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Sicherheitsexperte Karl-Heinz Kamp analysiert die Weltlage / Vortrag der SDAG im Lesesaal der Kurverwaltung

"Auch Wohlverhalten schützt nicht vor Terrorangriffen"

Bad Eilsen (sig). Als Angela Merkel erstmalig als Bundeskanzlerin zu einem Staatsbesuch in den USA eintraf, war in ihrem Gefolge Dr. Karl-Heinz Kamp. Er ist sicherheitspolitischer Koordinator der Konrad-Adenauer-Stiftung (Berlin). Als die Schaumburger Deutsch-Amerikanische Gesellschaft (SDAG) die Chance bekam, diesen Experten für einen Vortrag zu gewinnen, griff sie zu.

veröffentlicht am 28.03.2006 um 00:00 Uhr

Dr. Stephan Walter (l.) bedankt sich bei Dr. Karl-Heinz Kamp.

Wie sieht der Mann, der sich in Fragen der Sicherheitspolitik so hervorragend auskennt, die Weltlage angesichts der Situation in zahlreichen Krisenbereichen wie Irak, Iran und Naher Osten? Das wollte die SDAG jetzt im Lesesaal der Bad Eilser Kurverwaltung wissen. Zu den aktuellen Problemen um den Irak-Krieg und den Protesten gegen den Militäreinsatz und seine Folgen erklärte Kamp: "Die Vorgehensweise im Irak war eine Katastrophe. Die moralische Autorität der USA liegt in Trümmern, auch wegen der Behandlung der Gefangenen." Trotz dieser Situation sei die Partnerschaft mit den USA für Deutschland und auch für Europa unverzichtbar. Sie diene beiderseitigem Interesse, und dafür gebe es keine Alternative, so der Referent. Wenn irgendjemand in der Welt etwas bewegen könne, dann seien es die Vereinigten Staaten. Eine transatlantische Scheidung werde es trotz mancher Differenzen nicht geben, aber man müsse den Weg zu einer neuen, reiferen Beziehung finden; gleichgültig, wie die Präsidenten heißen. Allen sei klar, dass es seit dem 11. September 2001 absolute Sicherheit nicht mehr gibt - trotz der starken militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der USA. Kamp hielt aber auch mit einer Warnung nicht hinter dem Berg: "Die USA sollten nicht den Eindruck erwecken, Europa zu spalten. Dadurch wird der Graben nur tiefer." In Richtung Berlin gewandt, erklärte er: "Es ist Aufgabe jeder Bundesregierung, den Bürgern klarzumachen, dass wir nicht auf einer Insel der Glückseligen leben. Wir sollten nicht glauben, dass wir von Angriffen verschont bleiben, wenn wir uns wohlverhalten." Der Sicherheitsexperte hält es daher für wichtig, die Leistungsfähigkeit der Bundeswehr zu verbessern. Deutschland müsse deutlich machen, dass die NATO die vordringliche Sicherheits-Allianz ist und bleibt.

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