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Gewerkschafter vom ver.di-Ortsverein organisieren informative Befragung von Passanten

Auch Rintelner stimmen für Mindestlohn

Rinteln (ur). Mit einer plakativen Aktion hat der Ortsverein der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di im Kreuzungsbereich von Marktplatz und Fußgängerzone einen Vorstoß gemacht, die Diskussion um real existierende Niedriglöhne in Schaumburg und die Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn anzuregen. Auf "Bodenzeitungen" konnten die Rintelner ihre Einschätzung zu verschiedenen Behauptungen per Strichliste bekunden - das Ergebnis zeigte, dass durchaus Problembewusstsein da ist.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:48 Uhr

Während der mehrstündigen Straßenaktion "pro Mindestlohn" bilden

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, schätzten es die Passanten durchaus so ein, dass mit einem Stundenlohn unter 7,50 Euro brutto kaum jemand in der Lage ist, Kinder zu ernähren - und dass es auch für Alleinstehende sehr schwierig ist, mit solchen Löhnen angemessen zu leben. Kaum jemand bezweifelte, dass derartige Hungerlöhne auch in Schaumburg in einigen Branchen gang und gäbe sind - und manche beschrieben gar die Schwierigkeiten ihrer eigenen Situation. Da war etwa die Friseurin, die auch mit vielenÜberstunden gerade mal 1300 Euro brutto verdient - wiederum andere schilderten die Aussichtslosigkeit, sich als Alleinerziehende mit Kind aus der Arbeitslosigkeit zu befreien: "Im Job-Center wird man dann höchstens auf geringfügige Arbeitsverhältnisse verwiesen, bei denen man auf Abruf bereit stehen muss und gerade mal 3,50 Euro brutto bekommen soll." Eine andere Frau darf von einem 400-Euro-Job mit Beschäftigung auf Abruf allenfalls 160 Euro ergänzend zum Arbeitslosengeld II behalten - und kann sich durch die Abruf-Bereitschaft kaum um einen regulären Arbeitsplatz bemühen. Viele äußerten die Befürchtung, nach solchen "Jobkarrieren" auch in eine vorprogrammierte Altersarmut zu geraten - zumal bei solchen prekären Bedingungen kaum einmal die viel beschworene zusätzliche Altersversorgung aufgebaut werden kann. Hans-Jürgen Niemeier vom ver.di-Ortsvorstand verwies in diesem Zusammenhang auf ein Zitat des US-Präsidenten Roosevelt, der bereits 1949 erklärte: "Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollten in diesem Land kein Recht haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben." Ein Mindestlohn sei ohnehin nur existenzsichernd bei Vollzeitarbeit. Seine Organisation fordere daher auch eine Ausweitung des Entsendegesetzes, damit ausländische Arbeitskräfte nicht als Lohndrücker missbraucht werden. Das liege auch im Interesse vieler Unternehmen, wie auch schon Burkard Räcker als Geschäftsführer der Gebäudereinigungs-Innung in Niedersachsen einräumte. Niemeier dazu: "Die maßgeblich betroffenen Bereiche der Gebäudereinigung, der Gastronomie, des Handels und der Bewachung etwa können ihre Betriebe ohnehin nicht ins Ausland verlegen. Es kann nicht sein, dass Arbeit immer billiger wird, während alle anderen Preise steigen." Viele Rintelner unterstützten die Forderung nach gesetzlichem Mindestlohn mit ihrer Unterschrift und nahmen sich die ausliegenden Informationen mit. In diese Listen kann man sich auch über "www.mindestlohn.de" eintragen.



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