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Serie "Baudenkmale in unserer Stadt": Münchhausen-Villa stilgerecht saniert

Auch der "Lügenbaron" lebte hier

Rinteln. Die Weserstadt mit ihren Dörfern ist reich gesegnet mit erhaltenswerten historischen Gebäuden. Schützen kann man nur das, was man kennt. In der Serie "Baudenkmale in unserer Stadt" stellen Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz einige dieser Objekte vo r.

veröffentlicht am 17.12.2007 um 00:00 Uhr

Ein lebendiges Zeugnis dafür, wie historische Adelssitze für ein

Autor:

Dietmar H. Roesler

Im südöstlichen Bereich der Rintelner Altstadt liegen einige der heute noch erhaltenen ehemaligen Adelssitze, deren Ursprünge teilweise bis in das 13. Jahrhundert zurückreichen. In erhaltenen Unterlagen wird der Münchhausen-Hof im Jahre 1747 als größter Burgsitz im mittelalterlichen Rinteln ausgewiesen. Die Familie von Münchhausen stammt ursprünglich aus der Nähe des Klosters Loccum. Im Jahre 1112 wurde der Mönch Heino von Hausen von seinem Gelübde befreit, heiratete und gründete eine Familie, die sich von Münchhausen nannte. Eines der bekanntesten Mitglieder der Familie war der Obrist Hilmar von Münchhausen, 1512 in Aerzen geboren. Er verdiente ein Vermögen, in dem er Söldner und Lands-knechte anwarb, um sie in verschiedenen Ländern Europas den jeweils kriegführenden Parteien anzubieten. Das Geld investierte er in den Bau von Schlössern und Herrenhäusern. So begann er mit dem Bau eines der schönsten Schlösser der Weserrenaissance in Schwöbber, und er beauftragte denselben Architekten und Baumeister mit dem Bau eines Herrensitzes in Rinteln. Und zwar auf einem Gelände, das der Familie von Münchhausen vom Grafen von Schaumburg belehnt worden war. Von den ursprünglichen Gebäuden ist nur noch die rund 60 Meter lange "Scheune" erhalten sowie das berühmte "Archivhäuschen". Das eigentliche Herrenhaus wurde 1566 errichtet. Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude, das in späteren Jahrhunderten mehrfach umgebaut und wahrscheinlich nach einem Brand teilweise auch erneuert wurde. Erhalten geblieben aus der Bauzeit ist das aus Natursteinen errichtete Sockelgeschoss. Dieser ursprünglich wohl als Bankettsaal für Feiern genutzte 75 Quadratmeter große Raum weist ein dekoratives dreiteiliges Kreuzgewölbe auf. Interessant ist, dass der aus Bodenwerder stammende Karl Friedrich Hieronymus von Münchhausen (1720-1797), als "Lügenbaron" bekannt geworden, für einige Jahre Eigentümer dieses Burgsitzes in der Ritterstraße war. Es zeugt von der Bodenständigkeit der Familie, dass dieser "Burgsitz" mehr als 400 Jahre lang von einer Generation auf die nächste vererbt wurde. Erst in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zog das letzte Mitglied der Familie von Münchhausen (Frau von Platen, geb. von Münchhausen) aus, Park und Gebäude ließen sich nicht mehr unterhalten. Die Münchhausen-Villa wurde 1986 von einem Rintelner erworben - mit der Verpflichtung, das Gebäude möglichst originalgetreu und stilgerecht zu sanieren. 1987/88 wurde die Villa über eine Bauzeit von 18 Monaten vollständig entkernt und komplett saniert. Es entstanden drei Wohnungen, und im Erdgeschoss, im historischen Sockelgeschoss mit dem Kreuzgewölbe, wurde der Saal wiederhergerichtet. Diese Erdgeschoss-Etage wurde jahrelang für vielfältige Zwecke genutzt, für Kulturveranstaltungen und auch für private Feiern. Zurzeit wird auch diese Etage für private Wohnzwecke genutzt. Die Umgebung der Münchhausen-Villa wurde im Barockstil angelegt, mit symmetrischen Wegen, teilweise als Kieswege angelegt, mit einem stilvollen Brunnen vor dem Eingangsportal und mit Hecken umgeben. In dieser Form und mit den neuzeitlichen Nutzungen ist die Münchhausen-Villa neben der Ritterstraße am "Münchhausenhof" ein lebendiges Zeugnis dafür, wie historische Adelssitze einer der heutigen Zeit entsprechenden Nutzung zugeführt werden können und auf diese Weise auch der Nachwelt erhalten bleiben.

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