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Finden und schweigen: Trüffelhändler Oratio Cirelli ist mit seiner Ware auf Deutschland-Tour

Auf der Suche nach dem kulinarischen Gold

Rolfshagen. Früher, es ist schon Jahrzehnte her, war die Trüffelsucherei richtige Schwerstarbeit. Mehrere Tage, so erinnert sich Oratio Cirelli, war er damals mit seinem Suchschwein unterwegs, hat unter Olivenbäumen geschlafen, und die Trüffel wurden auf einem kleinen Anhänger gesammelt, den ein Maultier zog.

veröffentlicht am 04.05.2007 um 00:00 Uhr

Der Mann mit den Trüffeln ist da: Oratio Cirelli beliefert das "

Autor:

Frank Westermann

Harte Arbeit ist die Suche nach dem kulinarischen Gold der Erde heute auch noch, aber die lauschigen Nächte unter Bäumen gehören ebenso längst der Vergangenheit an wie die Suche mit Schweinen. Cirelli lässt Hunde in der Erde forschen, Tiere, die er selber ausbildet: "Ein Elternteil sollte dabei immer ein Jagdhund sein", erzählt er beim Espresso im Restaurant "Salve". Denn den Hunden können die Trüffel einfacher entwendet werden, während Schweine sie auffressen, wenn der Schweineführer nicht aufpasst. Schweine verursachen im allgemeinen zudem größere Schäden an den Wurzelspitzen beim Ausgraben als Hunde, deswegen sind Schweine zur Trüffelsuche in Italien heute auch nicht mehr erlaubt. Oratio Cirelli hat die Trüffelsuche bei seinem Onkel gelernt. Und er weiß genau, nach welcher Methode er vorzugehen hat: suchen, finden - und schweigen. Nicht einmal seine Ehefrau Angela weiß, wo die besonders ergiebigen Stellen liegen, dort, wo er Jahr für Jahr erntet. "Ich weiß nur, dass er nach draußen geht", erzählt sie: "Und wenn ich dann später von anderen höre, dass sie meinen Mann da oder dort gesehen haben, kann ich mir ungefähr denken, wo er sucht - aber mehr weiß ich nicht." Von einer "Landkarte im Kopf" spricht Cirelli: "Ein Trüffelsucher verrät seine Plätze nicht." Und er spricht auch ungernüber Preise. Nur so viel: Die Trüffel ist der teuerste Speisepilz, ein Kilo weißer Trüffeln kostet bis zu 9000 Euro. Der Preis von weißem oder dem etwas länger lagerbaren schwarzen Trüffel variiert stark, ist abhängig vom Vorkommen und der Nachfrage. Je nach Witterung und Klima gibt es eben"bessere" und "schlechtere" Trüffeljahre. 150 000 Kilometer fährt Cirelli im Jahr, um seine zwischen Rom und den Abruzzen gefundenen Edelpilze (und die der Nachbarn) zu verkaufen: München, Frankfurt, Nürnberg, Düsseldorf, Celle, Minden, Braunschweig und das Auetal - immer die gleiche Route, immer die gleichen Gastwirte, man kennt sich, man vertraut sich:"Loyalität ist wichtig", erklärt der Italiener, neben der Professionalität und der Qualität der Ware ist der korrekte und ehrliche Umgang ein Eckpfeiler des Geschäftes. Ein bisschen italienische Pfiffigkeit gehört auch dazu. Oratio und Angela Cirelli fahren seit Jahren mit einem kleinen Fiat Punto nach Deutschland. Unauffälliger geht es nicht; wer würde schon in diesem grauen Kleinwagen eine wertvolle Ladung im Kofferraum vermuten, so wertvoll wie Gold?



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