weather-image
16°
Steinberger Globetrotter sind in der Westsahara angekommen / Bei Kontrolle Pass vertauscht

Auch in Marrakesch gibt es einen McDonald's

Steinbergen (wm). Jürgen Kruska, Sozialpädagoge und Gründer des Jugendheims "Hirschkuppe", und seine Ehefrau Petra haben mit Mischlingshund Blacky in den letzten Jahren Europa und den Osten, dann Island mit ihrem selbstausgebauten Wohnmobil bereist (wir berichteten). Seit Juli sind sie in Afrika unterwegs und stellen auf ihrer Reise verblüfft fest, Globetrotter trifft man inzwischen überall, auch an den abgelegensten Plätzen - vor allem die Generation 60 plus hat sich offensichtlich aufgemacht, die Welt in eigener Regie zu entdecken.

veröffentlicht am 17.11.2008 um 00:00 Uhr

Das Steinberger Wohnmobil auf Schlammpisten nach sintflutartigen

Sie trafen den 70-jährigen Arno aus Deutschland, der mit seinem Wohnmobil in Marokko überwintert. Zwei britische Ehepaare, deutlich über 70 sind als Bird-Watcher (Vogelbeobachter) in Afrika unterwegs. In Agdz freundeten sich die Steinberger mit zwei Oberbayern an (ausgemustert bei der Telekom), die mit dem Fahrradum die Welt reisen wollen. Zweite Erkenntnis: Die globalisierte Welt erfasst jedes Land. Der marokkanische Führer, der die Kruskas durch die Souks von Fes geleitete, betreibt im Sommer ein Restaurant in Polen, ist mit einer Polin verheiratet und fährt einen Audi A 4. Hassan, ein Campingplatzbetreiber bei Ifrane hat lange Jahre in Köln gelebt und freute sich über die deutschen Gäste. Auch in Marrakesch gibt es längst einen McDonald's und einen Metro-Supermarkt, wo eine freundliche Kassiererin höflich nach dem Ausweis fragt. Und in Agdz wird zurzeit die Kasbah von Weimarer Architekturstudenten und Spezialisten für den Lehmbau mithilfe von Spenden saniert. Dritte Erkenntnis: Außerhalb Europas gelten andere Spielregeln. Übernachten am Mittelmeerstrand ist in Marokko verboten. Hier passen Soldaten auf, dass nachts keine Schmuggler mit Booten Rauschgift aus dem nahe gelegenen Riffgebirge nach Spanien bringen. In Marokko stoppte ein Polizeibeamter Jürgen Kruska nach der Passkontrolle: "Du nicht Hassan!" Ein Zollbeamter hatte bei der Kontrolle der Pässe die Papiere vertauscht! Zum Glück entdeckte Kruska den Zöllner noch auf dem Hafengelände. Der hatte Kruskas Pass schon unter seiner Dienstmütze sichergestellt. In der Westsahara häuften sich die Polizeikontrollen: Die Kruskas waren vorgewarnt und hatten bereits in Deutschland ihre Papiere vielfach fotokopiert und konnten damit Kopien, sogenannte "Fishes" an den Kontrollen abgeben. Sonst hätten die Beamten alle Daten aus den Pässen und Fahrzeugpapieren mühsam per Hand ineine Kladde eintragen müssen - und so was dauert. Abenteuer erlebten die Steinberger auch: Kurz vor Marrakesch gerieten die Kruskas in einen sintflutartigen Regen, die Wassermassen aus dem Atlasgebirgeüberfluten alle Straßen, die Kruskas rettete ihr geländegängiger Allrad-Magirus. Kruska schrieb in sein Tagebuch: Sand, Lehm, Geröll lag auf den Straßen, dazwischen Menschen zu Fuß mit Eselskarren, ein Chaos. In den Bergen wird das Campmobil von schwanzlosen Berberaffen erobert, bei Tata versuchen drei Männer den Magirus zu stoppen, in der Dades Schlucht war die Straße wieder einmal mit Geröll blockiert, Das nächste Ziel der Steinberger ist jetzt der Senegal.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare