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Behindertenbeirat, Bürgermeister und Bauamtsleiter inspizieren Stadthagen / Lebensgefährliche Stufen

Auf Fallensuche: Stadtrundfahrt im Rollstuhl

Stadthagen (gus). Die behindertengerechte Toilette im Stadthäger Ratskeller ist nach den Worten Helmut Everdings vorbildlich. Die Inspektions-Rollstuhl-Gruppe mit Bauamtsleiter Manfred Fellmann konnte sich davon allerdings nicht überzeugen. Denn nach schweißtreibender Quälerei über eine steile Rampe auf ein grob gepflastertes Plateau bekamen die "Inspektoren" zwar eine schicke Plakette des Sozialverbandes zu sehen, die am Ratskeller-Hintereingang eine Auszeichnung in Sachen Barrierefreiheit ausspricht. Die Tür war jedoch verschlossen. Eine Klingel gibt es nicht. Auch am Eingang vom Marktplatz aus fehlt ein Signalknopf. Dort existiert auch kein Hinweis auf den behindertengerechten Zugang auf der Rückseite. Theoretisch gibt es also eine Toilette für Rollstuhlfahrer. Praktisch jedoch nicht. Die Sache soll überprüft werden, sagte Fellmann.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 12:33 Uhr

Auf eigene Faust: Stadthagens Bürgermeister Bernd Hellmann (hier

Der städtische Behindertenbeirat hatte Stadthagens Bürgermeister Bernd Hellmann und den Bauamtsleiter mitgenommen - auf eine Stadtrundfahrt im Rollstuhl. Bei der Tour erlebten die Verwaltungsmitarbeiter, wie sich die Kreisstadt für Geh- und Sehbehinderte darstellt. Bürgermeister und Bauamtsleiter legen nach eigenen Worten großen Wert auf konstruktive Kommunikation mit dem Behindertenbeirat. Dessen Vorsitzender, Matthias Gläser, bestätigt, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Die gemeinsame Erkundung der Stadt war demnach nicht als "Mecker-Termin" gedacht.Vielmehr standen eine Bestandsaufnahme und gegenseitige Denkanstöße auf der Tagesordnung. Das Szenario: Anreise eines Rollstuhlfahrers mit dem Auto. Behindertengerechte Parkplätze gibt es an mehreren Stellen. Allerdings sind speziell die Parkbuchten mit entsprechender Kennzeichnung bei Hagemeyer und am Hundemarkt wirklich gut geeignet. Diese sind breit genug und es lauern keine Stolperfallen. Am Schloss sieht das beispielsweise anders aus. Die Buchten sind zu eng, trotz abgesenkter Bordsteine stören Kanten. Beim Befahren der Fußgängerzone störte die Rollstuhlfahrer das unebene Kopfsteinpflaster. Auch die sehbehinderte Katrin Lüdeke fand diese Stolperfallen unschön. Regelrecht lebensgefährlich sind nach ihren Worten die Stufen mitten auf dem Marktplatz. Dort erwarte ein Sehbehinderter keine Absenkungen. Schwierig wurde es für die Rollstuhlfahrer dort, wo keine automatisch öffnenden Türen sind. Doch Gläser und dessen Begleiter Helmut Everding und Sonja Rödenbeck betonen, dass die Stadthäger Geschäftswelt nicht untätig ist. So habe ein Optiker auf eine Bitte hin eine Klingel für Rollstuhlfahrer am Eingang angebracht. Die drei Treppenstufen sind nämlich eine unüberwindbare Barriere. Barrierefrei ist hingegen das Finanzamt im Schloss. Auch die behindertengerechte Toilette sowie der automatische Türöffner bekamen Lob. Am Amtspforten-Kreisel lobte Lüdeke die Leitstreifen für Blinde. Mittig führen die mit Noppen besetzten Steine über die Fuß- und Radfahrerüberwege. Lüdeke empfahl diese auch für künftige Bauvorhaben der Stadt. Hellmann will auch künftig auf Zusammenarbeit mit dem Beirat setzen. Beide Seiten streben nach Gläsers Worten "vernünftige" Lösungen an. Hellmann: "Es gilt, alle Interessen abzuwägen." Die der Behinderten seien in der Vergangenheit "unter Umständen" nicht immer genügend berücksichtigt worden.



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