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Wo steht die Mauer noch? Eine Suche nach den Resten des Zauns, der heute vielerorts ein beängstigendes Mahnmal ist

Auf deutsch-deutscher Reise entlang der Grenze

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Kaum waren Walter Ulbrichts Worte 1961 verklungen, da wuchs das Monster aus Beton und Stacheldraht schon heran. Am 9. November 1989 fiel die Mauer ohne Blutvergießen – vor 20 Jahren. Doch wo ist heute noch etwas davon zu sehen? So viele negative Erinnerungen sind damit verbunden, und so steht kaum mehr etwas von der Mauer als Mahnmal für künftige Generationen. Oder doch? Wir haben uns auf den Weg gemacht und einiges gefunden.

veröffentlicht am 06.11.2009 um 14:26 Uhr

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Autor:

Hans-Werner Rodrian

Schlagsdorf: Sperrzonen beim „Grenzhus“

Wir starten im Norden bei Ratzeburg, ein paar Kilometer südlich der Ostseeautobahn. Da wird im kleinen Ort Schlagsdorf plötzlich alles beklemmend deutlich: Schutzstreifen, Sperrgraben, Metallgitterzaun. Das „Grenzhus“ zeigt in einer Außenanlage aus originalen Bauteilen beängstigend sachlich, wie der Ort sich 1945 unversehens an der Demarkationslinie zwischen britischer und sowjetischer Besatzungszone wiederfand, wie ab 1952 verdächtige Personen aus der Fünf-Kilometer-Sperrzone ausgesiedelt wurden und in den Siebzigern Beobachtungstürme, Stacheldrahtzaun und Minenfelder angelegt wurden. Schlagsdorf war komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Präsentation in Dioramen, Filmen und Exponaten spart nicht die Zeit nach 1989 aus, als die Geschichte der Grenze als unbequemes Thema gern verdrängt wurde, weil sich mit ihr „unterschiedliche lebensgeschichtliche Erfahrungen verbanden“. Wer sich anmeldet, kann sich von Zeitzeugen durch die Anlage begleiten lassen oder eine geführte Wanderung im renaturierten Todesstreifen unternehmen.

www.grenzhus.de

Rüterberg: Blick durchs grausige Grenztor

Von Lauenburg bis kurz vor Schnackenburg bildete die Elbe auf 98 Kilometern die deutsch-deutsche Grenze. Am östlichen Ufer, gegenüber vom Wendland, hatte es das Dörfchen Rüterberg besonders schwer. Auf einer Landzunge gelegen, musste zu DDR-Zeiten jeder beim Betreten und Verlassen des Ortes seine Papiere vorzeigen. Besuch zu empfangen, war praktisch unmöglich. Selbst nach der Maueröffnung wurden die Kontrollen noch tagelang aufrechterhalten. Aus Protest erklärten sich die Rüterberger im Chaos der untergehenden DDR für unabhängig – als „Dorfrepublik Rüterberg“. Diese Geschichte erzählt die 1999 eingerichtete Heimatstube. Beim Betrachten der „Sammlung zum Leben in einem Grenzdorf“ lässt sich viel aus dem Alltag der DDR erfahren. Auch das eiserne Grenztor steht noch. Mit einem Stück des drei Meter hohen Metallgitterzauns, dem elf Meter hohen Befehlsturm der Grenztruppen und ständiger Beflaggung erinnert es an die unselige Zeit der Teilung. Rüterberg allerdings wird man auf der Karte nicht mehr finden – 2004 wurde es in die Stadt Dömitz eingemeindet.

www.doemitz.de

Helmstedt/Marienborn: Rasthof des Kalten Kriegs

Wo sind sie geblieben, die schaurigen Autobahnübergänge auf den Transitstraßen nach West-Berlin, wo Millionen Autofahrer 40 Jahre lang schikaniert wurden? Darum, diese unheimliche Erinnerung wachzuhalten, geht es im doppelten Zonengrenzmuseum Helmstedt und Marienborn an der A 2. Besonders beeindruckend auf Helmstedter Seite ist das Stück nahezu original aufgebauter Grenze mit typischem Streckmetallzaun, Warnschildern, Minen und Selbstschussanlage. Jenseits der ehemaligen Grenze auf dem Gelände der Autobahntankstelle Marienborn Süd liegt die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Dort sind die einstigen DDR-Anlagen der Einreisekontrollen für große und kleine Fahrzeuge original erhalten. Die Grenzübergangsstelle, die bis Mitte 1990 in Betrieb war, steht unter Denkmalschutz. Gäste können über das Gelände streifen oder sich die Gebäude erläutern lassen.

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www.grenzdenkmaeler.de

Point Alpha: Museum mit Gänsehaut

Wäre der Dritte Weltkrieg ausgebrochen, es wäre in einem kleinen Waldstück am Nordrand der Rhön geschehen. Ein Angriff des Warschauer Pakts wurde von den Amerikanern im „Fulda Gap“ erwartet, wo das Territorium der DDR am weitesten in bundesdeutsches Gebiet ragte. Verständlich, dass die US-Armee dort in den fünfziger Jahren einen Beobachtungsposten einrichtete. Bis zur Wende war er von einer Eliteeinheit ständig besetzt. Der Stützpunkt an der hessisch-thüringischen Grenze ist heute ein einzigartiges Museum und Mahnmal – samt Beobachtungsturm, Unterkünften und den nur fünf Meter entfernten Grenzanlagen. Gleichzeitig wird in den Nato-Gebäuden die militärische Seite deutlich: Beide Seiten standen sich bis zur Nasenspitze hochgerüstet gegenüber.

www.pointalpha.com Mödlareuth: „Little

Berlin“ – geteiltes Dorf

Im Süden endete die deutsch-deutsche Grenze bei Hof an der Saale und ging über in den Eisernen Vorhang, der unter anderem die damalige Tschechoslowakei von der Bundesrepublik trennte. Kaum 20 Kilometer davor erlangte das winzige Mödlareuth als „Little Berlin“ während des Kalten Kriegs traurige Berühmtheit. Der kleine Ort hat nämlich eine bayerische und eine thüringische Seite. Und so leuchteten riesige Scheinwerfer auf Todesstreifen und Selbstschussanlagen entlang des Grenzzauns quer durchs Dorf. Die extreme Situation ist noch mit Händen zu greifen. Denn nach der Wende entschloss sich das Dorf, die gespenstische Kulisse als deutsch-deutsches Grenzmuseum zur Geschichte der deutschen Teilung zu erhalten. Und so drohen sie weiter, die ehemaligen Grenzanlagen und Stacheldrahtzäune. Unübersehbar sind auch die beiden Beobachtungstürme, in denen bis 1989 die DDR-Grenzer jedes Hüsteln eines der 50 Einwohner in Mödlareuth/West belauschen konnten. Zwischen Mauer und Stacheldraht wird die einstige Situation mit Schautafeln verdeutlicht, daneben kann man einen ausrangierten Hubschrauber bewundern. Und am Busparkplatz steht ein alter Panzer.

www.moedlareuth.de

Eine Übersicht über einige weitere Grenzmuseen ist im Internet zu finden unter www.nachkriegsmuseen.de/ grenze.html

Die Mauer von Mödlareuth: Einst teilte sie den kleinen Ort auf der Grenze von Bayern zu Thüringen, heute ist sie Teil eines Museums.

Point Alpha: In der Rhön wachten US-Soldaten

im Kalten Krieg auf diesem Turm.

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