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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Brasilianer hat Angolaner betreut

Aroldo drückt jetzt den Deutschen die Daumen

Nordsehl. "Einer muss ja schließlich gewinnen, auch wenn's ein bisschen weh tut." Für Aroldo Costa-Jubanski ist die Welt nicht untergegangen, als die Fußball-WM für seine Mannschaft am Freitagabend nach dem Viertelfinale gegen die Franzosen zu Ende war. Der Wahl-Schaumburger aus Brasilien drückt jetzt der deutschen Nationalmannschaft die Daumen, so wie er es von Anfang an alsmögliche Alternative vorgehabt hat.

veröffentlicht am 03.07.2006 um 00:00 Uhr

Die ganze Familie zeigt Farbe im Trikot der brasilianischen Nati

Autor:

Werner Hoppe

Der Mittdreißiger kam in Faxinal zur Welt, im Bundesstaat Paranà im Süden des größten Landes von Südamerika. Dort hat er vor über fünf Jahren seine Ehefrau Gudrun kennen gelernt. Die Sozialpädagogin aus dem Emsland hatte zu der Zeit an einem Projekt mit brasilianischen Straßenkindern mitgearbeitet. Zusammen sind sie 2002 nach Hannover übergesiedelt. Dass es nun für den bisherigen Weltmeister so schlimm gekommen ist, bedauert er sehr, aber gesteht ohne zu zögern: "Die Mannschaft hat dieses Mal wirklich nicht gut gespielt." Während der letzten drei Wochen hat Aroldo Costa-Jubanski weniger Zeit gehabt, sich Spiele im Fernsehen anzuschauen. Dafür ist er aber auf andere Weise König Fußball ganz nahe gekommen. "Ich werde als Guide für die Leute aus Angola arbeiten", hat er bei unserem Besuch im Vorfeld erklärt. Grund: Die Muttersprache des erfahrenen Betreuers ausländischer Gäste auf Messen in Hannover ist Portugiesisch und damit die Verkehrssprache der Gäste aus dem afrikanischen Land. Dabei hat er eine strikte Auflage zu befolgen gehabt: "Als Tour-Guide ist es mir verboten gewesen, Fan-Gefühle zu zeigen oder irgendwelche Trikots anderer Nationalmannschaften zu tragen". Für unser Foto hatte sich noch die ganze Familie, zu der seit zweieinhalb Jahren Töchterchen Kea gehört, selbstverständlich die gelb-grünen Trikots der brasilianischen Spieler übergestreift. Ob er selber die angolanischen Nationalkicker, die ihr Quartier in Celle gehabt haben, zu sehen bekommen würde, ist nicht sicher gewesen. Inzwischen hat Aroldo sie aber bei ihren Spielen in den Stadien von Köln und Leipzig sehen können. Eine befreundete Brasilianerin aus Hannover, die mit einem deutschen VW-Mitarbeiter verheiratet sei, habe persönlich das Angola-Team betreut. In diesem Zusammenhanghabe sich die Gelegenheit zum Einlass zu zwei Spielen ergeben. Vom 9. Juni an mit Start in Hannover hat Aroldo seine rund zehnköpfige Besuchergruppe begleitet. "Wir haben viel Spaß zusammen gehabt", blickt Aroldo Costa-Jubanski zurück. Das liege nicht zuletzt an der guten Organisation der Gastgeber. "Dazu muss ich den Deutschen wirklich gratulieren, und ich finde auch, dass das ganze Land durch die WM ein ganz neues Gesicht bekommen hat." Während seiner Tour habe er viele freundliche Szenen beobachten können und durch das allgegenwärtige schwarz-rot-goldene Fahnenmeer darauf geschlossen, dass die Deutschen offensichtlich eine neue Einstellung zu ihrer eigenen Nation gefunden hätten. Dazu passe unter anderem, dass auch in der deutschen Nationalmannschaft dunkelhäutige Spieler ihren Stammplatz haben. Aroldo hat selber von Kindheit an Fußball gespielt: "Immer da, wo Jungs und ein Ball waren und hauptsächlich auf der Straße." Viele Jungs in seiner Heimat träumten von einer Karriere als Fußball-Profi, bestätigt er. Fotos aus seiner eigenen Fußball-Kindheit hat er aber nicht, denn "die waren früher bei uns noch sehr teuer." Heute, im Zeitalter des Satellitenfernsehens sei es aber normal, dass Fußballbesessene Brasilianer "Bayern München, den HSV und andere große deutsche Vereine kennen". Das stellt er unter anderem immer wieder bei den wöchentlichen Telefonkontakten in die Heimat fest. Gudrun Costa-Jubanski hat sich zusammen mit ihrem Mann vor den Bildschirm gesetzt, so wie sie ihn gelegentlich zu großen Spielen in deutschen Stadien begleitet. Zur WM 1998 habe sie gerade in Brasilien gearbeitet und auf der Großleinwand unter freiem Himmel mitverfolgt, wie der damalige WM-Gastgeber Frankreich Brasilien im Endspiel geschlagen habe. Dass die Brasilianer dieses Mal wieder von Frankreich aus dem Rennen geworfen würden und das sogar schon im Viertelfinale, haben sie beide nicht erwartet.

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