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Vor Gericht: Ein Jahr mit Bewährung / Pizza geordert und Boten Messer an den Hals gehalten

Auf die Bestellung folgt der Raubüberfall

Bückeburg (ly). Raubüberfall à la carte: Ein Bückeburger (19) hat telefonisch eine Pizza bestellt und dem Boten nach dessen Ankunft auf offener Straße ein 30 Zentimeter langes Messer an den Hals gehalten, um an die Geldbörse zu kommen. Das Opfer konnte sich losreißen und fliehen. Vom Amtsgericht bekam der Täter jetzt die Rechnung präsentiert: Ein Jahr Jugendstrafe mit Bewährung. Verbunden ist das Urteil mit mehreren Auflagen. So wird der 19-Jährige einer Bewährungshelferin unterstellt, er muss sich einer stationären Drogentherapie unterziehen und anschließend 200 Stunden gemeinnützig arbeiten.

veröffentlicht am 21.06.2008 um 00:00 Uhr

Richter Dr. Dirk von Behren, Vorsitzender des Jugendschöffengerichts, sprach von einem "Überfall auf Bestellung". Motiv des Drogensüchtigen: Er hatte Entzugserscheinungen und brauchte offenbar Geld für Rauschgift. "Sie müssen sich mal überlegen, was sie beim Opfer ausgelöst haben", schrieb Staatsanwalt André Lüth dem Angeklagten ins Stammbuch:"Der Mann wird vielleicht nie wieder angstfrei seinen Beruf ausüben können." Verteidiger Michael Einars erklärte: "Mein Mandant hat erkannt, dass seine Drogensucht Verderben bringen wird." Wohl wahr, denn der 19-Jährige ist bereits freiwillig zur Entgiftung gegangen und hat seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer Therapie erklärt. DenÜberfall auf den Pizzaboten, versuchter schwerer Raub und damit ein Verbrechen, hat der Bückeburger im Januar begangen. Vor Gericht ging es noch um zwei weitere Taten: Ende Februar ließ sich der Heranwachsende mit dem Taxi zu einem Rintelner Supermarkt fahren und prellte den Chauffeur um 21,40 Euro. Das war Betrug. Im Supermarkt wollte er einen Computer für 570 Euro unter einer nicht besetzten Kasse durchschieben, fiel dabei aber dem Personal auf. Das war versuchter Ladendiebstahl. Als Erwachsener wäre der geständige Täter im Gefängnis gelandet. "Er hätte mindestens zweieinhalb bis drei Jahre bekommen", so Richter von Behren. Weil bei dem 19-Jährigen aber Reifeverzögerungen zumindest nicht auszuschließen sind, wurde er nach dem moderaten Jugendstrafrecht verurteilt. Und dabei steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Hinzu kommt: Wegen der Entzugserscheinungen billigte das Gericht dem Angeklagten verminderte Schuldfähigkeit zu. Nach eigenen Angaben brauchte der junge Mann zuletzt täglich zwei Gramm Heroin für 100 Euro. "Ich war auf Entzug", berichtete er. "Da ist mir das mit dem Pizzaboten eingefallen." Richter von Behren erkennt in der Tat erhebliche kriminelle Energie: "Es gehört schon Einiges dazu, einem Mann ein so langes Messer an den Hals zu halten. Das war nicht spontan, sondern von langer Hand geplant."



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