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Wer in Australien seinen Urlaub verbringt, wird mit einer Fülle von Abkürzungen und einmaligen Erlebnissen konfrontiert

Auf das „brekkie“ folgt „barbie“ – und „Roo“ schaut zu

Die rote Erde des Ayers Rock, schillernde Fischschwärme im Great Barrier Reef, Riesenschildkröten auf Fraser Island und von den Aborigines gemalte Regenbogenschlangen – all das sind Bilder, die Europäer gern mit Australien verbinden. Aber man muss nicht den ganzen fünften Kontinent bereisen, um das echte Australien zu erfahren: in Sydney, Canberra und Umgebung allein können Reisende das Leben Down-Under kennenlernen.

veröffentlicht am 16.10.2009 um 15:34 Uhr

Surfer am wohl bekanntesten Strand von Sydney: Bondi-Beach. Foto

Autor:

Mary-Jana Wege

Auch wenn ich nicht mit dem Kopf nach unten hänge, nachdem ich in Sydney aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, so weiß ich doch gleich, dass dies nicht die USA oder Kanada sein können. Es dauert mehr als nur ein paar Tage, mich daran zu gewöhnen, dass das Linksabbiegen mit dem Auto einfach, das Rechtsabbiegen aber kompliziert ist. Außerdem habe ich trotz meines fließenden Englischs – immerhin studierte ich in Kanada und lebte dort mehr als fünf Jahre lang – Kommunikationsprobleme. Ich bestelle meinen ersten Chai-Tee und sage: „Hi there“, eine durchaus gängige Begrüßung in Nordamerika. Die Servicekraft singt ein ungewohntes, aber sehr freundliches „G’day“ zurück. So viel Melodie in zwei Silben zu bringen, ist eine Meisterleistung.

Eines meiner Ziele ist es, die Metropole zu erkunden, in der 3,6 der 21 Millionen Australier wohnen und die die größte Stadt des Kontinents ist: Sydney. Wie leben die Menschen in einer Stadt, die laut Ranglisten zu den schönsten der Welt zählt?

Beeindruckende Wohnhäuser am Meer

Es gibt zwei Dinge, die Sydney bestimmen: der Pazifik und der Verkehr. Unzählige kleine Buchten erstrecken sich entlang der Meerseite Sydneys. An mehr als 70 Stränden im Stadtgebiet können die Großstädter ihre Freizeit verbringen. Doch will man vom Hafen zu den Wohngebieten am Rande der Metropole gelangen, ist Geduld gefragt. Viel Geduld. Denn der Pacific Highway, der in die Vororte führt, ist oft verstopft – und das liegt nicht nur an den Europäern und Amerikanern, die das Linksfahren nicht beherrschen.

Ein Känguru in freier Wildbahn: In der Umgebung von Canberra sin
  • Ein Känguru in freier Wildbahn: In der Umgebung von Canberra sind Känguru-Herden keine Seltenheit.
Blick von Watsons Bay auf Downtown Sydney mit der Harbour Bridge
  • Blick von Watsons Bay auf Downtown Sydney mit der Harbour Bridge; die 1932 freigegebene Brücke zählt zu den Wahrzeichen Sydneys.

Die üblichen Touristenattraktionen verschaffen einen guten Überblick über die Metropole: Bei einer Hafenrundfahrt staune ich über beeindruckende Wohn- und Ferienhäuser am Meer, außerdem erfahre ich, wo Nicole Kidman und Tom Cruise, als sie noch ein Paar waren, ihr Traumhäuschen bauten. Das Opera House ist Pflichtprogramm, ebenso wie das bekannte Queen Victoria Building mit seinen zahlreichen Shops. Am Bondi Beach, dem wohl bekanntesten Surferstrand der Stadt, versuchen sich Surfer aus verschiedenen Ländern der Welt beim Wellenreiten.

Doch wenn die Liste der Sehenswürdigkeiten abgehakt ist, tut es gut, sich dort aufzuhalten, wo die Großstädter ihre Freizeit verbringen: in Watsons Bay zum Beispiel. Der Vorort mit seiner gleichnamigen malerischen Bucht liegt nordöstlich des Stadtzentrums. Einen atemberaubend schönen Ausblick auf den tiefblauen Pazifik hat man am dortigen Gap Bluff, das Sydneyaner nur „The Gap“ nennen. Es ist ein wahres Schauspiel zu beobachten, wie die volle Wucht des Ozeans an die schroffen Klippen prallt. Die kleinen Strände laden zum Flanieren ein. Einen wunderbaren Ausblick auf Downtown und die Harbour Brigde genieße ich bei einem „Lemon Lime and Bitters“, einem pinkfarbenen, nichtalkoholischen Mixgetränk, das nach Limonade schmeckt und das die Australier kurz „LLB“ nennen.

