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Auch die verbreiterte A 2 ist ein Nadelöhr

Keine Frage: Die 34 Kilometer der Autobahn 2 im Kreis Schaumburg sind die Lebensader des nördlichen Weserberglandes. Nach dem 18 Millionen Euro teuren Lückenschluss zwischen Bad Eilsen und Rehren im Oktober 2008 ist diese Lebensader in ganz Niedersachsen in beiden Richtungen auf drei Fahrspuren befahrbar. Doch dreispurig war offensichtlich schon bei der Freigabe der im Volksmund „Warschauer Allee“ genannten Piste zu wenig, denn: „Keine Autobahn in Niedersachsen ist so belastet wie die A 2.

veröffentlicht am 01.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 04.02.2010 um 12:11 Uhr

Autor:

Thomas Wünsche

Keine Frage: Die 34 Kilometer der Autobahn 2 im Kreis Schaumburg sind die Lebensader des nördlichen Weserberglandes. Nach dem 18 Millionen Euro teuren Lückenschluss zwischen Bad Eilsen und Rehren im Oktober 2008 ist diese Lebensader in ganz Niedersachsen in beiden Richtungen auf drei Fahrspuren befahrbar. Doch dreispurig war offensichtlich schon bei der Freigabe der im Volksmund „Warschauer Allee“ genannten Piste zu wenig, denn: „Keine Autobahn in Niedersachsen ist so belastet wie die A 2. In den nächsten Jahren wird der Ost-West-Verkehr noch zunehmen. Angesichts dieser Entwicklung wird der Bundesverkehrsminister einen weiteren Ausbau der A 2 ernsthaft prüfen müssen“, hatte David McAllister, CDU-Fraktionschef im Landtag, bereits im Dezember 2007 erklärt.

Jetzt, zwei Jahre später, lässt der Minister prüfen. Land und Bund haben Mitte Dezember 2009 beim Institut für Verkehrstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig ein Gutachten in Auftrag gegeben, um alle Optionen für die Autobahn zu untersuchen, so das Wirtschaftsministerium in Hannover. Das Gutachten soll „ganzheitlich und ergebnisoffen“ Möglichkeiten zur Verbesserung des Verkehrsflusses und zur Erhöhung der Sicherheit auf der A 2 untersuchen. Geprüft wird in dem Gutachten auch ein Ausbau der Autobahn auf acht Spuren, wie Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) präzisiert. Und wie aus dem Ministerium verlautet, soll das Papier im Februar oder März vorliegen. Dann will Bode mit dem Bund über die A 2 sprechen. Handlungsbedarf bestehe für die gesamte Trasse durch Niedersachsen, also „für die Strecke, an der die weißen Kreuze an Unfälle erinnern“, so der Minister.

Auch Sebastian Edathy, SPD-Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Schaumburg, sieht Handlungsbedarf, will aber die Ergebnisse des Gutachtens abwarten. So schrieb er am 15. Dezember 2009 an eine Bürgerin: „Hinsichtlich Ihrer Frage, ob ich einen achtspurigen Ausbau der Autobahn 2 befürworte, möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich zunächst das vom Land Niedersachsen beim Institut für Verkehrstechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig in Auftrag gegebene Gutachten abwarten möchte. Grundsätzlich sehe ich Handlungsbedarf aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der Häufigkeit von Unfällen auf der A 2; die konkrete Ausgestaltung sollte aber die Empfehlungen des Instituts berücksichtigen, die voraussichtlich im kommenden Jahr vorliegen werden. In absehbarer Zeit wird hoffentlich die noch zu aktivierende Verkehrs-Beeinflussungsanlage zu einer Verminderung des Unfallgeschehens beitragen können.“ Für einen achtspurigen Ausbau der A 2 spricht sich derweil der Chef des Vereins Logistikportal Niedersachsen, Mathias Krage, aus.

Laut Auskunft von Niedersachsens Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr lag das aktuelle Verkehrsaufkommen an der Zählstelle Lauenau 2008 im Schnitt bei 80 085 Pkw am Tag; hinzu kamen 18 909 Lastwagen; der Wert für 2009 liegt noch nicht vor. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren passierten die Zählstelle täglich noch 79 000 Pkw und 16 036 Lkw. Doch gerade die „Brummis“ sind’s, die bei sogenannten Elefantenrennen wieder und wieder für Staus sorgen, oder – wenn die übermüdeten Fahrer am Steuer einschlafen, weil sie an der A 2 keinen freien Stellplatz finden – auch für besonders schwere Unfälle.

Für die Lastwagen stehen an bundesdeutschen Autobahnen rund 21 000 Stellplätze auf Rastanlagen und 19 000 auf Autohöfen zur Verfügung. Doch dieses Angebot gilt als zu dürftig: So kommt eine aktuelle Erhebung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zu dem Ergebnis, dass bundesweit etwa 14 000 zusätzliche Abstellflächen benötigt werden. Schätzungen des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen gehen sogar davon aus, dass bis zu 30 000 Lkw-Stellplätze fehlen. Und der zunehmende Güterverkehr wird diese Situation auch weiterhin verschärfen.

