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Kreis will TUI zur Kasse bitten / Löcher mit Recycling-Material gefüllt

Atjeberg-Stollen bricht ein

Hagenburg (jpw). Der rund 100 Jahre alte Atjeberg-Stollen ist an mehreren Stellen eingebrochen. Während das Kreisforstamt die vier bis fünf Meter tiefen Löcher verfüllen lässt, prozessiert der Landkreis mit der TUI - als vermutetem Rechtsnachfolger der ehemaligen Preussag AG - um die Übernahme der Folgekosten für zumindest diesen Teil des ehemaligen Schaumburger Bergbaus.

veröffentlicht am 15.01.2008 um 00:00 Uhr

Fast bis an die Erdoberfläche tritt das Kohlenflöz auf dem Kamm

Etwa fünf Meter tief ist eines der Löcher, das sich seit kurz vor Weihnachten unvermittelt auf dem Waldweg auf der Kuppe des Atjeberges, ganz in der Nähe der Landesstraße 453 - das ist die Straße zwischen Hagenburg und Bergkirchen - auftut. "Wir hatten das 2004 schon einmal", erläutert Lothar Seidel vom Kreisforstamt. Der Waldweg verläuft oberhalb einer Strecke des ehemaligen Schachtes Atjeberg, dessen Eingang sich nur wenige hundert Meter entfernt auf der anderen Seite der heutigen Landesstraße 453 befindet. Auch früher habe es schon kleinere und größere Einbrüche gegeben, berichtet Seidel. Das Kohleflöz liegt nur wenige Meter tief, es "streicht" zur Erdoberfläche hin "aus", wie es in der Bergmannssprache heißt. Frühere Rechnungen für die Verfüllung der kleineren und größeren Brüche habe die Preussag übernommen, erklärt Seidel Dies hat sich nun aber offenbar geändert, seit die Preussag AG in den vergangenen Jahren zur TUI AG umgebaut worden ist. Der Landkreis hat wegen der Kostenübernahme Klage vordem Amtsgericht in Hannover eingereicht. "Das Gericht hat uns darauf hingewiesen, dass es in dem Prozess um den Nachweis gehen wird, welches Unternehmen für den Schaden verantwortlich ist", sagt Landkreis-Pressesprecher Klaus Heimann. Möglicherweise spiele auch Verjährung eine Rolle. Seidel hat sich gestern vor Ort mit dem Unternehmer Joachim Schaer aus Hagenburg getroffen, dessen Firma die Einbrüche mit Bauschutt und Recyclingmaterial verfüllt hat, um die Gefahrenquellen im Wald zu beseitigen. Eine Mischung, die von Fachleuten empfohlen ist: "Das Material muss sich verkeilen können, damit nichts nachrutschen kann", erläutert der Förster. Er hat sich alle bergmännischen Sachverhalte vom Landesbergamt erläutern lassen hat: "Da muss man sich in eine andere Welt reindenken." Um 1900 herum ist der Schacht aufgefahren und im Gesamtbergamt Obernkirchen betrieben worden. Etwa in der Zeit derÜbernahme der Schachtanlagen durch die Preussag - Anfang der zwanziger Jahre des vorigen Jahrunderts - fiel der Entschluss, den Schacht am Atjeberg stillzulegen. Der ungeheure Bedarf an Kohle im Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg brachte es mit sich, dass von 1945 im Schacht Atjeberg von 44 Bergleuten noch einmal die "Restkohlepfeiler" im Notbergbau für drei Jahre abgebaut wurden.

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