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Unverhofft kommt oft: "Line Dance Corner Schaumburg" fährt zur Deutschen Meisterschaft - und gewinnt

Auch ohne Konkurrenz ist es ein verdienter Titel

Obernkirchen. Der Zeitplan war recht eng: Um fünf Uhr raus aus den Federn, rauf auf die Bahn und runter nach Frankfurt. Danach der Auftritt, dann die Rückreise. Abgefedert wurden die Reisestrapazen durch Medaillen und einen Pokal: Bei ihrer Premiere gewann die Schaumburger "Line Dance Corner" die Deutsche Meisterschaft.

veröffentlicht am 27.10.2007 um 00:00 Uhr

Sie sind Deutsche Meister: Michael Wiese, Elke Moldenhauer, Diet

Autor:

Frank Westermann

Dies ist eine der schönen Geschichten, wie sie im täglichen Leben viel zu selten passieren. Doch bevor sie erzählt wird, sollte vielleicht eine Begrifflichkeit erklärt werden: Beim "Line Dance" wird, wie der Name es sagt, in Linien neben- und hintereinander getanzt. Es sind festgelegte, sich wiederholende Figuren, die synchron von der Gruppe vorgeführt werden - ähnlich wie beim Formationstanz. Es gibt Tänze die nur aus wenigen Figuren bestehen, bis hin zu Tänzen, die mehr als 100 Schrittfolgen haben. Weltweit soll es wohl über 40 000 Tänze geben - und jeden Tag werden es mehr. Die Schaumburger Line-Dancer hatten vor gut zwei Monaten bei den Norddeutschen Breitensport-Meisterschaften getanzt und dort einen guten zweiten Platz erreicht. Ein Besucher sprach daraufhin Trainer und Choreograph Peter Brandt an: Ob er denn mit seinen Tänzern nicht an der Deutschen Meisterschaft, die in vier Wochen anstünde, teilnehmen möchte? Das Potenzial hätten die Schaumburger Tänzer doch allemal. Wie es weiterging, erzählt Brandt so: "Ich habe den Tänzern den Vorschlag unterbreitet, es wurde ein bisschen getuschelt - und dann schauten mich alle an und sagten, ja machen wir. Wir fahren." Vier Wochen wurde trainiert, schließlich mussten fast fünf Minuten gefüllt werden. Drei Tänze, dazu der Ein- und Ausmarsch, wurden akribisch geprobt und einstudiert, dann ging es in Richtung Hessenmetropole. Brandt musste als Trainer schon am Freitag anwesend sein, der Rest traf am Sonntag ein - und gewann. Wie hat sich der Laie eine Deutsche Meisterschaft der Line-Dancer vorzustellen? Gut strukturiert, erklärt Brandt. Angetreten wird in drei Oberkategorien, und da die Schaumburger zum ersten Mal bei der Meisterschaft waren, mussten sie in die Gruppe der "Starter" antreten. In dieser Gruppe wiederum wurde erneut aufgeteilt: Dabei spielte das Durchschnittsalter die entscheidende Rolle. Da die acht Schaumburger Tänzer im Schnitt über 40 Jahre jung sind, wurden sie in die Unterkategorie "Silver" eingestuft. Wie groß war denn dort die Konkurrenz? "Es gab keine", erzählt Brandt, "wir waren in der Kategorie die einzige Gruppe, die antrat." Konkurrenzlos zur Deutschen Meisterschaft? "Stimmt" sagt Brand, "aber", und in dieses "aber" legt er sehr viel Betonung, "es wird nach Punkten gewertet. Und da kann es sein, dass man als einzige Gruppe antritt, aber dennoch nur auf den fünften oder sechsten Platz kommt. Es geht nur nach Leistung." Brandt lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass es eine "echte" und "verdiente", eben eine "richtige" Deutsche Meisterschaft ist Die Schaumburger Line-Dancer ernten jetzt, was sie in den letzten sieben Jahren seit ihrer Gründung gesäht haben. Kontinuierlich wurden Mittänzer gesucht und wurde der Nachwuchs gezielt gefördert. Das klingt wie eine Platitüde, ist aber keine: Die Jugend wurde bereits ausgelagert und übt separat im Vehlener Dorfgemeinschaftshaus und im Auetal in Bernsen. Die mit der Meisterschaft geehrten Dancer sind ein guter Querschnitt durch den Verein. Melanie Kliefoth etwa, die 21 Jahre jung ist und schon seit vier Jahren mittanzt. "Man kann dabei prima abschalten und viel Spaß hat man obendrein", erzählt die Rolfshägerin. Marc Schöne ist erst seit sechs Monaten dabei, tanzt für sein Leben gern, wie er bekennt, und hat vorher sogar Erfahrungen mit Meisterschaften gesammelt: Mit seinem Spielmannszug, dem er 20 Jahre angehörte, hat er sich bei Wettbewerben mit anderen gemessen. Ohne sichtbaren Erfolg, jetzt ist er Deutscher Meister. Lis Brandt verweist auf einen anderen Aspekt: Line-Dance sei eine so schöne Sache, weil man dort eben auch im reiferen Alter einmal Deutscher Meister werde: "Das ist doch toll, oder?" Von der Deutschen Meisterschaft verspricht sich nicht nur Lis Brandt einen kräftigen Schub für den "Line Dance Corner Schaumburg". Im nächsten Jahr werde man wieder antreten, klar, der Titel soll verteidigt werden, aber auch für die Einzelwettbewerbe sollen weitere Tänzer aufgebaut werden. Dieses Mal trat nur Anke Daß im Einzel an - und wurde beachtliche Dritte. Neu einzukleiden bräuchten sich die meisten Tänzer nicht: Das haben sie dieses Mal getan, die Bekleidung ist bei Deutschen Meisterschaften vorgeschrieben - bis hin zu den Stiefeln.

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