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Abbrüche im Bereich der Uferzonen häufen sich / "Das Wasser nagt an den Hängen" / Gesucht: Dauerhafte Lösung

Aue-Umfluter kann Hochwassergefahr nicht verhindern

Vehlen (sig). An unerfreuliche Hochwassersituationen möchten sich die Einwohner in Vehlen nicht gewöhnen. Sie führen nicht nur zu Schäden in der Landschaft, sondern gefährden auch Hab und Gut, wie die letzten Jahre bewiesen haben. Neue Sorgen sind dadurch entstanden, dass im Einmündungsbereich des Beeke-Entlastungsgrabens in den neuen Umfluter der Aue stärkere Ausspülungen und Uferabbrüche festgestellt wurden. Der Ortsrat hat sich deshalb in seiner letzten Zusammenkunft vor den Neuwahlen eingehend mit diesem Thema befasst.

veröffentlicht am 13.09.2006 um 00:00 Uhr

Der Beeke-Entlastungsgraben mündet in den Umfluter der Aue: Ein

Diplom-Ingenieur Thomas Zerner aus Bückeburg schilderte die eingetretene Situation. Dabei wurde deutlich, dass der ansonsten sehr begrüßenswerte renaturierte Abschnitt der Aue vor der Vehler Mühle zumindest in dieser Hinsicht keine entscheidenden Vorteile gebracht hat. "Das Wasser will möglichst immer geradeaus fließen und nagt bei starken Verschwenkungen fleißig an den Hängen", gab der Experte zu bedenken. Bei Hochwasser können zwischen 10 und 20 Kubikmeter pro Sekunde durch die Aue fließen. Und wenn dann noch größere Mengen von Oberflächenwasser fast im rechten Winkel durch den Entlastungsgraben heranrauschen, dann sind ein weiteres Ausspülen der Uferzone und zudem ein Rückstau nicht auszuschließen. EineÜberlegung von Fachleuten war, den Entlastungsgraben vor der etwa 300 Quadratmeter großen Insel im Einmündungsbereich herumzuleiten. Das Wasser überquert dort aber einen Abwasserkanal, der von Bad Eilsen zur Vehler Kläranlage führt. Der könnte dann frei gespült werden. Außerdem würde die in diesem Fall erforderliche Verschwenkung sicherlich ebenfalls zusätzliche Staugefahr bedeuten. Diplom-Ingenieur Thomas Zerner hat deshalb eine neue Idee entwickelt. Er würde den Beeker Vorfluter zunächst in den als Biotop angelegten Bereich leiten und von dort im spitzen Winkel in die Aue. Mit diesem Konzept fand er beim Landkreis, dem Besitzer dieses Geländes, aber nicht den erhofften Widerhall. Eine weitere Möglichkeit sei die Drosselung der Wassermengen desEntlastungsgrabens im oberen Teil des Vorfluters. Ortsratsmitglied Hermann Kaps meinte dazu, das bedeuteÜberflutungsgefahr für größere landwirtschaftliche Flächen. Ein neues Regenrückhaltebecken verursache aber wieder Kosten in Höhe von 300 000 bis 400 000 Euro, gab daraufhin Stadtdirektor Wilhelm Mevert zu bedenken. Bürgermeister Horst Sasenberg zeigte sich überrascht über diese Situation. "Der Bau des Umfluters ist doch noch gar nicht so lange her, und wir haben schon wieder neue Probleme", beklagte er den Zustand. Bei der sich anschließenden regen Diskussion wurde deutlich, dass man neben dem Landkreis auch den Abwasserverband "Auetal" mit ins Boot nehmen müsse. Stadtdirektor Mevert versprach, entsprechende Bemühungen zu unternehmen. Es gehe jetzt nicht um irgendwelche eilig anberaumten Sofortmaßnahmen, sondern um einen sinnvollen Hochwasserschutz für Vehlen und um dauerhafte Lösungen. So ganz nebenbei: In den höher gelegenen sandigen Uferzonen des Aue-Umfluters nisten seit geraumer Zeit zierliche Eisvögel. Auch sie werden bei den weiteren Überlegungen zumindest der unteren Naturschutzbehörde eine Rolle spielen.

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