Nun will Niedersachsen gegensteuern: Bereits Mitte Juni 2009 haben Niedersachsens damaliger Wirtschafts- und Verkehrsminister Philipp Rösler (FDP) und Achim Großmann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, eine Erklärung zwischen Bund und Land zum Ausbau der Parkplätze unterzeichnet. Danach werden bis Ende 2010 rund 500 zusätzliche Lkw-Stellplätze an Niedersachsens Autobahnen geschaffen. Dabei handelt es sich um eine erste Tranche von insgesamt über 3000 solcher Stellflächen, deren Fertigstellung bis 2015 geplant ist. Fündig geworden ist man zum Beispiel im Bereich Garbsen. Dort soll die Tank- und Rastanlage Garbsen-Nord unter Regie der Bundesrepublik Deutschland für 2,4 Millionen Euro um einen Parkplatz für den Schwerlastverkehr erweitert werden. Die neue Anlage umfasst 68 Lkw-Stellplätze; die Kapazitäten für den Schwerlastverkehr erhöhen sich damit von zurzeit 41 auf 109. Der Planfeststellungsbeschluss ist Ende Oktober 2009 rechtskräftig geworden.

Nicht nur Bund und Land, auch Privatleute wollen entlang der A 2 tätig werden. So verspricht sich die „Arge Projekt“ (Großhansdorf/Hamburg), ein 1980 gegründeter Zusammenschluss von Partnern, die im Immobilienmanagement tätig sind und unter dem Motto „Erfolgsplanung aus einer Hand“ Freizeitobjekte, Altersruhesitze und Gewerbeimmobilien erstellen, von einem Autohof im Schaumburger Land das große Geschäft. Geplant ist die Anlage bei Heeßen in der Nähe von Bad Eilsen zwischen der Autobahn sowie der Bundesstraße 83 auf einer Fläche von 50 000 Quadratmetern. Mit einem Investitionsvolumen von 10 bis 11 Millionen Euro sollen Stellplätze für 165 Lastwagen und 165 Autos geschaffen werden. Zur Infrastruktur sollen eine Tankstelle, ein Schnellrestaurant, ein Restaurant für gehobene Ansprüche und ein Kasino gehören. Arge-Geschäftsführer Jürgen Breuer rechnet damit, dass den Autohof pro Tag etwa 3000 Lkw frequentieren werden. Baubeginn soll „irgendwann 2011“ sein, der Autohof könnte in etwa zwei Jahren stehen. Zwei Hürden sind genommen: So haben alle 14 Grundstückseigentümer im Rathaus von Bad Eilsen die Verträge unterschrieben, mit denen sie die benötigten Landwirtschaftsflächen an den Investor veräußern. Bevor der bauen kann, muss die Samtgemeinde Eilsen allerdings den betreffenden Flächennutzungsplan im Sinne der Arge ändern, die Gemeinde Heeßen einen Bebauungsplan für den Bereich aufstellen. Ihre Bereitschaft dazu hat letztere bereits erklärt – auf einer Ratssitzung am 21. Januar unter den flammenden Protesten von etwa 50 Anwohnern.

Denn entlang der A 2 im Schaumburger Land reißen die Klagen der Gemeinden über Lkw-Fahrer, die bei Einbruch der Dunkelheit wegen der restlos überfüllten Stellplätze von der Autobahn abfahren und an den Straßenrändern einen Fleck zum Schlafen suchen, nicht ab. Wenn entlang der Ost-West-Achse mehr Parkplätze geschaffen werden, wird dieses Problem vorüber sein, glauben die Bürgermeister.

Indes: Die Entscheidung, dreistellige Millionen-Beträge in den Ausbau der Lkw-Stellplätze an der A 2 und – eventuell – auch in einen achtspurigen Ausbau der Autobahn zu investieren, ist nicht unumstritten. Denn es gibt für den Güterverkehr als Alternative die Eisenbahn. Zwar ist die Linie Hannover–Minden– Ruhrgebiet eine der wichtigsten Niedersachsens und Deutschlands. Doch der Gütertransport absolviert derzeit eine Durststrecke. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik gab es 2005 zwischen Hannover und Minden insgesamt 31 851 Fahrten von Güterzügen; die nächste Erhebung findet erst wieder 2010 statt. Aber laut Karl-Friedrich Rausch, Vorstand der Bahn für Transport und Logistik, geht das Schienenunternehmen davon aus, dass es noch zwei bis drei Jahre dauern wird, bis die Bahn in diesen Sparten wieder an die Ergebnisse von 2008 herankommt. Das Jahr 2009 sei dramatisch gewesen, rund 25 Prozent der Transportmengen seien verloren gegangen. Für dieses Jahr erwartet der Manager ein Mengen- und Umsatzwachstum von etwa fünf Prozent im Bereich DB Schenker Rail und Logistics. Noch immer stünden auf ganz Deutschland verteilt rund 25 000 Güterwaggons und Hunderte Lokomotiven auf Abstellgleisen ungenutzt herum – rund ein Viertel des Waggon-Fuhrparks der Bahn.



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