Froschperspektive wirkten die beiden Dreitausender-Gipfel tatsächlich wie die Armlehnen eines riesigen Götterthrones. Zu dem konnten die Menschen nur ehrfurchtsvoll aufblicken. Nicht jedoch ohne das schmerzliche Bewusstsein, dass man denen dort droben das Feuer erst mit List entwenden musste, um sich hier unten zu ihren Füßen auskömmlich einzurichten. Und selbst dann war das launenhafte Leben immer noch schwierig genug.

veröffentlicht am 19.05.2011 um 15:03 Uhr

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Diese Beschwerlichkeit hielt an bis weit hinein in die Neuzeit. Denn stets bedurfte es erheblicher Kraftanstrengungen, um die Distanzen in dem malerischen, aber unwegsamen Gelände zu überwinden.

Damit hat es nun ein Ende. Denn ein nagelneues Asphaltband, getragen von 1500 Brücken und eingebettet in 90 Tunnel, verbindet neuerdings Ost und West, Küste mit Küste. Mitten durch das Pindos-Gebirge, das früher als schneebedeckte Barriere das nordgriechische Hinterland von der Außenwelt abriegelte.

Diese gewaltige Strukturverbesserung kommt allen Europäern zugute. Den krisengeschüttelten Griechen, die nun in ihrer nördlichen Region so etwas wie eine Aufbruchstimmung verspüren. Und den Resteuropäern, die nach ihren griechischen Lieblingslandschaften Ägäis und Peloponnes schon im Begriff sind, hier eine neue Erlebnis-Lücke zu schließen.

Einst griechischer Soldat, heute im Kloster: Pater Gabriel vor der Klosterkirche von Mavriotissa in Kastoria.

Eine der größten Kostbarkeiten entlang des 500 Kilometer langen Asphaltbandes sind zweifellos die Meteora-Klöster. Ihre Attraktivität verdanken sie mächtigen Formationen aus Sedimentgestein, die sich wie überdimensionale Säulen in den blauen Himmel recken. An ihrer Spitze sprießen wie verspielte, korinthische Kapitelle die christlichen Klosteranlagen hervor.

In früheren Zeiten musste man schwere Lasten, Menschen wie Gebrauchsgüter, in Netzen oder Drahtkörben an langen Seilen hinaufwinden. Doch längst hat die Technik auch im Klosterleben Einzug gehalten. So weiß es Novizin Tanja zu berichten, die sich im 500 Jahre alten Nonnenkloster „Russano“ auf ihre Weihe vorbereitet. Computer und Mobiltelefon beherrscht sie aus dem Effeff. Doch ist es wie in alten Zeiten das „spirituell erfüllte Leben in der Klostereinsamkeit“, das sie und ihre zehn Mitschwestern hier oben hält. Die dafür erforderliche Ruhe stellt sich allerdings erst ab dem späten Nachmittag ein, wenn keine Besucherströme ihre Aufmerksamkeit beanspruchen.

Ein weiterer Besuchshöhepunkt ist das idyllisch in der Nordwestecke des Landes gelegene Städtchen Kastoria. Schmucke Herrenhäuser, erbaut im makedonischen Stil, säumen das Ufer des Kastoria-Sees und verweisen mit ihrem großzügigen Äußeren auf den Wohlstand, der noch heute mit der Pelzverarbeitung an diesem Ort erwirtschaftet wird. Davon zeugen nicht zuletzt die schmucken Kirchen im Basilika-Stil, mit denen die Stadt geradezu übersät ist.

Wunderschön: die etwas abseits am See gelegene Klosterkirche von Mavriotissa, in der der knorrig wirkende Pater Gabriel die alten Wandmalereien ausführlich erklärt. Als ehemaliger griechischer Soldat während der türkischen Besetzung Zyperns kam er mit Frau und Kindern vor 35 Jahren hierher, um sich in den Dienst der „Schwarzen Madonna“ zu stellen, einer Ikone, der in der ganzen Region große Verehrung zuteil wird. Auch für ihn bietet sie eine seelische Heimat.

Das Museum aller Museen in der Region jedoch sind die makedonischen Königsgräber in Vergina unweit der Regionalhauptstadt Thessaloniki. Erst vor gut drei Jahrzehnten zufällig unter einem künstlich aufgeschütteten Grabhügel entdeckt, schafften sie den Sprung hinein in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes. Da niemand die wahre Begräbnisstelle Alexanders des Großen kennt, richtet sich das Hauptaugenmerk auf das Grab seines Vaters Philipps II. Er fiel damals einem Mordanschlag zum Opfer. Allein der zart gearbeitete, goldene Eichenkranz mit 313 Blättern und 68 Eicheln gilt in seiner überwältigenden Pracht als eines der wertvollsten Fundstücke der Antike.

Zurück in Thessaloniki, wartet die Stadt auf mit einladenden Cafés und Restaurants, wie der „Kitchenbar“ im alten Hafenbereich mit ihrer deftigen griechischen Küche. Wie zufällig gleitet der Blick vorbei an der langgezogenen Uferpromenade und fällt auf den „Weißen Turm“. Er ist das Wahrzeichen der Stadt. Dahinter jedoch bleibt er haften am Reiterstandbild Alexanders des Großen, das an dessen Heldentaten in Asien erinnert.

Vieles mehr gibt es zu entdecken zwischen Akropolis und Aristotelesplatz, zwischen Demetrius-Kirche und Galerius-Bogen. Hier offenbart sich eine historische und zugleich jung gebliebene Stadt, für die man sich beim Eintauchen in das Altstadtleben schnell begeistern kann. Ein ideales Eingangstor zu den neuen Pfaden in Nordgriechenland am Fuße des Olymps.

Mehr Informationen gibt es im Internet: www.thessaloniki.travel, www.fti.de.



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