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Man achte auf das Kleingedruckte: Kritik an Lebensmitteln mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum

Auch bei täglicher Kontrolle rutscht was durch

Rinteln (ur). "Da reichen offenbar die personellen Ressourcen nicht aus - sonst müssten die das ja wohl in den Griff kriegen!", vermutet Klaus Hirschmann aus der Nordstadt angesichts einiger problematischer Erfahrungen, die er beim Einkauf von Lebensmitteln in einem hiesigen Verbrauchermarkt an der Konrad-Adenauer-Straße machen musste. Was "die da" von der Marktleitung nach Ansicht des Diplom-Ökonomen nicht in den Griff bekommen, das ist der Frischebereich in den Kühl- und Tiefkühltruhen und dabei insbesondere die umfassende Beachtung von Verfallsdaten und Ablauffristen speziell bei Fisch und Fleisch.

veröffentlicht am 23.08.2006 um 00:00 Uhr

"Bereits im vergangenen Jahr habe ich in einer Kühltruhe Artikel festgestellt, deren zulässiges Verkaufsdatum bereits abgelaufen war. Daraufhin habe ich die Geschäftsleitung aufgefordert, die Ware einmal gründlich zu prüfen und gegebenenfalls herauszunehmen. Aber selbst eine Woche später entdeckte ich dort noch bei flüchtigem Durchblick mehrere Packungen, die schon ein bis zwei Wochen überfällig waren!" Kürzlich machte Hirschmann dort erneut die Probe aufs Exempel: Er erwarb mit Kassenbeleg vom 14. August ein Barbarie-Entenbrustfilet, das ausweislich des Packungsaufklebers bis zum 7. August verbraucht sein sollte. "Und diese Angabe ist schließlich noch ein sehr viel eindeutigeres Kriterium als die Angabe des letzten Verkaufsdatums!", setzt der aufmerksame Kunde nach. Inzwischen hat er Warenproben zur mikrobiologischen Untersuchung an das Kreisveterinäramt weitergeleitet: "Bedauerlich finde ich allerdings vom Verbraucherstandpunkt aus, dass man die Ergebnisse als Kunde nicht mitgeteilt bekommt!" Trotz der Negativerfahrung hat er inzwischen erneut etwas in der Frischeabteilung des Marktes eingekauft: "Am 18. August ein Makrelenfilet, das spätestens bis zum 16. August verbraucht sein sollte." Hirschmanns Engagement in Sachen Verbraucherschutz ist nicht nur ein Eintreten für eigene Interessen: "Ich achte auf solche Fristen - aber wie viele ältere Menschen mit angeschlagenem Immunsystem mag es geben, die solche Artikel unbesehen kaufen oder das klein gedruckte Datum nicht erkennen können?" Offenbar sei hier ein Unternehmen nicht in der Lage, den ordnungsgemäßen Zustand seiner Ware zu garantieren: "Die Fehler wurden von der Geschäftsführung sogar eingeräumt, aber ohne eine Entschuldigung oder ein Angebot zur Wiedergutmachung." Und geändert habe sich durch die Beschwerden offenbar auch nichts. Das Kreisveterinäramt bestätigt, die beanstandete Ware zur mikrobiologischen Untersuchung eingeschickt zu haben: "Im Rahmen unserer Zuständigkeit für Lebensmittelkontrolle überprüfen wir das natürlich auch in den Märkten selbst." Wo sich Missstände bestätigen, setze man dann auch auf Sanktionen, "wobei wir zunächst immer das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen". ImÜbrigen sei der Verkauf "abgelaufener" Ware durchaus zulässig, sofern sich ein Unternehmen durch Stichproben überzeugt habe, dass das Produkt noch in Ordnung ist: "Lediglich bei Hackfleisch muss sichergestellt sein, dass es am Herstellungstag auch verkauft wird", erklärt dazu Dr. Wilhelm Brase als Leitender Veterinärdirektor des Landkreises. Die Lebensmittelkontrolleure behalten sich allerdings eine Prüfung vor, ob die hausinternen Kontrollen im Handel auch tatsächlich durchgeführt werden. "Wo Menschen arbeiten, werden auch Fehler gemacht", räumt Ilse Hartmann als stellvertretende Leiterin des Marktkaufs ein. Den Vorwurf ungenügender Kontrollen aber weist sie zurück: "Wir überprüfen unsere Warenbestände täglich und es kann nur ein Versehen sein, wenn dabei abgelaufene Ware im Regal oder in der Truhe verbleibt." Man mache im Allgemeinen auch nicht von der gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch, Ware nach dem Ablauf der angegebenen Haltbarkeitsdauer verbilligt zu verkaufen: "Stattdessen reduzieren wir regelmäßig Frische-Artikel vor Ablauf des Datums." Sollte es trotz dieser Umsicht im Einzelfall vorkommen, dass eine Verpackung "durchrutscht", appelliere man an die Kunden, dies gegenüber der Marktleitung anzuzeigen: "Wir sind dankbar für solche Hinweise!"

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