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Reformierte Gemeinde besucht Noyon und Paris

Auf den Spuren Calvins

Hameln. Wieder eine Fahrt „Auf den Spuren Calvins“. Die Erste ging bereits 2006 nach Südfrankreich in die Cevennen, in die Heimat der Hamelner Hugenotten. Die zweite, im Jahr 2010, nach Straßburg, Basel und Genf. Die Spuren Calvins führten diesmal Mitglieder der reformierten Gemeinde Hamelns zu Calvins Geburtsstadt Noyon und nach Paris mit seiner Bedeutung für Calvin und die Hugenotten.

veröffentlicht am 24.07.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 15.11.2016 um 08:39 Uhr

Neu aber war jetzt das Thema „Europa“. Da waren die großen Krönungs- und Kaiserdome des europäischen Mittelalters: Auf der Hinfahrt der Aachener Dom, Krönungsort der deutschen Könige seit Otto I. Auf der Rückfahrt die Kathedrale von Reims, Krönungsort der französischen Könige und am letzten Tag der Wormser Dom, Wahrzeichen der salischen Kaiser. Als Kontrast dazu die zwei Schreckensbilder aus der Zeit der Weltkriege: die Waffenstillstandsbeschlüsse von 1918 und 1940 in Compiègne und die Schlacht von Verdun 1916. Reiseleiterin Christa Bruns hatte in Compiègne den Besuch eines reformierten Gottesdienstes geplant und mit dem Besuch in St. Maur, der Partnerstadt von Hameln, hat die Gruppe ein schönes Friedenszeichen gesetzt.

In Paris waren die Besucher im „Centre Européen de recontre des Eglises Protestantes“, untergebracht, ein einfaches, aber sehr gepflegtes Haus der Ökumene, unter Leitung der deutschen Pfarrerin Britta François. Sie führte die Hamelner auf die Spuren Calvins in Paris. Sie erzählt von dem jungen Calvin aus Noyon, der Priester werden soll, von seinem Wechsel 1524 nach Paris in das sehr strenge „Collège de Montaigu“, das Calvin gesundheitlich lebenslang geschädigt habe. Nach Abschluss 1528 habe Calvins Vater seinen Sohn zum Jurastudium nach Orléans geschickt. Examen dort 1532. Anschaulich schildert Frau François dann, warum Calvin nach seiner Rückkehr nach Paris 1533 Hals über Kopf habe fliehen müssen: Er habe einem Freund bei dessen viel zu protestantischer Rede als neuer Rektor der Sorbonne sehr geholfen. So kam Calvin 1534 nach Basel. Dort begann seine „eigentliche“ Arbeit. Das „Centre Européen“ ist auch französischer Hauptsitz der deutschen „Aktion Sühnezeichen“. Mit den zwei Vertretern dort führten die Hamelner ein intensives Gespräch über die Arbeit von Freiwilligen für den Friedensdienst in Polen und Israel. In der „Société de l’Histoire du Protestantisme Français“, der bücherreichsten Bibliothek zur Geschichte der Reformation in Frankreich, zeigte Pfarrer Lienhard eine Auswahl wertvoller Bücher zur Geschichte der Reformation in Frankreich.

In einem schlichten Haus in der Rue Visconti Nr. 4. tagte 1559 – in der Zeit der Verfolgung – heimlich die erste Nationalsynode der französischen reformierten Gemeinden. Sie schuf das Glaubensbekenntnis, das auch für die Hugenotten auf der Flucht galt. Für die Mitglieder der reformierten Kirche war deshalb klar: Es führt ein direkter Weg von der Rue Visconti Nr. 4 in Paris zur Hugenottenstraße Nr. 3a in Hameln.

Auf der Rückfahrt besuchte die Gruppe zunächst die prachtvolle Krönungskathedrale in Reims. Dann folgte der Kontrast: Verdun, Schlachtort des Ersten Weltkriegs. Auffallend zuerst ein riesiges Gräberfeld. 170 000 Franzosen und 150 000 Deutsche haben hier den Tod gefunden. Von Februar bis Dezember 1916 tobte auf den Feldern ein mörderischer Stellungskrieg. Knochen und Gebeine der Toten hat man gesammelt und in den Kellerräumen des Hauses aufgehäuft. „Beinhaus“ heißt es.

In der Stiftskirche von Neustadt an der Weinstraße liegt „irgendwo“ Zacharias Ursinus, Hauptverfasser des Heidelberger Katechismus, begraben. Dekan Armin Jung führte durch die Kirche und zum „Casimirianum“, der reformierten Universität, gegründet von Kurfürst Casimir. Dorthin hatte er Ursinus berufen, nachdem dieser Heidelberg verlassen musste, weil er sich geweigert hatte, die 1577 vom Luthertum verabschiedete „Konkordienformel“ zu unterschreiben. Später im Bus sprach Martin Hoffmann über das bewegte Leben und Werk des in Breslau geborenen und 1583 schon mit 48 Jahren verstorbenen Zacharias Ursinus sowie über Inhalt und Aufbau des „Heidelbergers“ und seine Wirkungsgeschichte in der Welt, übersetzt in über 40 Sprachen.



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