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Dorfgemeinschaften: Welseder, Haddesser und Heßlinger erzählen vom Miteinander auf dem Lande

Auf ihr Dorf lassen sie nichts kommen

Haddessen/Heßlingen/Welsede (ah). Leben auf dem Lande – das hat für die einen die gleiche Bedeutung wie „weitab vom Schuss“. Für andere beinhaltet es einfach: Zurück zur Natur, in Ruhe schlafen, den Nachbarn kennen. Und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. So wie die Theatergruppe der Dorfgemeinschaft Haddessen, die derzeit für ihr neues Stück „Suppenhenne sucht Traummann“ probt.

veröffentlicht am 14.10.2009 um 15:28 Uhr
aktualisiert am 13.01.2010 um 11:12 Uhr

Gundula Langdarm (Elisabeth Sievers) umarmt leidenschaftlich Kar

Regelmäßig treffen sich die zehn Mitwirkenden in ihrer Freizeit, um das kulturelle Leben der dörflichen Gemeinschaft zu bereichern. Sie alle lassen nichts auf ihr Dorf kommen, wollen dort alt werden. „Ich habe in der Hamelner Stadtmitte gewohnt – kein Vergleich zum Leben in Haddessen“, sagt Christiane Jahn. Martina Drews setzt noch einen drauf: „Wir sind von München nach Haddessen zurückgezogen!“ Um Nähe geht es auch Silke Wollnik, Vorsitzende der Dorfgemeinschaft. „Bei uns kennt jeder jeden, da geht alles viel persönlicher zu.“ Die Hauptstadt Berlin findet sie zu anonym. „Was viele von außen als Dorftratsch bezeichnen, ist gegenseitige Anteilnahme – die macht das Leben auf dem Lande für uns so kostbar“, beschreibt es Elisabeth Sievers. Die große Hilfsbereitschaft im Dorf, die Möglichkeit, Kinder auf der Straße spielen zu lassen und ihren herrlichen Ausblick wissen die Haddesser zu schätzen.

Ein Nachteil am Dorfleben sei die schlechte Verkehrsanbindung. Gerade für Ältere oder Jugendliche seien Fahrdienste gefragt, erklärt Ralf Scharff. Zudem gibt es keine Geschäfte, Ärzte, Apotheken oder Schulen vor Ort, lediglich Kindergarten, Friedhof, den Bäckerwagen und das Süntelbad – „unser Treffpunkt für Jung und Alt“. Für attraktive Freizeitangebote sorgen Vereine wie DLRG, Feuerwehr, Tanzgruppe oder Jagdgenossenschaft, auch eine Boulebahn gibt es seit neuestem. „Allerdings haben wir nicht einmal einen Bolzplatz, geschweige denn ein Dorfgemeinschaftshaus“, beklagen die Mitglieder. Dabei wüssten sie einen geeigneten Standort für den Bolzplatz am Dorfausgang und wären bereit, beim Bau eines Dorfgemeinschaftshauses kräftig mit anzupacken. Schließlich ist fast die Hälfte der rund 350 Einwohner Haddessens in der Dorfgemeinschaft vertreten. Jugendtreff, Seniorenfrühstück, Grillabend, Erntefest, Laternenumzug, Tannenbaum schmücken, Osterfeuer und natürlich die Theateraufführungen führen die Bewohner zusammen. „Neue Einwohner werden von uns angesprochen und persönlich zu Veranstaltungen eingeladen“, fügt Marion Scharff hinzu.

Eine ebenfalls lebendige Dorfgemeinschaft haben die Heßlinger. 1977 wurde der erste Dorfverschönerungsverein im Sonnental gegündet, in dem alle Vorsitzenden der örtlichen Vereine vertreten waren. Walter Stock, langjähriger Vorsitzender und Gründungsmitglied, erinnert sich, wie sich die Mitglieder für den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ um die Pflege der Grünanlagen kümmerten. Von Spenden, aber auch vom Preisgeld, das errungen wurde, konnten in Eigenleistung ein Brunnen und die erste Grillhütte Hessisch Oldendorfs gebaut werden. In den 80er Jahren folgte das Mühlenhaus mit Mühlrad und in den 90er Jahren das Sportheim neben der Grundschule. Grillhütte und Sportheim sind für die Bewohner zu Orten der Begegnung und Geselligkeit geworden. „Wir haben zwar keine Geschäfte und Gaststätten mehr“, so Stock, „doch solange es Schule, Kindergarten und das aktive Leben in den Vereinen gibt, ist Heßlingen absolut attraktiv – gerade auch für junge Familien.“

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Dorfkino fördert die Geselligkeit

„Die optimale Pflege macht Welsede erlebenswert“, sagt Sven Sattler, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, die seit Juli 2008 ein eingetragener Verein ist. Gegründet wurde er von der Dorfgemeinschaft vor über 30 Jahren, um die Welseder Vereinsvorstände zu entlasten. In Wahrung alter Tradition hat der Verein den Grünpflegedienst wieder eingeführt, außerdem eine Dorfchronik erstellt. Aber auch Geselligkeit ist dem Vorstand wichtig: ob in Form des neu eingerichteten Dorfkinos oder beim Aufstellen und Schmücken von Weihnachts- und Ostereierbaum. Die Mitglieder können Pavillons, Bierzeltgarnituren oder Lichterketten ausleihen. Das vom Verein organisierte bunte Straßenfest im Juni hat eindrücklich die Verbundenheit von Jung und Alt in Welsede gezeigt.

„Tauschen mit einem Leben in der Stadt würde ich auf keinen Fall“, versichert Sattler. Die Dorfbewohner tragen ihre Zusammengehörigkeit auf bunten T-Shirts, Bechern und Aufklebern mit dem Schriftzug „Dorfgemeinschaft Welsede“ nach außen – sichtbares Zeichen für intakte soziale Strukturen.

Die Welseder tragen ihre Zusammengehörigkeit auf bunten T-Shirts „Dorfgemeinschaft Welsede“ nach außen – als sichtbares Zeichen für intakte soziale Strukturen.

Fotos: ah

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