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Architekt Sebastian Kahle stellt Nutzungskonzept vor / Mietersuche besser als Abriss / Pilz bleibt im Putz

Argumente von Gemeinde und Bahn "ziehen nicht"

Haste (tes). Auf den ersten Blick sieht das Bahnhofsgebäude heruntergekommen aus. Gleichwohl wollen viele Bürger dieses Wahrzeichen im "Eisenbahnerort" Haste erhalten. Ein aktuelles Konzept von Architekt Sebastian Kahle gibt berechtigte Hoffnung: Demnach sei die Gebäudesubstanz in Ordnung. Ein Abriss weder nötig noch sinnvoll und auch in Sachen Wirtschaftlichkeit sehe es gut aus. Haste benötige zusätzliche Gewerbeflächen. Als nächste Ziele nannte Kahle: "Mieter suchen und zeigen, dass die Erhaltung des Gebäudes möglich ist."

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:18 Uhr

Die Zeit drängt, aber Investitionen in das denkmalgeschützte Bah

Der Architekt hat ein Nachnutzungskonzept für das Gebäude und das gesamte Gelände entwickelt. Wie sehr die Haster mit ihrem Bahnhof verbunden sind, zeigt sich auch darin, dass Kahle bereits der zweite ist, der das markante und geschichtsträchtige Gebäude zum Thema seiner Diplomarbeit machte. Ein Jahr zuvor hatten die Bauingenieure André Malkowski und Matthias Veerkamp einen Sanierungsplan entwickelt (wir berichteten). Architekt Kahle legte jetzt das passende wirtschaftliche Nachnutzungskonzept nach. Mit diesem wird eine Grundlage gelegt, um das denkmalgeschützte Stück Haster Geschichte für kleine Gewerbebetriebe wiederzubeleben. Dass sich ein Erhalten des Gebäudes nicht lohnt, kann der 26-Jährige nicht nachvollziehen: "Die Wirtschaftlichkeit berechnet sich danach, ob sich die Investitionen innerhalb von zehn Jahren durch Mieteinnahmen kompensieren lassen." Diese Rechnung gehe in diesen Fall auf. Denn: "Es ist keinesfalls so, dass ein Abriss unumgänglich ist", widersprach Kahle diesem von Gemeinde und Bahn vermittelten Eindruck. Die tragende Konstruktion sei in Ordnung. Zudem sei der Putz schadhaft, nicht das Mauerwerk. "Das Argument, die bis zu 1,09 Meter breiten Wände sind marode, zieht nicht", sagte Kahle. Von abgängiger Bausubstanz könnekeine Rede sein. Zudem seien auch die im Rat angesprochenen Pilze an der Fachhochschule analysiert worden. Ergebnis: Komplette Entwarnung. "Die Pilze können komplett mit dem Putz rausgeschnitten werden", so Kahle. Durch die Verzögerungen sind die Kosten gestiegen. Malkowski und Veerkamp waren noch auf 400 000 Euro für die Grundsanierung gekommen. Kahle beziffert den Aufwand auf 1,4 Millionen Euro für eine komplette Herrichtung - wenn der Denkmalschutz komplett beachtet wird. Ohne diese Auflagen sei mit 800 000 Euro zu rechnen. Allerdings gebe es günstige Abschreibungen, erklärte der im Bereich Gewerbeimmobilien tätige Architekt. Zudem könnten Investoren bei denkmalgerechter Sanierung bis zu 60 Prozent Zuschüsse erwarten. "Für diesen Betrag lässt sich das Gebäude auf jeden Fall vermieten", ist Kahle überzeugt. Nur 5000 Euro würden reichen, um den Verfall vorerst zu stoppen. Die baulichen Voraussetzungen ermöglichten vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Ein Umbau sei nötig, aber durch die nachträglich eingebauten Innenwände leicht umsetzbar. Für Investoren besonders interessant ist die zentrale Lage und Laufkundschaft durch rund 4000 Reisende pro Tag. Eine Änderungsschneiderei habe Interesse bekundet: "Kleidung morgens abgeben und auf der Rückreise nach der Arbeit fertig abholen", so Kahle. Der Gewölbekeller wäre zudem optimal als Weinkeller nutzbar. Ohnehin habe seine Ortsanalyse ergeben, dass der Platz für zusätzliche Gewerbeflächen in Haste gering ist. Dass die Bahn, wie vom Bürgermeister in Aussicht gestellt, nach dem Abriss an dieser Stelle ein neues Gebäude errichtet, hält Kahle für "totalen Schwachsinn". "Die Bahn hat offiziell beschlossen, bundesweit nur noch 400 Empfangsgebäude zu erhalten. Vielmehr werden sich die Anwohner auf der anderen Straßenseite noch über den Lärm wundern, der ohne Gebäude ungedämmt über sie hereinbricht." Zum Problem Lärmschutz gebe es noch keine Pläne, hatte Bürgermeister Sigmar Sandmann in der Ratssitzung erklärt. Kahle sagte, die Vertreter von Rat und Bahn hätten sich schon mit dem Ziel getroffen, das Gebäude abreißen zu lassen. "Besser wäre gewesen, zuvor sachkundige Informationen einzuholen", berichtete der junge Architekt, dass er am 31. Mai sein Konzept im Bürgerhaus vorstellen sollte. Die SPD-Fraktionssitzung habe zunächst ihr "OK" gegeben,dann aber ohne Begründung die Veranstaltung abgesagt. Verpasst haben Ratsleute und Bürger damit nicht nur ein Gesamtkonzept für die Nutzung von Bahnhofs- und Raiffeisengelände, sondern auch eine Lösung für das mindestens ebenso brennende Problem Bahnübergänge. Demnach müsse gegenüber der Einmündung zur Kolenfelder Straße unbedingt Platz für eine Unterführung gelassen werden. Die Vorteile wären laut Kahle: Der Ort würde nicht auseinandergerissen, die Fahrradfahrer müssten nicht immer durch die Bahnunterführung, und eine zusätzliche Brücke für die Hohnhorster wäre zu gleichen Kosten auch möglich. Zum Thema



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