Australier grillen gern – ganz egal, wann

Die dort gebräuchlichen Abkürzungen sind überhaupt sehr gewöhnungsbedürftig. Die Australier selbst bezeichnen sich als „Aussies“. Wer am Morgen Hunger bekommt, der sollte nach einem „brekkie“ (breakfast) verlangen, wenn die Sonne blendet, müssen „sunnies“ (sunglasses) her. Die Briefe bringt nicht etwa der „postman“, sondern der „postie“. Und eine Frau braucht sich nicht zu wundern, wenn sie als „sheila“ bezeichnet wird. Das aber wohl wichtigste Wort im Sprachgebrauch eines Australiers lautet „barbie“ – damit ist nicht etwa eine Plastikpuppe mit rosafarbenem Kleid und blondem Haar gemeint, sondern ein Barbecue: das Grillen. Egal, bei welchen australischen Freunden ich während meiner Reise eingeladen bin, es gibt immer ein „barbie“. Die Uhrzeit ist unwichtig: morgens, mittags und abends schmeißen die Australier ihren Grill an, natürlich gasbetrieben. Dazu läuft im Fernsehen ein Cricket-Spiel oder eine Partie „footy“ (Rugby). Australischer könnte ein Tag kaum sein.

Gibt es nichts Gegrilltes, kommt etwas Asiatisches auf den Teller, denn egal, ob koreanisch, japanisch, thailändisch oder indonesisch – die Auswahl exotischer Nahrungsmittel ist grandios. An jeder Ecke der Stadt sind asiatische Gerichte jederzeit zu haben – am besten als Take-out, zum Mitnehmen.

Rund dreieinhalb Stunden Autofahrt von Sydney entfernt liegt die Hauptstadt Australiens, Canberra. In grüne Hügel eingebettet und durchzogen von Eukalyptusbäumen, wirkt Canberra eher wie eine Kleinstadt, aber nicht wie das politische Zentrum des Staates Australien. Versteckt hinter Bäumen und Sträuchern liegen historisch aussehende Gebäude, in denen die Ministerien beheimatet sind. In der Mitte der Stadt, auf dem Capital Hill, befindet sich das Parlamentsgebäude, in dem die politischen Geschicke Australiens gelenkt werden.

Dass Canberra wie eine Gartenstadt geplant ist, ist unschwer zu erkennen. Der Grund dafür, dass diese Stadt existiert, ist ein Zwist zwischen Sydney und Melbourne. Die Stadtväter konnten sich nicht einigen, welche der Metropolen Hauptstadt werden sollte – deshalb planten und bauten die Australier Canberra. Hauptstadtstatus wurde ihr 1927 zugesprochen. Mittlerweile leben 340 000 Menschen dort, viele arbeiten für die Regierung.

Kleine Wanderwege führen hinter den Wohnhäusern, die von großzügigen Grundstücken umgeben sind, direkt in die Natur. Grün-rot-gelb-blau gefiederte Vögel zwitschern aus den Bäumen, und Eukalyptusblätter verdecken die Trampelwege.

Wenn die Känguru-Herde hinterm Wohnhaus grast

Ich bin nur etwa zehn Minuten vom Wohnhaus meiner Freunde auf dem Pfad spazieren gegangen, als ich etwas Braunes am Horizont entlanghüpfen sehe: ein Känguru. Schnell will ich es fotografieren, doch meine „Aussie“-Freunde lachen nur. „Warte ab, es kommen noch mehr“, sagen sie – und behalten recht. Hinter einer Kurve grast eine ganze Herde Kängurus. Ein Problem, wie meine Freundin findet, denn die Tiere stehen unter Naturschutz. Sie vermehren sich in rasantem Tempo und grasen, wo sie nur wollen. Für mich, die Touristin, ist das ein einmaliges Abenteuer.

Die Tiere lassen sich nicht von uns beirren. Ich sehe, dass aus dem Beutel eines Kängurus ein kleines Köpfchen hervorlugt. „A kangaroo and a baby“, rufe ich erfreut. Meine Entdeckung scheint meine australischen Freunde nicht zu beeindrucken. Sie nutzen stattdessen sofort die Gelegenheit, meinen australischen Wortschatz zu erweitern: Ein Baby-Känguru wird „joey“ genannt, lerne ich. Das Wort für Känguru will ich selbst erraten. „Kangie“, tippe ich – und liege falsch: „Roo“ wäre die richtige Antwort gewesen. Um die Australier vollends zu verstehen, braucht es wohl doch länger als ein paar Wochen in Sydney und Canberra. Aber ein Anfang ist immerhin gemacht.



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