weather-image
Ergebnis der Anwohnerbefragungen imöstlichen Altstadtquartier: Niemand will Neuhäusers Teller

Asphalt, Radarwagen und Insel am Ostertor

Rinteln (wm). Alle Anwohner des Altstadtquartiers sollten befragt werden, ob sie in ihren Straßen Aufpflasterungen oder die von WGS-Ratsherr Gert Armin Neuhäuser favorisierten "Kölner Teller" wünschten - so hatte der Rat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen. Die Veranstaltungen für die Anwohner von Kreuz- und Schulstraße, Ostertor-, Krankenhäger und Ritterstraßeund zuletzt, am Donnerstagabend, der Mühlen- und Brennerstraße im Brückentorsaal endeten mit einer Überraschung: Die überwiegende Mehrheit erteilte den "Kölner Tellern" ebenso eine Absage wie Aufpflasterungen oder anderen Einbauten in die Fahrbahn. Tenor der Bürger: Das bringt überhaupt nichts.

veröffentlicht am 22.07.2006 um 00:00 Uhr

Was die Mehrheit der Bürger, die auf den Veranstaltungen waren, tatsächlich wünscht, ist eine bessere Verkehrsüberwachung und eine Durchsetzung der vorgeschriebenen Geschwindigkeiten (in der Bäckerstraße Schrittgeschwindigkeit, in Mühlen- und Brennerstraße 30 Stundenkilometer). Dazu soll die Stadt wieder einen Radarwagen anschaffen. Ein Anwohner machte darauf aufmerksam, dass allerdings eine ständige Geschwindigkeitskontrolle auch ihre Tücke haben könnte: "Hinterher fährt kein Lipper mehr nach Rinteln, weil er hier dauernd Knöllchen riskiert." Es wurde kein Argument vorgetragen, zu dem sich nicht ein Gegenargument gefunden hätte. Vorschlag von Wilhelm Lutter: Die Straßen asphaltieren, damit die Fahrgeräusche leiser werden. Nachteil, so Ordnungsamtleiter Friedrich-Wilhelm Henke: Autos fahren dann noch schneller. Vorschlag aus der Versammlung: Poller zwischen Kreuz- und Schulstraße, zugleich Gegenverkehr in Bäcker- und Ritterstraße. Damit würden zwei "Ringe" entstehen, eine Rundfahrt Krankenhäger, Ritter-, Bäckerstraße, Krankenhäger Straße möglich, wie eine Durchfahrt Schulstraße/Brennerstraße - was der Lösung drei des Verkehrskonzeptes der Stadt entspricht. Nachteil, so Henke: Dann müsste der Dingelstedtwall an beiden Enden komplett gesperrt werden, sonst würde der Verkehr auf den Wall ausweichen. In der Mitte sperren ginge nicht, weil hier der Platz für zwei Wendebuchten fehle. Frage von Friedrich-Wilhelm Hoppe: Müssen Gelenkbusse bis in die Schulstraße fahren? Können die Kinder nicht am Kollegienplatz aussteigen? Einspruch von Bürgermeisterkandidat Dr. Marc Lemmermann: Dann gingen die Eltern der Erstklässler auf die Barrikaden. Vorschlag aus der Versammlung: Den Exter Weg stadtauswärts sperren. Lauter Protest von "Edeka"-Kaufmann Theo Milonas aus der Brennerstraße: "Wer soll dann bei mir einkaufen? Wahnsinn! Alle Straßen auf!" Vorschlag von Jürgen Evers: Die Schranke in der Dauestraße muss weg. Einwand von Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz: "Dann treffen sie ein reines Wohngebiet." Vorschlag von Wilhelm Lutter und Horst Wilkening: Größere Verkehrsschilder und Piktogramme auf den Straßen. Entgegnung von Henke: Die Erfahrung der Verkehrsbehörde in allen Straßen zeige, die Autofahrer halten sich nicht daran: "Wir haben geglaubt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich die Leute umorientieren, doch das war ein Trugschluss. Was in jeder anderen Stadt funktioniert, bei uns nicht. In Rinteln ticken die Uhren anders. Die Leute quälen sich durch Straßen, die nie für ein solches Verkehrsaufkommen ausgelegt worden sind." Vorschlag aus der Bürgerrunde: "Dann bauen sie doch Hindernisse, dass die Ölwanne wegfliegt!" Henke: "Netter Wunsch", aber rechtlich nicht möglich. Die Verwaltung habe auf Veranlassung eines Verwaltungsgerichtes bereits eine neun Zentimeter hohe Schwelle vor der Burghofklinik entfernen müssen, nachdem hier ein Motorradfahrer gestürzt war. Vorschlag von Günther Maack: Schrittgeschwindigkeit in der gesamten östlichen Altstadt. Henke: Dann müssten die Bürgersteige weg, alles niveaugleich ausgebaut und weitere "Einbauten" installiert werden. Wie absurd die Diskussion teilweise geführt wurde, zeigte der Wortbeitrag eines Anwohners: Er mache sich den "Spaß", auf der Bäckerstraße "ab und zu" sieben Stundenkilometer zu fahren und werde dann von Taxifahrern bedroht. Gelächter unter den Zuhörern: Was heiße hier "Spaß" und "ab und zu" - Schrittgeschwindigkeit sei eigentlich hier Vorschrift und zwar immer! Wie irrational Autofahrer handeln, zeigte eine Anmerkung aus der Versammlung: "Stop and Go, das verbraucht doch wahnsinnig viel Sprit, werüber die Umgehung rollt, fährt sparsamer." Was die Verwaltung jetzt konkret tun will: Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz sicherte zu, er werde mit Nachbarkommunen und mit dem Landkreis sprechen, um zu klären, ob man nicht doch gemeinsam einen Radarwagen anschaffen und einsetzen könne. Bis zum Herbst soll auf der Höhe von Schlachterei Lehmeier an der Brennerstraße Asphalt aufgebracht werden - hier gibt es immer wieder Dellen im Pflaster, die Steine lockern sich, das Pflaster "klappert". Am Ostertor soll in Höhe der Ostcontrescarpe eine weitere Verkehrsinsel angelegt werden mit dem Effekt, dass hier jeweils nur ein Fahrzeug passieren kann.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare